Alltag eines Psychotherapeuten: Veränderungen sind Gift für das Gehirn

kolumneAlltag eines Psychotherapeuten: Veränderungen sind Gift für das Gehirn

Kolumne

Der Februar ist in vielerlei Hinsicht eine Durststrecke: Die Tage werden nur langsam länger, nach wie vor ist es aber oft dunkel, nass und kalt. Die Euphorie des Jahreswechsels ist längst verflogen.

Mit etwas Glück haben Sie ihre Neujahrsvorsätze bis hierhin wenigstens einigermaßen umgesetzt – doch für Rückfälle in alte Muster sind wir im Februar besonders anfällig. Denn dann ist die Euphorie des neuen Jahres längst verflogen und Durchhalten angesagt.

Kürzlich betreute ich eine depressive Patientin mit einem ähnlichen Problem. Sie war nach einer Mobbingsituation an ihrer Arbeitsstelle schon vor einiger Zeit depressiv geworden. Die trockene Alkoholikerin hatte durch den Verlust ihrer Kneipenbekanntschaften und die Krankschreibung fast ihr gesamtes soziales Umfeld sowie ihre Tagesstruktur und gesellschaftliche Aufgabe verloren.

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Ihr Hausarzt hatte schließlich die Aufnahme in eine psychiatrische Tagesklinik veranlasst, in der sich ihr Zustand schnell deutlich verbessert hatte, doch die wiederhergestellte Motivation und Tagesstruktur hatten noch nicht einmal einen Monat gehalten.

Symptome einer Depression

  • Müdigkeit

    Deutliche Geschlechtsunterschiede finden sich bei der sogenannten unipolaren Depression, von der Frauen doppelt so häufig betroffen sind wie Männer. Diese Form ist gekennzeichnet durch Symptome wie verminderten Antrieb oder gesteigerte Müdigkeit, ...

  • Depressive Stimmung

    ... depressive Stimmung in einem ungewöhnlichen Ausmaß, die fast jeden Tag mindestens über zwei Wochen hinweg auftritt, ...

  • Keinerlei Freude

    ...Verlust an Interessen, keinerlei Freude mehr an Tätigkeiten, die einem früher mal Spaß und Befriedigung gebracht haben, ...

  • Selbstvertrauen

    ...Verlust des Selbstvertrauens und des Selbstwertgefühls sowie Selbstvorwürfe und Selbstzweifel,...

  • Konzentration

    ...Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen, Appetitverlust oder gesteigerter Appetit.

    (Quelle: Ursula Nuber, "Wer bin ich ohne dich?", Campus-Verlag)

Im Aufnahmegespräch war sie optimistisch und versprach sich von der in der Rehaklinik vorgegebenen Tagesstruktur und die sozialen Kontakte eine ähnlich schnelle Verbesserung von Stimmung und Antrieb, die tatsächlich eintrat. Sie sagte, diesmal sei sie auch wirklich motiviert, die Tagesstruktur zuhause beizubehalten.

Eine Rückkehr an den Arbeitsplatz hielt sie aber für unmöglich, zudem stand sie ohnehin kurz vor der Rente. Nun stellte sich die Frage, wie wir für die Patientin die Wahrscheinlichkeit erhöhen konnten, dass sie dauerhaft gesund blieb – eine langfristige Veränderung im Alltag musste her. Doch warum fällt es Menschen eigentlich so schwer, Veränderungen langfristig aufrechtzuerhalten? Psychologen machen sich seit jeher Gedanken über diese Frage: Die meisten bieten Tipps, wie Sie Veränderungen scheinbar spielend in ihr Leben integrieren – die Wahrheit ist leider, dass es in den meisten Fällen trotz kleiner Tricks immer noch viel Disziplin bedarf.

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