Andreas Raelert: "Nicht aufgeben, weder im Rennen noch im Leben"

InterviewAndreas Raelert: "Nicht aufgeben, weder im Rennen noch im Leben"

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Andreas Raelert ist Deutschlands bekanntester Langdistanztriathlet. Aber auch er musste schon schwere Schlappen einstecken.

von Thorsten Firlus

Andreas Raelert ist einer der erfolgreichsten Triathleten Deutschlands. 2014 erwischte ihn während eines Ironman eine Magenverstimmung. Er ging ins Ziel. Wir haben mit ihm über das Aufgeben und Weiter machen gesprochen.

WirtschaftsWoche Coach: Herr Raelert, Sie sind 2014 im Marathon des Ironman auf Hawaii wegen Magenproblemen gegangen und sind entsprechend viele Plätze zurückgefallen. Sie hätten aufgeben können. Warum sind Sie bis in Ziel gegangen?

Andreas Raelert: Leider musste ich das Rennen auf Hawaii bereits im Jahr zuvor auf Grund einer Verletzung vorzeitig aufgeben, es war das erste Mal überhaupt in meiner Karriere, dass ich einen Wettkampf nicht bis ins Ziel bringen konnte. Dies war insbesondere bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii eine extrem schmerzvolle Erfahrung.

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Ich habe mir deshalb 2014 auf Hawaii geschworen, dass ich, egal, wie das Rennen verlaufen würde, es dennoch beenden würde. Denn wenn man nach einer Aufgabe später im Hotelzimmer sitzt und erst einmal froh ist, dass man das Leiden verkürzt hat, weil es dadurch zunächst einfach mal vorbei ist, dann quält man sich später dann doch. Die Unzufriedenheit ist dann größer denn jemals zuvor.

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2013 musste ich aussteigen wegen der Verletzung, dazu gab es leider keine Alternative. Aber wenn nicht eine Verletzung auftritt, dann gibt es für mich keinen Grund auszusteigen. Auch wenn dies wie 2014 auf Hawaii bedeutet, dass ich die Hälfte des Marathons gehen muss.

Das klingt zunächst ganz simpel….

….vielleicht, aber auf der anderen Seite ist ein solcher Moment eine sehr große Prüfung. Wenn man nicht mehr laufen kann und zu gehen beginnt – ich lag zu diesem Zeitpunkt auf Platz zwei mit großen Ambitionen, den vor mir liegenden Sebastian Kienle, der das Rennen später ja gewann, doch noch einzuholen – dann wird man mit der Tatsache konfrontiert, dass nach sieben Stunden Renndauer alles, was man sich so extrem hart erarbeitet ha, mit einem Mal verloren ist. Ich habe ja mehr als drei Stunden Zeit für die zweite Hälfte des Marathons gebraucht – das ist sehr viel, oder besser: zu viel Zeit um nachzudenken.

Zur Person

  • Andreas Raelert

    Andreas Raelert ist einer der erfolgreichsten Triathleten der Welt. Er wurde 2012 Triathlon-Europameister auf der Mitteldistanz, ist zweifacher Olympionike (2000, 2004), mehrfacher Ironman-Sieger sowie dreimal Zweiter bei der Ironman World Championship auf Hawaii (2010, 2012 und 2015).

Haben Sie in dieser Zeit ihren festen Willen nicht aufzugeben, in Frage gestellt?

Oh, ja! Zwischendurch kamen schon erhebliche Zweifel. Mir wurde schon bewusst, dass ich mindestens noch Stunden unterwegs sein werde. Die Enttäuschung auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Zeit, darüber nachzudenken und in sich zu kehren, das ist eine harte Prüfung. Die Träume und Wünsche, die an diesem Tag dahingeflossen sind – das geht einem alles durch den Kopf. Mit dieser Enttäuschung umzugehen bei so viel verbleibender Zeit – das war zwar sehr demotivierend für den Kopf, aber am Ende hat der Entschluss, das Ziel zu erreichen, nicht gewackelt. Als ich dann die Ziellinie überquert habe, war ich dann neben der Enttäuschung über das Rennen an sich zugleich auch froh, dass ich es geschafft habe.

Warum?

Da ist so viel Vorbereitung zu leisten auf ein solches Rennen wie den Ironman Hawaii. Es sind so viele Entbehrungen erforderlich, die ich und meine Familie aufgebracht haben. Das wollte ich nicht hergeben, in dem ich den einfacheren Weg gewählt hätte anstatt mich diesem Moment zu stellen.

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