Dämon liest: "Sie können der Beste sein - und kein Mensch merkt es"

Dämon liest: "Sie können der Beste sein - und kein Mensch merkt es"

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Alle zwei Wochen stellen Ihnen unsere Autoren hier ein Buch zum Thema Work-Life-Balance vor.

von Kerstin Dämon

Alle zwei Wochen stellen wir Ihnen ein anderes Buch vor, das sich mit der einen oder anderen Seite der Work-Life-Balance befasst. Diese Woche: Jack Nasher - "Überzeugt! Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen".

Joshua Bell, einer der größten Geiger unserer Zeit, spielt auf einer vier Millionen Euro teuren Stradivari in Washington in einer U-Bahn-Station die Chaconne aus Bachs Partita Nr. 2. Und es passiert: Nichts.

Mit der Schilderung dieses berühmten Experiments beginnt Professor, Berater und Autor Jack Nasher sein neuestes Buch über Kompetenz und wie wir sie wahrnehmen. Nämlich in der Regel gar nicht, wie das Bell-Experiment eindrücklich belegt:

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Niemand applaudiert dem preisgekrönten Musiker, nur sieben von insgesamt fast 1100 Passanten bleiben überhaupt kurz stehen, um Bell zuzuhören. Nach einer Stunde hat er rund 30 Dollar in seinem Geigenkasten. Tickets für seine Auftritte gibt es meistens ab 100 Dollar aufwärts. "Sie können der Beste aller Zeiten sein, auf welchem Gebiet auch immer - und kein Mensch merkt es", fasst der Autor das Experiment zusammen. Darum geht es in seinem Buch: die (berufliche) Umwelt vom eigenen Können zu überzeugen.

Kompetenz ist das Erfolgskriterium

Denn obwohl Menschen Kompetenz nicht einschätzen oder bewerten können, halten wir sie für die zentrale Eigenschaft im Berufsleben. Wer beruflich vorankommen will, sollte deshalb andere von sich überzeugen können – Überzeugungskraft wiegt schwerer als tatsächliche Fähigkeiten, so Nashers Fazit. Dass er Recht hat, belegen hunderte Studien aus der Psychologie, der Verhaltensforschung und den Wirtschaftswissenschaften, die er zitiert und mit anschaulichen Beispielen belegt. Aus all diesen Studien spinnt Nasher einen praktischen Leitfaden für all die, die aufsteigen wollen.

Die ultimative Erfolgsformel

  • 1. Erstklassigkeit

    Tun Sie das, was Sie absolut erstklassig können.

  • 2. Zweitklassigkeit

    Wenn Sie das nicht wissen, lassen Sie von allem die Finger, was Sie nur zweitklassig können

  • 3. Nische finden

    Gehen Sie damit möglichst in eine Nische; von Me-too-Anbietern haben wir überall genug.

  • 4. Spielfeld finden

    Wählen Sie das richtige Spielfeld – also jenes, auf dem Ihre Erstklassigkeit wahrgenommen und wertgeschätzt wird

  • 5. Spielfeld wechseln

    Wenn Sie sich da verwählt haben, lohnen Blut, Schweiß und Tränen nicht. Dann müssen Sie das Spielfeld wechseln.

So rät er beispielsweise davon ab – entgegen der Erziehung vieler Mütter – im Berufsleben bescheiden zu sein. Oder würden Sie Ihr gebrochenes Bein gerne von einem Arzt richten lassen, der sich mit den Worten "Ich bin jetzt nicht gerade der beste Chirurg der Welt, aber ich werde mich bemühen, Sie irgendwie zusammen zu flicken" vorstellt? "Machen Sie sich keine Sorgen, ich bin der beste Chirurg des Landes und Sie werden im Nullkommanix wieder fit sein", klingt da schon besser. Das gelte für alle Berufsgruppen, so Nasher.

Wer Zuversicht überzeugend rüberbringen möchte, sollte am besten auch tatsächlich zuversichtlich sein und nicht nur so tun, schreibt Nasher. Wer auf die Frage "Warum eignen Sie sich für den Job?" für sich selbst keine Antwort hat, wird auch andere nicht von seinen Qualitäten überzeugen.

Es reicht, nicht die schlechteste Besetzung zu sein

Grundsätzlich müsse man nicht der beste Kandidat für einen Job sein, schreibt der Professor. So lange man nicht die schlechteste Wahl sei, könne man sehr viel erreichen. Wer vorankommen will, sollte deshalb dafür sorgen, kein unbekanntes Risiko darzustellen, sondern die sichere Bank. "Der erste Schritt ist also, sich zu überlegen, was gegen Sie spricht, und genau diese Gegenargumente zu entkräften", schreibt der Autor. "Denn das Verringern von Ungewissheit spielt eine Schlüsselrolle, wenn Kompetenz gezeigt und Menschen überzeugt werden sollen."

Er gibt außerdem hilfreiche Tipps zu Kommunikationsstilen, Sprechweise und Körpersprache, damit die komplette Person Kompetenz ausstrahlt. Nasher zitiert seinen ehemaligen Kollegen, den Oxford-Forscher Chris McKenna mit den Worten: "Man muss gar nicht zum Fachmann werden. Es bringt genauso viel, nur wie einer aufzutreten."
Etwas salopper formuliert: Man kann die größte Pfeife sein - mit dem richtigen Eigenmarketing wird man trotzdem erfolgreich. Wer ehrlich ist, kennt mindestens einen, der Nashers Buch offenbar schon gelesen hat.

Über das Buch:
Jack Nasher "Überzeugt! Wie Sie Kompetenz zeigen und Menschen für sich gewinnen".
ISBN: 978-3593398228

im Februar 2017 im Campus Verlag erschienen .
Das Buch hat 257 Seiten und kostet in der gebundenen Ausgabe 24,95 Euro.

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