Geschäftsreise: Reisegepäck 4.0

von Nena Schink

Koffer, die sich selbst einchecken und per App mitteilen, wo sie gerade sind - das ist noch längst nicht Realität. Dabei würde es Vielreisenden viel Zeit und Nerven sparen.

Die Digitalisierung hält überall Einzug – in der Arbeitswelt, wie im Privatleben. Doch der Reisegepäckmarkt wurde jahrzehntelang vergessen. Während wir unsere Tickets längst digital buchen, schieben wir altmodische Rollkoffer vor uns her. Wird die Digitalisierung auch die Art verändern, wie wir reisen? Und wie sieht der Koffer der Zukunft aus? Was bringen Technologien, wie Electronic Tag, digitaler Assistent und GPS-System? Die Kofferhersteller Samsonite, Rimowa und Horizn Studios zeigen, was bereits möglich ist und was schon bald Realität sein kann.

Es ist ein Riesenmarkt: Allein für die wachsende chinesische Mittelklasse werden in Zukunft 200 Millionen Reisen im Jahr prognostiziert – Tendenz steigend. Platzhirsch Samsonite lässt die digitale Welle noch kalt. Obwohl der international tätige Hersteller von Reisegepäck, wie Koffer und Reisetaschen, bereits 1948 mit der smartesten Abfahrt des Jahres warb.

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„Wir haben die Digitalisierung ganz sicher nicht verschlafen. Im Kofferbereich gibt es einfach Grenzen und die Technik steckt noch in den Kinderschuhen. Der Markt funktioniert noch oldschool", sagt Samsonite-Deutschland-Chef  Dirk Schmidinger. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Koffern und macht derzeit über 90 Prozent unseres Umsatzes mit herkömmlichen Koffer.

Die Technologien seien noch nicht gut genug entwickelt und die Produkte meist fehlerhaft - oder unvollständig: „In der fernen Zukunft wird es möglich sein, per App zu sehen, wo sich der eigene Koffer befindet, aber derzeit ist dieses Tool noch nicht flächendeckend möglich“, stellt Schmidinger fest. Noch nicht. Samsonite will aber in Kooperation mit Samsung den Koffer der Zukunft entwickeln. Dem Betriebswirt ist es wichtig keine leeren Versprechungen zu machen oder nicht ausgereifte Technologien zu verkaufen: „Es gibt Experimente, wie Koffer die dich selber wiegen, aber die Produkte sind bislang meist fehlerhaft,“ stellt Schmidinger fest. Samsonite Fans werden sich gedulden müssen.

Der deutsche Kofferhersteller Rimowa äußert sich da optimistischer. „Wir schätzen das Marktpotenzial für digitale Koffer sehr hoch ein. Zukünftig werden die Koffer, die mit Rimowa Electronic Tag ausgestattet sind, den Papieranhänger ersetzen – genau wie die mobilen Bordkarten bereits heute das Papierticket ersetzen", Sven Lepschy, Vizepräsident des Unternehmens.

Eine nahtlose Reiseerfahrung sei für den Kunden wichtig: Das Wiegen des Koffers überlässt Rimowa aus Sicherheitsgründen aber weiterhin den jeweiligen Airlines.

Ein junges Start-up aus Berlin "Horizn Studios" scheint den Koffer der Zukunft längst auszuliefern: „Es ist schon erstaunlich, dass niemand in der Kofferindustrie die Koffer weiterentwickelt hat. Unser Reisegepäck hat sich in den letzten 30 Jahren kaum weiter entwickelt. Wir leben in einer Zeit der Hypermobilität und Hyper-Konnektivität.  Die traditionellen Koffer-Unternehmen scheinen sich sehr schwer zu tun, sich und ihre Produkte an eine digitalisierte Welt anzupassen.“, stellt Gründer Stefan Howe fest. Sie haben Koffer entwickelt, die iPads und Smartphones unterwegs aufladen und mit GPS geortet werden können. 

Auch leere Akkus gehören der Vergangenheit an. Am Handgepäck lassen sich über einen integrierten Akku Notebook und Smartphone aufladen. Einen digitalen Reise-Assistenten gibt es oben drauf: „Viele Reisende haben keinen Assistenten, der sich um die teils recht aufwändige Reiseorganisation kümmert. Bei Horizn wird einmalig ein Reise-Profil für sie angelegt, und ab da sorgt der digitale Reiseassistent für Buchungen, Umbuchungen oder Restaurantempfehlungen.“ Trotz neu gegründeter Start-ups in Berlin ist die Reisegepäckbranche noch nicht am Ziel angekommen. 

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