Motivation: Entdecken Sie den Spaß an der Arbeit

GastbeitragMotivation: Entdecken Sie den Spaß an der Arbeit

Der Feierabend erscheint vielen von uns als der beste Teil des Tages. Für den Job muss man sich motivieren. Wer jedoch clever ist, macht die Arbeit zum Genuss.

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Echte Begeisterung ist immer besser als Selbstmotivation.

Es gibt einen sehr verräterischen Begriff, der unsere Haltung gegenüber der Arbeit entlarvt: Work-Life-Balance. Damit wird eine Zweiteilung unserer Existenz suggeriert. Scheinbar besitzen wir nur außerhalb der Arbeit ein Leben. Diese Überzeugung erfordert ständige Selbstmotivierung für den Job und erscheint den meisten so selbstverständlich, dass kaum jemand sie in Frage stellt.

Arbeit macht glücklicher als Freizeit

Tatsächlich besitzt die Arbeit ein größeres Glückspotenzial als die Freizeit. Es wird nur zu wenig genutzt. Arbeit kann glücklich machen, weil sie:

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  • Aktivität erfordert und das Gehirn beschäftigt hält
  • den Tag strukturiert
  • Lernmöglichkeiten bereitstellt
  • für Herausforderungen und Erfolgserlebnisse sorgt
  • Sinn schafft
  • bereichernde Kontakte bietet

Arbeit hat das Potenzial, unsere Bedürfnisse auf sämtlichen Ebenen zu befriedigen: physisch, emotional/sozial, mental und spirituell. Wir müssen nur wissen, wie wir dieses Potenzial ausschöpfen können.

Zur Person

  • Marion Lemper-Pychlau

    Diplom-Psychologin Marion Lemper-Pychlau hat sich auf den Themenbereich Arbeitspsychologie spezialisiert. Sie ist Autorin zahlreicher Bücher und Fachartikel sowie professionelle Vortragsrednerin.

Motivation bedeutet „ich will etwas tun“. Wo uns die Motivation zur Arbeit fehlt, da wird dann eben die Selbstmotivierung erforderlich. Das bedeutet, dass wir unseren inneren Widerstand brechen und die Unlustgefühle niederringen müssen, um das zu tun, was uns notwendig und vernünftig erscheint. Es ist eine Art von Selbstvergewaltigung, die da stattfindet. So etwas macht keine Freude und man handelt sich damit handfeste Probleme ein.
Denn wenn wir uns zur Arbeit zwingen, geht das nicht ohne hohen Energieaufwand. Es wird Glukose verbraucht, genau wie bei der Anspannung eines Muskels. Die Kraft, die uns durch die Selbstmotivierung verloren geht, kann der Arbeit nicht zugutekommen. Selbstmotivierung ist also alles andere als leistungsfördernd.

Echte Arbeitsfreude statt mantraartiger Selbstmotivation - so geht's

  • Abenteuer suchen

    Wenn wir etwas Neues in Angriff nehmen, sind wir hellwach und lebendig. Herausforderungen stellen deshalb eine ausgezeichnete Glücksquelle dar. Wir können Zusammenhänge erforschen, wir lernen, wir gehen Risiken ein, müssen improvisieren, erfinderisch sein, Hindernisse aus dem Weg räumen usw. Das Erleben steht im Vordergrund. Wer so arbeitet, denkt nicht daran, zwischendurch auf die Uhr zu sehen und der Feierabend kommt überraschend.

    Quelle: Diplom-Psychologin Marion Lemper-Pychlau

  • Den richtigen Fokus wählen

    Das, womit sich der Geist beschäftigt, das wächst. Konzentrieren wir uns auf all die Faktoren, die Anlass zur Unzufriedenheit geben, dann wächst unweigerlich die Unzufriedenheit. Empfinden wir hingegen Dankbarkeit für die Dinge, die in Ordnung sind, wächst die Zufriedenheit. Alles nur eine Frage der Wahl...

  • Beziehungen pflegen

    Als soziale Wesen sind wir auf nährende Beziehungen angewiesen. Gerade im beruflichen Stress tut es gut, öfter mal ein Lächeln und ein aufmunterndes Wort geschenkt zu bekommen. Eine lockere Plauderei, gemeinsames Lachen, ein bisschen Anteilnahme – es braucht nicht viel, um Verbundenheit herzustellen. Jeder kann damit anfangen, solch eine Kultur der Freundlichkeit und des gegenseitigen Wohlwollens zu etablieren. Ein wenig Wärme im rauen Tagesgeschäft ist ein wertvoller Wohlfühlfaktor.

  • Mehr geben

    In der Arbeitswelt geht es den meisten um Gewinn und groß ist die Befürchtung, man könnte zu kurz kommen. Dahinter steht die unreflektierte Überzeugung, dass wir um so glücklicher sein werden, je mehr wir bekommen. Diese Überzeugung ist falsch. Denn wir sind alle Opfer des Gewöhnungseffekts: Was auch immer wie bekommen, wir gewöhnen uns daran und wollen dann um so mehr. So werden wir zu Getriebenen.
    Beständiger hingegen ist das Glück des Gebens, ebenfalls eine Erfindung der Evolution. Wenn wir etwas für andere tun, nutzt das häufig mehr uns selbst als dem Empfänger unserer Wohltaten. Die Natur belohnt Selbstlosigkeit mit Glücksgefühlen, weil sie früher einmal unmittelbar dem Überleben der Art diente. Der Mechanismus funktioniert auch heute noch hervorragend. Und ganz nebenbei erweist sich großer Einsatz oft auch als sehr förderlich für die eigene Karriere...

  • Spielräume nutzen

    Fremdbestimmung ist der Arbeitsfreude abträglich. Das Gefühl, nur ein Befehlsempfänger zu sein, lässt kein Glück zu. Wir können in solch einer Situation jedoch zum versierten Detektiv für Spielräume werden. Kleine Spielräume finden sich immer. Es ist sehr beglückend, sie auf persönliche und eigenwillige Weise zu nutzen. Wir wollen gestalten und der Welt unseren eigenen Stempel aufdrücken – das liegt in unserer Natur. Auch wenn es nur im Kleinen geschieht, so fühlt es sich doch sehr gut an.

Außerdem bekommt man schlechte Laune, wenn man dauernd mit Dingen beschäftigt ist, zu denen man keine Neigung verspürt. Schlechte Laune schwächt das Immunsystem. Obendrein macht Übellaunigkeit grantig. Man verhält sich anderen gegenüber weniger freundlich und entgegenkommend, was leicht zu Konflikten führt.

Das Glück hat stets die Qualität des Trotzdem. Das gilt auch für die Arbeit. Die Kunst besteht darin, an einem gewöhnlichen Arbeitstag viele glückliche Momente zu erleben, obwohl manches dagegenspricht. Wer clever ist, nutzt deshalb bewusst das Glückspotenzial der Arbeit. Arbeitsfreude macht uns leistungsfähiger, gesünder und netter. Gleichzeitig fühlen wir uns rundum besser. Freude bedeutet: „Ich genieße, was ich tue.“ Das hat eine völlig andere Qualität als Motivation.

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