Prüfungsangst: Wenn Lampenfieber zur Qual wird

GastbeitragPrüfungsangst: Wenn Lampenfieber zur Qual wird

Schweißnasse Hände, Zittern, Übelkeit oder im schlimmsten Fall den Termin absagen: Mit Prüfungsangst wird eine Bewerbung zur Tortur. Was tun, damit das Lampenfieber nicht die Chancen auf den Traumjob verhagelt?

Prüfungsangst kennen die meisten Betroffenen schon aus der Schule oder der Uni. Wer sich dort noch irgendwie durchgemogelt hat, bekommt oft im ersten Vorstellungsgespräch die Quittung. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Formen der Angst, die sich ganz verschieden äußern. Sie können außerdem eine unterschiedlich starke oder schwache Ausprägung haben. In besonders schweren Fällen kann manchmal nur noch ein Profi helfen. Weniger ausgeprägte Ängste bekommt man aber mit etwas Übung und den richtigen Hilfsmitteln auch selbst in den Griff.
Egal ob ein Kunden- oder Vorstellungsgespräch oder eine klassische Prüfung in der Uni oder bei einer Weiterbildung: Prüfungssituationen sind für fast niemanden angenehm. Leider sind sie unausweichlich. Damit sie unfallfrei über die Bühne gehen, müssen bestimmte Grundvoraussetzungen stimmen:


• Ein leerer Magen denkt nicht gerne. Frühstücken Sie also zumindest eine Kleinigkeit.

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Olaf Kempin ist Gründer und Mitinhaber des Personaldienstleisters univativ. Quelle: Privat

Olaf Kempin ist Gründer und Mitinhaber des Personaldienstleisters univativ.

Bild: Privat

• Vermeiden Sie alles, was für zusätzlichen Stress sorgt: ein unpassendes Outfit, Streit mit dem Partner, drückende Schuhe, der Knoblauch im Essen vom Vortag . . .etc.

• Sich am Tag des Gesprächs vorzubereiten macht unnötig nervös. Finger weg von den Unterlagen!
• Bachblüten, Baldrian, Schüßlersalze: Es gibt pflanzliche Mittel, die helfen, sich zu entspannen.


Vorbereitung ist das A und O

Mit ein paar Tipps lässt sich die Angst vor einer Prüfungssituation verringern oder ganz überwinden. Haben Sie mit Prüfungsangst und Nervosität zu kämpfen, sollten Sie die Gesprächsvorbereitung keinesfalls auf die lange Bank schieben. Ein Plan kann bei der Selbstorganisation helfen: Wer die einzelnen Punkte nach und nach bearbeitet, fühlt sich gut vorbereitet und begegnet der Situation mit mehr Selbstsicherheit. To-Do-Listen-Apps wie Todoist oder Wunderlist und Notiz-Programme wie Evernote helfen dabei, die Vorbereitung zu planen und sind außerdem eine hervorragende Gedächtnisstütze.

Planen Sie bei der Vorbereitung auf ein wichtiges Gespräch Pausen ein. Die Faustregel: Spätestens nach 90 Minuten sollten Sie 15 Minuten Pause einlegen.

Bessere Leistung durch Ruhephasen Warum Sie alle 90 Minuten Pause machen sollten

Dass Pausen wichtig für die Produktivität sind, ist schon lange bekannt. Doch wie oft und wann genau ist so eine Ruhephase richtig?

Wer regelmäßig Pausen einlegt, steigert damit seine Leistung. Quelle: Fotolia

Sie können das Gelesene so nicht nur besser verarbeiten, sondern sorgen auch dafür, sich nicht in der Vorbereitung zu verlieren. Das sorgt für den nötigen Abstand und Sie werden weniger schnell ein Gefühl von Panik erleben. Außerdem sollten Sie darauf achten, vor dem Termin genug zu schlafen. Auch hier können Apps und Sleep Tracker helfen, Ihren Schlaf zu analysieren, damit Sie ihrem Gesprächspartner ausgeschlafen und leistungsfähig gegenübertreten können.

Die Stresssituation trainieren

Je besser Sie die Situation kennen, desto weniger angsteinflößend wird sie sein. Eventuell haben Sie die Möglichkeit, einen Einstellungstest online zu üben. Das Bewerbungsgespräch lässt sich prima mit einem Freund oder dem Partner üben. Je öfter Sie sich in einer solchen Stresssituation wiederfinden, desto souveräner werden Sie. Proben Sie auch Ihre Antworten auf die gängigsten Fragen im Bewerbungsgespräch. Übung macht den Meister.

Einige Tricks und Kniffe für das Biofeedback sollten Sie unbedingt beherzigen. Achten Sie darauf, dass Ihre Gedanken nicht ausschließlich um das Gespräch oder den Einstellungstest kreisen. Am Abend vorher und auch am Stichtag können gute Musik oder Meditation für die nötige Ablenkung sorgen. Kurz vor der dem Vorstellungsgespräch kann es helfen, wenn Sie alle Sorgen und Ängste, die Sie mit der Situation verbinden, aufschreiben. Den Zettel werfen Sie anschließend weg. Das Stresslevel wird so gesenkt und Sie sind konzentrierter und leistungsfähiger.

Entspannen kann man lernen

Der Stress, den die Prüfungsangst in Ihnen auslöst, kostet Ihren Körper sehr viel Energie. Entspannungsübungen können helfen. Autogenes Training und Atemübungen können das Stresslevel deutlich senken und helfen Ihnen dabei, sich besser zu konzentrieren. Die eigene Aufmerksamkeit weg von sich selbst auf die Umgebung zu verlagern, kann Wunder wirken. Ob Sie sich eingehend mit der Frisur der Sekretärin befassen, die Deckenpaneele zählen oder Sie sich ganz bewusst an einen karibischen Sandstrand träumen: Sie durchbrechen so den Angstkreislauf und kommen leichter zur Ruhe. Ein Geheimtipp: Bewusst mit den Zehen wackeln! Das sorgt ebenfalls für ein wenig Entspannung.

In einer Prüfungssituation, wie einem Vorstellungsgespräch, ist die erste Frage immer die schlimmste. Ihr Gegenüber ist sich dessen bewusst und beginnt daher oft mit etwas Smalltalk. Wenn Sie im Laufe des Gesprächs dringend ein paar Sekunden Zeit gewinnen wollen um sich zu sammeln, bitten Sie darum, dass der Gesprächspartner die Frage wiederholt oder anders formuliert. Der schlimmste Fall ist ein totaler Blackout: Wenn die Angst Sie fest im Griff hat, hilft nur Ehrlichkeit. Geben Sie zu, dass Sie blockiert sind. Im Zweifel kann Ihr Gegenüber Ihnen mit kleinen Hinweisen weiterhelfen oder eine andere Frage vorziehen. Schweigen Sie sich bitte nicht aus: Man wird glauben, Sie seien auf das Gespräch schlecht vorbereitet.

Wichtig ist, sich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Kein Mensch ist frei von Fehlern, übersteigerte Erwartungen sind absolut kontraproduktiv. Im ungünstigsten Fall klappt es mit einem bestimmten Job nicht. Dann heißt es Kopf hoch und einen neuen Versuch starten. Viel Erfolg!

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