Tipps: So überleben Sie schlechte Chefs

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Tipps gegen Tyrannen: So überleben Sie Ihren Horror-Chef

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Wie man sich gegen miese Chefs wehrt.

von Jan Guldner

Unfähige oder böswillige Vorgesetzte stressen ihre Untergebenen und machen sie krank. Dagegen kann man etwas tun – wenn man die richtigen Mittel kennt.

Gemessen daran, wie viele Hilfsangebote es für sie gibt, sind Manager die bedürftigste Spezies in Unternehmen. Schauspieler bringen ihnen selbstbewusstes Auftreten bei. Verhandlungsprofis verraten ihnen die besten Kniffe, um Konkurrenten über den Tisch zu ziehen. Und selbst von Affen im Zoo können sie sich abschauen, wie man möglichst geschickt ein Rudel führt.

Vielleicht finden auch deshalb 97 Prozent von ihnen, dass sie gute Führungskräfte sind. Das zeigt der aktuelle Engagement Index des Beratungsunternehmens Gallup. Ihre Untergebenen sehen das anders: Zwei Drittel von ihnen hatten in ihrer Karriere schon mal einen schlechten Chef, so das Ergebnis der Gallup-Studie.

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Der Unterschied: Ihnen steht meist niemand bei im Umgang mit schlechten Chefs – sie müssen lernen, sich selbst zu helfen. Denn wer unter einem Tyrannen oder Dilettanten arbeiten muss, verliert nicht nur die Lust an der Arbeit. Auch die Gesundheit leidet, wie eine Studie von Birgit Schyns von der Durham University und Jan Schilling von der Hochschule Hannover zeigt.

Der oder die Falsche für den Job: Fehlbesetzungen in deutschen Unternehmen

  • Zur Untersuchung

    Die Internationale Hochschule Bad Honnef Bonn verglich die mittels Kompetenzanalyse ermittelten Fähigkeiten von 1300 Menschen mit deren Jobs.

  • Allgemein: 33 Prozent sind für ihren Job wirklich geeignet

    Nur ein Drittel aller Teilnehmer sind wirklich goldrichtig auf ihrer Position. Alle anderen könnten in einer anderen Funktion genauso gut oder sogar besser arbeiten.

  • 30 Prozent in großen, 32 Prozent in kleinen Unternehmen

    Der Anteil der Fachkräfte in großen Unternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter), die perfekt sind, für ihren Job, liegt bei 30 Prozent. 70 Prozent könnten also mehr leisten, wenn sie einen anderen Job hätten. Bei den Fachkräften aus Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern sind 32 Prozent wie gemacht für ihren Job. Die restlichen 68 Prozent sind mit ihren Fähigkeiten auf ihrer Position irgendwie fehl am Platz.

  • Manager in großen und kleinen Unternehmen

    Der Anteil der Führungskräfte in großen Unternehmen (mehr als 500 Mitarbeiter), die mit ihren Kompetenzen in keiner anderen Rolle besser eingesetzt wären, ist mit 38 Prozent nur unwesentlich höher als bei Führungskräften aus Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern. Hier liegt er bei 37 Prozent.

  • 31 Prozent der erfolgreichen Manager...

    ...wären in einer anderen Funktion noch besser und effektiver.

  • 57 Prozent der mäßig erfolgreichen Manager...

    ... wären auf einer anderen Position besser aufgehoben.

  • 37 Prozent der jungen Mitarbeiter...

    Der Anteil relativ neuer Fachkräfte, die mit ihren Kompetenzen in einer anderen Rolle deutlich besser eingesetzt wären, liegt bei 37 Prozent.

  • 43 Prozent der erfahrenen Fachkräfte...

    Der Anteil der langjährigen Mitarbeiter, die auf einer anderen Position effektiver arbeiten würden, liegt bei 43 Prozent.

  • Fehlbesetzungen in Abhängigkeit von der Ausbildung

    Der Anteil der Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung, die mit ihren Kompetenzen in keiner anderen Rolle besser eingesetzt wären (31 Prozent), ist annähernd identisch mit den Fachkräften mit Hochschulabschluss (30 Prozent).
    Dagegen ist der Anteil der Führungskräfte mit beruflicher Ausbildung, die besser einen anderen Job machen würden, markant höher als bei Führungskräften mit Hochschulabschluss (30 Prozent).

  • Fehlbesetzungen nach Unternehmensbereich

    Nur 43 Prozent der im Vertrieb tätigen Personen haben auch ihre optimale Rolle in diesem Bereich. Damit ist der Vertrieb der Unternehmensbereich mit den meisten Fehlbesetzungen.

Die Typologie mieser Führungskräfte

Was kann man gegen schlechte Chefs tun? Zunächst einmal hilft es, zu wissen, wie sich ein schlechter Chef verhält. Seth Spain von der Binghamton Universität im US-Bundesstaat New York hat dazu gerade eine vereinfachte Typologie aufgestellt. Er unterscheidet dabei zwischen dem “dark boss”, also dem dunklen Chef, und dem “dysfunctional boss”, also dem unfähigen Chef. Letzterer sei nicht aktiv darauf aus, seinen Mitarbeitern zu schaden. “Wegen persönlicher Unzulänglichkeiten oder Mangel an Fähigkeiten sind sie einfach nicht besonders gut in ihrem Job”, sagt der Professor für Organizational Behavior.

Der dunkle Boss dagegen kann nicht nur schlecht mit Menschen umgehen. Er vermarktet sich bei den eigenen Vorgesetzten wo es nur geht und versucht seine Untergebenen klein zu halten. Sie hätten machiavellistische, narzisstische oder gar psychopathische Züge, so Spain. “Sie genießen den Schmerz und das Leiden von anderen”, sagt der Forscher, “deshalb werden sie im Alltag gemein und beleidigend sein und Mitarbeiter schikanieren.” Zum Beispiel drängen sie Untergebene zu unethischem Verhalten, wie etwa Zahlen zu schönen, wenn sie selbst einen Vorteil davon haben.

Warum oft die Falschen Chef werden: Beförderungen nach Bauchgefühl gehen meistens schief. Wie Unternehmen es besser machen. Quelle: Getty Images; Montage: Uwe Schmidt

Das Beratungsunternehmen Second City Works hat aus einer Umfrage unter 2000 US-Arbeitnehmern kleinteiligere Stereotypen gebildet. Da wären der Chef, der immer die Lorbeeren für die Arbeit seines Teams alleine kassiert. Der Geist, der nie auf E-Mails antwortet, kein Feedback gibt und nur mal kurz zwischen Mittagspause und persönlichen Besorgungen im Büro ist. Der “Ja, aber”-Boss, der keine der Ideen seiner Mitarbeiter gut findet, aber auch kein Feedback zur Verbesserung gibt. Oder der coole Vorgesetzte, der so sehr gemocht werden will, dass er vergisst, zu managen.

Klar ist: Der schlechte Chef hat viele Ausprägungen. Egal welchen Typ man aber ausgemacht hat: “Der erste Schritt ist die kritische Überprüfung der eigenen Wahrnehmung”, sagt Jürgen Weibler, “Das muss man fairerweise mit in sein Kalkül aufnehmen.”

Der Professor für Leadership an der FernUniversität Hagen empfiehlt daher, sich selbst und die Unzufriedenheit mit dem Chef zu hinterfragen: Wird man wirklich schlecht behandelt? Wie nehmen Kollegen das wahr? Liegt es an der Situation? Ist man vielleicht selbst mitverantwortlich? Oder liegt es alleine am Chef?

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