Outfitwahl: Mit Jeans in die Chefetage

Outfitwahl: Mit Jeans in die Chefetage

Kleidung verrät oft, in welcher beruflichen Liga wir spielen. Dabei kann eine coole Jeans mittlerweile genau so viel Eindruck machen wie ein teures Designerkostüm.

Frank Bergmann lässt den Anzug im Schrank hängen, wann immer es geht. Doch es passiert selten, dass der auf Hemd und Stoffhose wirklich verzichten kann. Dabei waren noch vor wenigen Jahren schmuddelige Hose und Karo-Hemd an der Tagesordnung. Mit 16 Jahren stieg Bergmann ins Berufsleben ein. Sein erster Job: Dachdecker. Durch mehrere Zufälle wechselte er in die IT-Branche, arbeitete sich vom Innen- in den Außendienst hoch.

Zuerst wurde das Arbeiteroutfit gegen Jeans und Pulli getauscht. Als er seinen jetzigen Posten im Außendienst eines großen Unternehmens antrat, mussten Anzüge her. "Das war für mich ein großer Karrieresprung und ich habe mich automatisch anders gekleidet", sagt Bergmann. Es sei schließlich auch eine Frage des Respekts. Im Alltag habe er jetzt vor allem mit Menschen zu tun, die Anzüge tragen. "Da passe ich mich natürlich entsprechend an", sagt er.

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Wer schick gekleidet ist, vermittelt damit,  – ob gewollt oder ungewollt - dass er mit anderen elegant gekleideten, scheinbar hochrangigeren Personen zusammenarbeitet. Die Folge: Menschen erkennen wohlmöglich, dass man selbst einen wichtigen Job haben muss und das wird schon an Kleinigkeiten deutlich: "Wenn ich zum Beispiel heute in der Bank nur schnell was erledigen möchte, reagieren die Angestellten dort offener und freundlicher",  sagt Bergmann.

So kleiden Sie sich richtig

  • Wie Sie stilsicher werden

    Wie kleidet man sich ordentlich? Dabei geht es um mehr als die Frage, ob mit oder ohne Krawatte. Welche Aussagen lassen sich durch welche Kleidung transportieren? Das ist keineswegs Jacke wie Hose. Ein Crashkurs.

  • It fits

    Im Englischen heißt es „it fits“, wenn etwas passt. Daher das Wort „Outfit“. Ihre Kleidung sollte in drei Kategorien passen: Dem Anlass entsprechend, dem Typ entsprechend und der individuellen Aussage entsprechend. Genau in der Schnittmenge liegt das für sie optimale Outfit.

  • Für Banken, Versicherungen, Rechtsabteilungen und Buchhaltung

    Anzug oder Kostüm sollten Werte wie Vertrauen und Sicherheit widerspiegeln. Das gilt auch für Mitarbeiter im Back-Office. Ein Ziel ist Understatement. Die Kleidung sollte modern und nicht bieder wirken; dunkle Business-Farben wirken am besten.

  • In Management, Controlling, Marketing und PR

    Es gilt, einen Tick schicker zu sein als im klassischen Business. Hosen mit Pullover gehen maximal in der Werbebranche. Ansonsten eher kompletter Hosenanzug oder Blazer-Hose-Kombi für Damen, Anzüge und Kombinationen für Herren. Anspruchsvoll, gehobene Qualität und dunklere Farben.

  • Im B2B

    Professioneller Look ist hier unabdingbar. Klassische Kostüme, Anzüge und Kombinationen in mittleren bis dunkleren Farbtönen. Farben dürfen nicht ins Auge springen, sollten aber modern sein.

  • In Kreativ-Jobs

    In der Werbung oder bei den Medien darf es bunter und ausdrucksstark zugehen. Hier ist Nähe angesagt und schwarze Kleidung ist da sehr hinderlich.

  • Große Männer brauchen Unterteilungen

    Für besonders große Männer empfehlen sich farbliche Unterteilungen. Also zum Beispiel blaue Hose oder roter Pullover. Das unterbricht die Größe und lässt Sie weniger lang wirken. Männer mit langen Beinen tragen am besten längere Jacken und Ärmel.

  • Kleine Männer eher eintönig

    Ist Ihr Körper insgesamt kurz, empfiehlt sich farblich Ton in Ton. Farbliche Unterteilungen würden die Kürze betonen. Haben Sie kurze Beine, sollten Sie von Hosenaufschlägen absehen – und auch davon, Ärmel aufzukrempeln.

  • Passend zum Typ

    Tiefsinnige und Kreative wollen sich ausdrücken. Die Erscheinung darf Außergewöhnliches bieten, also kreativer Kragen, Schmuck, extravagante Brille oder bunte Farben. Bodenständige Typen verwenden besser natürliche Materialien und Erdtöne. Dramatiker und Extrovertierte mögen vielleicht asymmetrisch geschnittene Kleidung – sie sollten dann aber darauf achten, dass sie niemals billig wirkt. Zu sportlichen Typen passen Blau und Grün.

  • Nicht nur beim Mann entscheidet die Figur

    Sollten Sie eine schlanke Frau sein und Kleidergröße 32 bis 34 tragen, sehen Röhrenjeans super aus. Ab Kleidergröße 40 sehen Sie mit ihnen dicker aus. Es liegt also stets an der Form ihres Körpers.

  • Rechteckige Figurform

    Sind Schulter, Taille und Hüfte gleich breit, empfiehlt sich eine gerade Hose oder ein gerader Rock.

  • Dreieckige Figurform

    Die Schulter ist schmaler als die Hüfte. Hier sollten Sie Hosen und Rücke in der sogenannten A-Linie mit kurzen Oberteilen kombinieren.

  • Umgekehrtes Dreieck

    Die Schulter ist breiter als die Hüfte: Hier empfehlen sich Caprihosen, Röhrenhosen und enge Röcke. Die schmalen Hosen lassen sich gut in Stiefel stecken.

  • Die Achter-Figur

    Die Figur ist wie eine 8 geformt. Sie ist eine sehr weibliche Figurform. Die Röcke sind konisch geschnitten, sie werden zum Knie hin schmaler. Passende Hosen sind Hosen in Bootcut-Schnitten.

So intuitiv wie er, wählen aber nicht alle das richtige Outfit. Als Stilberaterin hilft Sandra Stein Menschen in Kleiderfragen auf die Sprünge. In Tests mit Seminargruppen hat sie festgestellt: Bestimmte Kleidung verbinden Menschen noch immer mit konkreten Berufsbildern. So wirken Männer in Anzügen sehr formell, Frauen in Kostümen besonders geradlinig und dadurch kompetent. Automatisch werden damit Führungspositionen assoziiert. „Diesen Berufsbildern wollen meine Kunden aber auch entsprechen und durch ihre Kleidung ihre Rolle und Aufgabe im Unternehmen unterstreichen“, sagt Stein.

Die Kleidung ist ein maßgeblicher Wirkungsfaktor, einen Geschäftspartner von sich zu überzeugen. „Natürlich muss man dann auch mit inhaltlicher Kompetenz punkten. Aber wenn schon der erste Eindruck schlecht ist, bleiben dafür weder Zeit noch Gelegenheit“, erklärt die Stilberaterin.

Darauf sollten Sie beim Anzug achten

  • Der Stoff

    Hände weg von Synthetik: Polyester, Polyacryl und Co. bringen den Träger nur ins Schwitzen. „Gentleman“-Autor Bernhard Roetzel rät zu 100 Prozent Naturfasern, im Idealfall Schurwolle. Diese ist im Gegensatz zu einfacher Wolle frisch geschoren und zeichnet sich daher durch besonders feine Fasern aus. Stoffe aus Schurwolle sind elastisch, glatt und fallen besser. In vielen Fällen können Anzugkäufer die Stoffqualität auch dadurch ausmachen, indem sie einmal zupacken und schauen, wie stark der Stoff knittert. Das ist aber nicht immer ein Qualitätshinweis: Leinen knittert beispielsweise immer.

  • Das Futter

    Billiganzüge haben meist ein synthetisches Futter aus Kunstfasern. Bessere Anzüge sind mit Viskose gefüttert. Das ist zwar auch synthetisch, wird aber aus Holz hergestellt und weist somit gleiche Eigenschaften auf, wie Baumwolle. Im besten Fall ist das Futter jedoch aus Seide.

  • Die Nähte

    Je billiger der Anzug, desto weniger Stiche weisen die Nähte auf. Wichtig ist vor allem, dass sie ordentlich und gerade verlaufen. Wer dafür keinen Blick hat, kann einfach den ausgewählten Anzug mit einem teuren High-Ende-Modell vergleichen.  Wichtig ist hierbei auch die Hose auf links zu drehen und die inneren Nähte zu begutachten.

  • Die Säume

    Billiganzüge verzichten gerne auf einen ordentlich verarbeiteten Saum. Dadurch fransen die Stoffränder schnell aus.

  • Die Knöpfe

    An Knöpfen lässt sich die Qualität eines Anzugs kaum ausmachen. Diese sind in so gut wie allen Preisklassen aus Kunststoff. Lediglich am oberen Ende haben Anzüge Knöpfe aus Büffelhorn, Steinnuss oder Perlmutt.  „Das sind aber eher traditionelle Qualitätsmerkmale“, sagt Stilexperte Bernhard Roetzel.

Allerdings betont sie auch, dass es einfach nur mit Anzug und Kostüm nicht getan ist. Nicht jedes formelle Outfit vermittelt gleich auch, dass der Träger in der Chefetage sitzt. Passform, Schnitt, Farbe und auch Modebewusstsein sind Faktoren, die erst wirklich Professionalität ausstrahlen. Eine wildgemusterte, zwanzig Jahre alte Krawatte sieht nicht nach beruflichem Erfolg aus. Ab 400 Euro, sagt Stein, gibt es einen guten Anzug. Für ein ganzes Outfit mit Schuhen muss man also schnell mal 700 Euro berappen. Das ist auch einer der Gründe, warum Kleidung die berufliche Liga wiederspiegelt: Formelle Anziehsachen sind bekanntlich teuer. Wer hochwertig gekleidet ist, so oft die Wahrnehmung Außenstehender, muss auch entsprechend verdienen.

Ein Karrieresprung muss nicht immer auch mit teuren Klamotten einhergehen, wie Nadine Piechucki zeigt. Bei ihr lief es genau andersrum. Zuerst arbeitete sie in der Unternehmensberatung. Schicke Bluse und hohe Absätze waren Standard. Dann wechselte sie zu einem Stuttgarter Start-up, arbeitet mittlerweile bei Moovel als Compliance-Managerin. „Das war für mich beruflich ein großer Fortschritt, weil ich viel mehr Verantwortung habe, als früher", sagt die 27-Jährige. Die Start-up-Kultur sehe ohnehin eine ganz andere Kleidungsordnung vor. "Ich trage lässige Kleidung, meine Chefs auch. Bei uns kann man nur am Äußerlichen keineswegs eine Hierarchie erkennen," sagt Piechucki.

Auch wenn die Tendenz in großen Konzernen ins Lässigere geht, kommt ein grundlegender Stilwechsel für Frank Bergmann erst einmal nicht in Betracht. Sein nächstes Karriereziel ist ein Posten im Management. Für den Job, meint er, ist seine jetzige Kleidung schon absolut geeignet. In dieser Hinsicht hält er es also ganz mit Giorgio Armani, der einst sagte: „Man soll sich nicht für den Job kleiden, den man hat, sondern für den, den man haben möchte.“

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