_

Demografischer Wandel: Qualifikation: Schlüssel für ältere Arbeitnehmer

von Dana Heide

Ob jemand seinen Rollator im Alter zu seinem Arbeitsplatz schiebt oder zur nächsten Parkbank, entscheidet sich schon in seiner Jugend. Das Qualifikationsniveau beeinflusst die Erwerbsbeteiligtenquote Ältere massiv, das zeigt eine Studie des Instituts für Arbeitsmark- und Berufsforschung (IAB).

Wer einen Hochschulabschluss Quelle: dpa
Wer einen Hochschulabschluss hat arbeitet deutlich länger als ohne. Quelle: dpa

Einen so eindeutigen Zusammenhang sieht man selten: Je qualifizierter Menschen sind, desto eher arbeiten sie auch noch jenseits der 50 Jahre. Das belegt eine Studie des IAB. Von den Menschen ohne Berufsausbildung  arbeiten demnach im Alter von 50 bis 54 Jahren noch knapp 60 Prozent – von denjenigen mit Fachhochschul- oder Hochschulabschluss dagegen sind in diesem Alter noch über 90 Prozent erwerbstätig. Besonders deutlich wird dieser Unterschied im Alter von 60 bis 64 Jahren: Weniger als ein Drittel der Menschen ohne berufliche Ausbildung arbeiten noch in diesem Alter - gegenüber fast 70 Prozent der Hochqualifizierten. „Alles, was die Zahl der Hochschulabsolventen drückt, ist demnach auch schlecht für die Erwerbsbeteiligtenquote der über 55-Jährigen“, erklärt Lutz Bellmann, Forschungsbereichsleiter Betriebe und Beschäftigung beim IAB.

Anzeige

Negativbeispiel Australien

Es sei aber nicht sinnvoll, wenn nur die Quote der Studienanfänger erhöht würde, sagt Felix Rauner, Leiter der Forschungsgruppe Berufsbildungsforschung an der Universität Bremen. Denn dann fehlten am Ende jene mit einer Berufsausbildung. Australien sei so ein Beispiel. Dort liegt die Studienanfängerquote bei über 80 Prozent. Die Folge: „Zwei Drittel der australischen Lehrlinge hat einen Bachelor-Abschluss“ erklärt Rauner. Besser sei es, wenn man auf spezielle Weiterbildungen, beispielweise für Meister, setzt. Wer einen Meister hat, solle zu einem speziell auf diesen Berufsabschluss zugeschnittenen Master-Studiengang zugelassen werden. Heute sind derart Ausgebildete nur zu einem Bachelor-Studiengang zugelassen - mit schlechtem Erfolg, weiß Bildungsforscher Rauner: „Die wenigen Meister, die versuchen, den ganz normalen akademischen Weg zu gehen, scheitern“. Der Grund: Die herkömmlichen Studiengänge hätten einfach zu wenig mit ihrer beruflichen Praxis gemein. Zudem sei ein Bachelor-Abschluss von der Qualifikation bereits gleichwertig mit einem Meisterbrief und daher wenig attraktiv.

Eine bessere Durchlässigkeit hätte noch einen weiteren positiven Effekt: Es könnte schneller auf schwankenden Fachkräftebedarf reagiert werden. Während bei einem normalen Studium mindestens vier bis fünf Jahre vergehen, bis die Studienanfänger dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, können ohnehin schon gut ausgebildete Meister wesentlich schneller zu Hochqualifizierten werden. Zudem hätten sie durch die zusätzliche akademische Bildung einen besseren Zugang zu Innovationen in ihrem Bereich.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 13.01.2012, 14:45 UhrAnonymer Benutzer: Jenny

    Nicht die Demographie mit ihren unumstößlicheln Fakten ist das Problem, sondern der Umgang der Personalchefs damit. So langsam sollten sich die Unternehmen mal mit dem Gedanken vertraut machen, dass ältere Arbeitsnehmer keine Altlasten sind, sondern wertvolle Mitarbeiter, die die Unternehmen voranbringen, siehe http://www.marketingfish.de/all/sechs-gruende-warum-aeltere-mitarbeiter-ein-unternehmen-voranbringen-5440/

    Die unseligen Zeiten, in denen Menschen mit einem Lebensalter 35+ als ältere Arbeitnehmer angesehen wurden, dürften endgültig vorbei sein. Ältere Mitarbeiter sind i.d.R. motiviert, zuverlässig, verbindlich und vor allen Dingen verfügen sie über Berufserfahrung. Kontinuierliche Weiterbildung ist das Stichwort der Gegenwart wie der Zukunft! Denn egal ob es sich um Meister, Ingenieure oder sonstige Fachkräfte handelt - die Halbwertszeiten des Wissens verkürzen sich immer schneller. Es kommt auf die Motivation an, auf dem aktuellen Stand zu bleiben und auf die Unternehmen, ein Weiterbildungsprogramm aufzulegen. Nicht auf die Zahl der Falten der Mitarbeiter.

  • 10.03.2011, 02:16 UhrAnonymer Benutzer: Azubi-Bildner

    Der Meisterberuf ist weiterhin ein unentbehrlicher beruf. Denn ein Fachmann mit dieser Schlüsselqualifikaion ist nicht ersetzbar. Alles andere kann man schon irgendwie filtern. Ein Meister sollte nicht studieren müssen, um ganz oben zu stehen.

  • 18.08.2010, 14:02 UhrAnonymer Benutzer: Harry

    Aus eigener Erfahrung (Ausbildung zum Elektroniker, Weiterbildung zum Techniker, Studium) kann ich sagen, dass ein Meisterbrief keineswegs äquivalent zu einem bachelorabschluss ist. ich hatte zwar noch das Glück das gute alte Diplom zu erhalten, allerdings im letzten Studiengang. ich habe also auch mitbekommen, was die Kommilitonen in den neuen Studiengängen so "treiben". Auch haben einige meiner bekannten ihren Meister abgeschlossen. Laut eigener Aussage sind die meisten einem Masterstudium nicht gewachsen.
    Die beste Weiterbildung ist meiner Meinung nach immer noch ein grundständiges Studium. Denn dort werden die theoretischen Grundlagen für die ingenieurstätigkeit gelegt. beim Techniker haben wir zwar eingeschränkt gelernt, was zu tun ist, das wieso konnten wir aber schon aus Ermangelung der mathematischen Grundlagen nicht vermittelt bekommen. Wenn schon eine eigene Weiterbildung für Meister auf basis derer Kenntnisse, dann bitte auch unter eigenem Namen.

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"
Die Geldklammer - Gastbeitrag von Frank Dopheide zur Serie "Aussterbende Insignien der Macht"

Teil 8 – Die silberne Geldklammer. Geld regiert die Welt, das war so und das bleibt so. Nur das Geld verändert seine...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.