
1 Selbstüberschätzung Ehrgeiz ist eine Bedingung für persönlichen Erfolg. Gerade Jobeinsteiger wollen oft vom ersten Tag an demonstrieren, dass sie „Macher“ sind. Karriere ist für sie eine Jagd nach Superlativen: schneller, höher, weiter. Dabei lassen sie keine Zweifel daran, was für tolle Typen sie sind und wie viel sie schon bald verdienen werden. Aber wer es übertreibt, wird im Unternehmen bald nur noch von sich selbst geschätzt. Verbissener Ehrgeiz verbaut den Blick für die Realität, macht überheblich. Kritiker werden gemieden. Dabei sind gerade sie so wichtig – sie bewahren uns vor den schlimmsten Fehlern. Ihre Einwände mögen nicht immer zutreffen, aber wer sachliche oder persönliche Kritik ignoriert, schränkt seinen Horizont gefährlich ein. Und wer Unfähigkeit immer nur bei anderen sieht, ist auf dem besten Weg in einem Teufelskreis aus Frust und Isolation. Die Grenze zwischen Selbstüberschätzung und Selbstbewusstsein ist fließend. Genau darin liegt ihre Gefahr: Betroffene seien oft in hohem Maß beratungsresistent und sähen es „als Zeichen von Genialität“, an, was in Wahrheit ein Defizit ist, so Thomas Deininger, Gründer der gleichnamigen Personalberatung in Frankfurt. 2 Spielregeln nicht durchschauen Neu im Job? Fein. Dann erwarten Sie jede Menge Herausforderungen und Chancen, sich weiterzuentwickeln – und auf die Nase zu fallen. Denn im neuen Umfeld gibt es zunächst kein Netzwerk, keine Lieblingskollegen, keine vertrauten Strukturen. Jetzt volle Pulle vorzupreschen, alles umzuorganisieren und allen seine genialen Ideen auf die Nase zu binden, wäre tödlich. In jedem Unternehmen gibt es ungeschriebene Gesetze, feste Spielregeln. Sie sind Teil der Unternehmenskultur – jedoch oft versteckt. Bei den einen gehört es zum guten Ton, das Büro nicht vor 19 Uhr zu verlassen. Bei anderen darf die Geschäftsführung nicht offen kritisiert werden, obwohl angeblich konstruktive Anregungen erwünscht sind. Wieder andere werten mangelnden Ellbogeneinsatz als Zeichen von Schwäche. „Kein Unternehmen kommuniziert solche Spielregeln offen“, sagt der Saarbrücker Personalmanagement-Professor Christian Scholz. Die richtige Strategie für die ersten Wochen lautet deshalb: aufmerksam beobachten und im Zweifel schweigen. Wer gibt den Ton an? Was wird von Mitarbeitern erwartet – bezüglich Kleidung, Arbeitszeiten, Umgangsformen, Einsatz? Welche Freiheiten kann man sich nehmen – und welche sind nur Legende? Das sind Fragen, die erst einmal klar beantwortet sein müssen. 3 Entwicklungsstillstand Christian Jerusalem, Senior Partner bei der Personalberatung Korn/Ferry, erinnert sich an das Schicksal eines ehemaligen Kollegen: Der Computerspezialist stammte noch aus der Zeit der Lochkartensysteme und war jahrelang ein gefragter Mann – auch dann noch, als die Geräte allmählich ausstarben. Mit den Geräten wurden auch die Experten, die sie bedienen konnten, immer seltener. Auf diese Marktlücke spezialisierte sich der Mann. Immer wieder fand er Lösungen, auch die ältesten Geräte zum Laufen zu bringen. Bis definitiv die letzte Lochkarte aufgebraucht war. Dann war der Spezialist arbeitslos. Marktnischen können eine Weile sehr lukrativ sein, aber auf Dauer sind sie riskant. Von Fachkräften wird heute erwartet, dass sie ihr Wissen ständig aktualisieren. In einer Studie des Vereins Deutscher Ingenieure monierten jüngst 68 Prozent der befragten Personaler das veraltete Fachwissen vieler älterer Ingenieure. Umgekehrt betrachteten zwar rund 92 Prozent der Ingenieure fachliche Weiterbildung als notwendig, aber nur elf Prozent waren bereit, diese aus der eigenen Tasche zu bezahlen. Die große Gefahr: Solange alles gut läuft, machen sich die wenigsten Gedanken über ihre Zukunft: Eine Fusion oder ein tief greifender Unternehmensumbau und die Krise ist da. Wer dann nicht über aktuell gefragtes Know-how verfügt, steht bald ganz oben auf der Streichliste. Indizien, was auch künftig verlangt wird, geben Stellenanzeigen – und die gründliche Lektüre von Wirtschaftsmedien (wie etwa der WirtschaftsWoche). 4 Netzwerke nicht beachten Outplacementberater sehen darin den größten Karrierekiller. Wer kann mit wem? Wer zieht an welchen Strippen? Wer verliert gerade an Einfluss? Wer ist der aktuelle Kronprinz? Das zu erkennen, so Beatrix Bauckhage, geschäftsführende Gesellschafterin von Rundstedt HR Partners, ist die eine Seite der Medaille – die wichtigere ist, „mitzuspielen“, also sich in bestehende Netzwerke und Karrierekartelle einzuklinken und sie für sich zu nutzen. Marktforscher haben im Auftrag von IBM herausgefunden, dass 60 Prozent des beruflichen Erfolgs auf das Konto von Beziehungen gehen, 30 Prozent gutes Image und Bekanntheitsgrad sind und nur 10 Prozent die Leistung ausmacht. Selbst der gemeinsame Absacker nach Feierabend fördert die Karriere. Das ermittelten Wissenschaftler der Universität Stirling in Schottland. Wer mit Arbeitskollegen moderat, aber regelmäßig ein Bierchen trinkt, erreicht danach im Schnitt ein 17 Prozent höheres Einkommen als Kollegen, die das nicht tun. Die Thekengespräche fungieren offenbar als verdeckter Stellenmarkt. Denn viele Jobs gehen in den Unternehmen unter der Hand weg. Das klingt nach Klüngel und ist es auch. Doch ob man das nun mag oder nicht – es gibt ihn überall, nicht nur in Köln. Und wenn es darum geht, wer eine Stufe aufrücken darf, dann sind es meistens diejenigen, die zum Netzwerk gehören. Selbst wenn der eigene Job einmal gestrichen wird, hilft Vitamin B schneller einen neuen zu finden.













