Elizabeth Corley: Die dunkle Seite einer Milliardenjongleurin

Elizabeth Corley: Die dunkle Seite einer Milliardenjongleurin

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Elizabeth Corley

von Yvonne Esterházy

420 Milliarden Euro haben Anleger Elizabeth Corley anvertraut. Die Europachefin von Allianz Global Investors ist die mächtigste Frau in der europäischen Finanzwelt. Nebenher schreibt sie bluttriefende Kriminalromane.

Sie betritt den Raum fast geräuschlos, eilt mit raschen kleinen Schritten in ihren schwarzen Pumps zum Tablett mit dem Geschirr. „Bitte entschuldigen Sie, ich habe mich ein wenig verspätet – mögen Sie eine Tasse Tee oder lieber Kaffee?“ Die Stimme: jugendlich hell, aber professionell, die Kleidung: von teurem, aber unaufdringlichem Schick, der Schmuck: dezent und im selben Türkiston wie das elegante Oberteil.

Mit ausgesuchter Höflichkeit – ganz englische Lady – begrüßt Elizabeth Corley ihren Gast. Lässt sich nieder, lächelt, streicht den Rock glatt. Die Europachefin von Allianz Global Investors (AGI) verströmt das seriös-klassische Flair einer Schuldirektorin. Doch hinter der konservativen Fassade verbirgt sich eine Powerfrau, die sich seit 36 Jahren erfolgreich in der Finanzbranche behauptet und – nebenbei – reichlich blutrünstige Krimis schreibt, die sich exzellent verkaufen.

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Die 53-Jährige wurde 2009 von der britischen Fachpublikation „Financial News“ zur wichtigsten Frau in der Vermögensverwaltungsbranche gewählt – und zur einflussreichsten Frau im europäischen Finanzsektor, der ansonsten mit ganz wenigen Ausnahmen immer noch eine reine Männerdomäne ist. Vor rund fünf Jahren heuerte die Britin bei dem Vermögensverwalter des Allianz-Konzerns an. Als Europachefin sitzt sie im elfköpfigen Führungsgremium der Fondsgesellschaft, neben Allianz-Vorstand Joachim Faber, Asienchef Douglas Eu oder Douglas Hodge vom weltgrößten Rentenfondsmanager Pimco.

AGI lebt vor allem vom Geschäft mit institutionellen Kunden wie Versicherern, Versorgungswerken, Banken und Pensionskassen. 2009 war für die Gesellschaft ein Rekordjahr. Unter dem Strich vertrauten Investoren dem Giganten 90,7 Milliarden Euro neue Mittel an; das verwaltete Vermögen stieg um 28 Prozent auf knapp 1,2 Billionen Euro. Nach den US-Giganten Black Rock und State Street ist die Vermögensverwaltung der Allianz weltweit die Nummer drei.

Corley verantwortet als CEO von AGI Europe Holding Ländergesellschaften von Skandinavien bis Bahrain, die insgesamt rund 420 Milliarden Euro managen, 80 Milliarden mehr als 2008. AGI-Chef Joachim Faber will künftig mehr Wachstum sehen: „In Frankreich und Italien sehen wir Aufholbedarf. Für Spanien gilt das Gleiche“, sagte er unlängst. „Corley muss jetzt liefern“, hört man in der Branche.

In den vergangenen Monaten war sie vor allem damit beschäftigt, die frühere Commerzbank-Fondstochter Cominvest zu integrieren. Die Allianz hatte sich Anfang 2009 Cominvest gegriffen, als sie die Dresdner Bank an die Commerzbank verkaufte. Corley ließ 118 Fonds schließen oder mit AGI-Fonds verschmelzen, rund 200 der 530 ehemaligen Cominvest-Mitarbeiter mussten gehen. Corleys Problem: Seitdem die Allianz die Dresdner Bank an die Commerzbank verkauft hat, hat sie in Deutschland keinen exklusiven, konzerninternen Vertriebskanal für ihre Fonds. Das erschwert den Absatz der Publikumsfonds in Deutschland.

Corley hat das Europageschäft stärker zentralisiert. „Als ich damals zu AGI kam, war es ein bisschen Patchwork, mit großen individuellen Stärken, aber ohne eine verbindende Strategie.“ Um das zu ändern, baute sie von 2006 an die europäische Holding auf, viele IT- und Verwaltungsfunktionen wurden vereinheitlicht. 2007 kamen durch Zukäufe des Allianz-Konzerns in Frankreich und Italien zwei wichtige Vermögensverwalter hinzu, die integriert werden mussten, später noch die Cominvest. All dies in einer Phase, die von den Erschütterungen der globalen Finanzkrise, von Börsencrash und Bankpleiten gekennzeichnet war.

„Die Kunden wurden viel vorsichtiger, sie meiden nun das Risiko mehr als früher“, sagt sie. „Die Schwankungsintensität der Kurse wird in den nächsten Jahren zunehmen, aber die Kunden wollen keine Volatilität.“ Wer Schwankungen vermeiden will, muss sich absichern – und das kann Rendite kosten: „Wir glauben, dass die Renditen in den nächsten fünf bis zehn Jahren geringer sein werden als vorher, eher im einstelligen als im zweistelligen Bereich.“

Wer etwas Risiko nehmen kann, „sollte die Möglichkeiten im Auge behalten, die sich aus den langfristigen Wachstumsperspektiven der Schwellenländer ergeben“. Mit einem Kollaps des Euro rechnet sie nicht, solange der politische Wille zur Unterstützung der Gemeinschaftswährung weiter bestehe und Anstrengungen gemacht würden, Haushaltsdefizite zu reduzieren. Transaktionssteuern oder Maßnahmen wie das von der Bundesregierung verhängte Verbot von ungedeckten Leerverkäufen würden die „dringendsten Probleme des Finanzsystems sicherlich nicht im Alleingang lösen“.

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