Emotionen am Arbeitsplatz: Wenn Wut die Leistung steigert

Emotionen am Arbeitsplatz: Wenn Wut die Leistung steigert

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Schlechte Gefühle müssen nicht immer kontraproduktiv sein: So treibt Wut die Menschen kurzfristig an.

von Marcel Berndt

Es klingt zunächst skurril: Gerade am Arbeitsplatz führt gute Laune nicht immer zu guten Ergebnissen - im Gegenteil.

Seine Arbeit für den US-Geheimdienst NSA machte Edward Snowden wütend. Nachdem er entdeckt hatte, dass die USA und Großbritannien das Internet großräumig überwachen, machte er sein Wissen 2013 öffentlich und ist seitdem auf der Flucht.

„Snowden hat aus einer sehr moralischen Wut heraus gehandelt“, sagt Dirk Lindebaum von der Management School der Universität von Liverpool. Die seitdem brodelnde Spionageaffäre zeigt, dass Wut, aber auch andere negative Emotionen positive Folgen haben können.

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„Neid, Scham, Schuldgefühle. Das sind alles negative Emotionen, die sozial sehr positiv wirken können“, sagt Lindebaum. Diese Aspekte haben Lindebaum und andere Forscher untersucht - und ihre Ergebnisse in einer Sonderausgabe des Wissenschaftsjournals „Human Relations“ veröffentlicht. Damit rütteln die Autoren an einer Grundannahme in der Forschung: Gute Emotionen führen zu guten Ergebnissen am Arbeitsplatz, schlechte Emotionen führen zu schlechten Ergebnissen. Das müsse nicht so sein, sagt Lindebaum. „In manchen Fällen gibt es auch eine asymmetrische Beziehung zwischen Emotionen und Ergebnissen.“

Dies hat er am Beispiel von Wut untersucht. Diese wirkt sich am Arbeitsplatz oft negativ aus, etwa wenn ein Kollege den anderen tyrannisiert. Wenn ein anderer Kollege jedoch darüber wütend wird und dazwischen geht, zeigt sich ein positiver Aspekt von Wut.

Um herauszufinden, wie sich Wut auf Produktivität auswirkt, hat Lindebaum 19 Bauingenieure interviewt. Das Resultat: Es lohnt sich für sie, vor allem dann wütend zu werden, wenn sich ein Bauprojekt verzögert und die Mitarbeiter angetrieben werden müssen. Das funktioniert jedoch nicht ewig. „Sie sagen selbst, sie können es nicht immer machen, weil sich der Effekt dann verliert“, sagt Lindebaum.

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Eine weitere Erkenntnis der Forscher: Positive Gefühle können sich auch negativ auswirken. So macht gute Laune Mitarbeiter etwa selbstgefällig und nachlässig. „Für Menschen, die in einem Atomkraftwerk oder in einer Goldmine arbeiten, kann es ernste Folge haben, die Risiken nicht allzu ernst zu nehmen“, sagt Lindebaum. Daher lautet der Appell der Wissenschaftler: Nicht alles, was sich positiv anfühlt, muss auch im Ergebnis positiv sein.

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