Entlassungen: So wird die Kündigung zum Ende ohne Schrecken

Entlassungen: So wird die Kündigung zum Ende ohne Schrecken

Scheiden tut weh. Vor allem die berufliche Demission ist mit zahlreichen Fallstricken verbunden. Wie sich Manager darauf optimal vorbereiten und wie beide Seiten die letzten 100 Tage im Job arrangieren, zeigt die folgende Anleitung für den gelungenen Abschied.

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Ryan Bingham alias George Clooney reist im Film "Up in the air" quer durch die Welt und kündigt im Auftrag von Unternehmenslenkern Leute

Jason Reitman hatte den richtigen Riecher. Bereits seit sieben Jahren sitzt der amerikanische Regisseur an seinem Film „Up in the air“ – am vergangenen Donnerstag kam der Streifen in die Kinos. Besser könnte das Timing nicht sein.

In dem Film hat der abgezockte Berater Ryan Bingham, gespielt von George Clooney, nur eine Aufgabe: Leute rausschmeißen – und zwar im Auftrag von Unternehmenslenkern, denen der Mut dazu fehlt, die Hiobsbotschaft selbst zu überbringen.

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Reitmans Streifen basiert auf einem fiktiven Roman, zudem gibt es den Job so nicht in Deutschland – doch er trifft den Nerv der Zeit: Auf dem Arbeitsmarkt verdichten sich wieder die Anzeichen, dass es bald zu neuen Entlassungen kommen könnte. In einigen Unternehmen läuft die Kurzarbeit aus, die Nachfrage ist aber noch lange nicht wieder auf dem alten Niveau.

Entsprechend geht auch die Bundesregierung in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahreswirtschaftsbericht davon aus, dass 2010 durchschnittlich 3,77 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos sein werden – rund 150 000 mehr als aktuell. Was laut Regierung notwendig ist, um selbst diese Zahl unter der Grenze von vier Millionen zu halten? „Glück.“

48 Prozent der Deutschen haben aktuell Angst um den eigenen Job

Und es bleibt nicht nur bei den abstrakten Prognosen. Längst wird in allen Branchen auf allen Ebenen gekürzt. Siemens kündigte vor einigen Tagen den Abbau von 2000 Arbeitsplätzen in Deutschland an, Opel will gar 4000 Stellen streichen. Einer aktuellen Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft zufolge rechnen 27 von 44 befragten Branchen mit weiteren Jobverlusten.

Kein Wunder, dass die Stimmung darunter leidet. 66 Prozent der Deutschen fürchten sich vor steigender Arbeitslosigkeit, fand das Marktforschungsunternehmen GfK vergangenes Jahr heraus. 48 Prozent haben Angst um den eigenen Job.

Tritt der Worst Case ein, scheuen jedoch nicht wenige Manager zurück. Solche Gespräche führt keiner gern – entweder, weil die Führungskräfte nachempfinden können, was auf die Betroffenen und ihre Familien zukommt oder weil sie sich vor den Reaktionen fürchten: Wutausbrüche, Heulen, Sabotage – um nur einige typische zu nennen.

Scheiden tut immer weh

Scheiden tut zwar immer weh. Sich im Fall der Fälle jedoch aufrichtig und respektvoll von seinen Mitarbeitern zu trennen ist eine der Kernaufgaben der direkten Vorgesetzten. „Das zu delegieren käme einer Selbstdemontage gleich“, warnt etwa Trennungsexperte Laurenz Andrzejewski.

Was indes vorkommt, ist, dass die jeweiligen Arbeitgeber vorab juristischen Rat einholen. Sei es, um bei größeren Entlassungswellen das eigene Haftungsrisiko zu minimieren, falls die Kündigung scheitert, oder aber, um die gefühlte moralische Schuld zu externalisieren.

Es sind Menschen wie Frank Glaeser, die dann zum Beispiel Aufträge bekommen. Der Euskirchener ist auf Insolvenzen spezialisiert und versteht sich als Dienstleister in allen Personalfragen, vor allem den unangenehmen. Auf seiner Web-Seite heißt es dazu vielsagend: „Wir nehmen Ihnen ganz diskret Ihre Arbeit ab und lassen Sie von unserer übersichtlichen Kostenplanung profitieren.“

Für die Beteiligten mag das angenehm sein. Es befreit sie aber nicht von der schwierigen Übergangszeit zwischen Kündigung und Umstrukturierung, zwischen Ende und Neuanfang. Eine Phase, die häufig unterschätzt wird.

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