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Erfolg: Die zehn größten Karriere-Mythen

von Jochen Mai

Frauen machen keine Karriere, und in der Krise geht nichts? Von wegen! In einem neuen Buch entzaubert der Headhunter Marcus Schmidt 40 der gängigsten Karriereregeln und zeigt, welche Strategien tatsächlich erfolgreich machen. Die WirtschaftsWoche druckt vorab exklusive Auszüge.

Buch Karrieremythen
Buch Karrieremythen

Die einschlägige Literatur zur Karriereentwicklung liest sich wie eine Ansammlung von Kochbüchern: Man nehme ein paar Zutaten wie Prädikatsexamen, Dissertation, Auslandstudium sowie einige Berufsjahre bei McKinsey. Man absolviere zur Sicherheit einen MBA, am besten in den USA. Mische alles kräftig mit guten Manieren und einem fehlerfreien Bewerbungsschreiben sowie eiserner Zielorientierung durch und beginne möglichst als Vorstandsassistent oder wenigstens in einem Goldfischteich eine nicht mehr aufzuhaltende Karriere.

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Solche Rezepte zu widerlegen ist nicht so trivial wie es scheint. Befragt man amtierende Vorstände und Geschäftsführer großer Unternehmen, tauchen die genannten Stichworte immer wieder auf. Natürlich wird man keinen Vorstand einer Aktiengesellschaft finden, der sich öffentlich damit zitieren lässt, mit nur 40 Wochenstunden auszukommen. Und die wenigsten brüsten sich damit, kein Studium absolviert zu haben oder an der Universität gar durch schlechte Noten und hohe Fehlzeiten aufgefallen zu sein. Es gibt sie aber.

Angebliche Lehren selbsternannter Karriereexperten kritisch hinterfragen

Natürlich waren auch einige der derzeitig amtierenden Vorstände von Dax-Unternehmen früher bei McKinsey oder anderen Beratungsunternehmen. Genauso allerdings gibt es ungleich mehr „Ex-Meckies“ und andere Berater a. D., die heute nicht Geschäftsführer sind, sondern in einem vergleichsweise unglamourösen Job ohne große Perspektiven gelandet sind.

Was folgt daraus?

Anstatt wie eine Horde Lemminge den Empfehlungen selbst ernannter Karriereexperten zu folgen, sollten Sie deren angebliche Lehren kritisch hinterfragen. Marcus Schmidt, erfahrener Headhunter und Partner der Personalberatungsgesellschaft Hanover Matrix, hat das getan und ein Buch verfasst über „Die 40 größten Karriere-Mythen“. Die WirtschaftsWoche druckt vorab exklusiv zehn dieser Mythen.

1. In einer Krise macht man keine Karriere

In der Rezession steigt niemand auf, heißt es. Unternehmen konzentrierten sich dann mehr auf den Abbau als auf den Aufbau von Mitarbeitern. Der Effekt: Die Kandidaten kleben aus Angst vor Fehlschritten an ihren vermeintlich sicheren Arbeitsplätzen.

In der Tat sinkt in Krisenzeiten bei den sonst höchst wechselaffinen Unternehmensberatern die Zahl der freiwilligen Wechsler. Aber ist das schon der Beweis? Mitnichten. Krisen sind selektiv. Sie sorgen wie ein Kontrastmittel für eine Trennung zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Leistungsträgern und Minderleistern, zwischen Kandidaten mit und ohne Chancen. Unternehmen wählen bei der Stellenbesetzung sorgfältiger aus, und es gibt eine deutlich geringere Fehlertoleranz. Das heißt aber auch: Bei der Auswahl setzen sich verstärkt die guten Leute durch. So besteht das Geschäft der Personalberater in

Krisenzeiten deutlich mehr aus Management-Audits und dem Austausch von Managern. Das Ergebnis solcher Audits kann sein, dass eine Führungskraft sich nicht als optimale Besetzung erweist und gehen muss oder zurückgestuft wird. Die anschließend gesuchten Ersatzkräfte sind jedoch seltener die Verwalter und Optimierer, die in den Jahren des Aufschwungs erfolgreich waren. Eher sind es die Leute aus der zweiten Reihe, die eine Chance bekommen. Zumal solche, die etwas weniger anspruchsvoll sind, weil sie sich erst beweisen wollen und nicht gleich Spitzengehälter fordern. So gibt es in Umbruchphasen öfter Chancen auf Restrukturierungsjobs, auf die ein erfolgreicher Manager dann im nächsten Zyklus aufsetzen kann.

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25 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.02.2010, 18:13 UhrAnonymer Benutzer: Laura T

    FORTSETZUNG
    Herr Mai, ich zitiere Sie:
    "An dieser Stelle muss ich - auch auf die Gefahr hin, von ihnen sodann als Chauvie gebranntmarkt zu werden - allerdings feststellen, dass mich die Gegenthese "Die Männer sind an allem schuld" auch nicht wirklich überzeugt. Die von ihnen zitierte DiW-Studie beschreibt einen Zustand, der gar nicht bezweifelt wird. Die Ursache belegt sie nicht! "

    ich würde Sie nicht als Chauvi bezeichnen, weil ich eine Diskussion auf einer derartigen Ebene nicht führe. Ähnlich verhält es sich mit ihrer Zusammenfassung meiner komplexeren Argumentation ("die Männer sind an allem schuld"), die ich doch sehr stark generalisierend finde.
    ich stimme ihnen zu: Vermutlich gehen unsere Meinungen nicht über den Zustand der Ungleichberechtigung in den Führungsetagen, sondern lediglich über die Ursachen für diesen Zustand erheblich auseinander.
    Welche Argumente (die eines Headhunters oder die einer wissenschaftlichen Studie) die Leserinnen und Leser dieses Artikels plausibler finden, kann dann jede oder jeder selbst entscheiden.

  • 24.02.2010, 18:11 UhrAnonymer Benutzer: Jochen Mai

    @Laura T: Die Kürzungen sind schon so gewählt, dass sie den Sinn der langen Aussage nicht entstellen, sondern auf dem vorhandenen Platz auf den Punkt bringen. Und darum geht es schließlich in einem Vorabdruck. insofern weise ich den Vorwurf hier unverantwortlich gehandelt zu haben, strikt zurück.

    Davon abgesehen halte ich Quoten für die denkbar schlechteste aller Lösungen (wie viele Ökonomen (m/w)) übrigens auch. Denn sie diskriminieren Exzellenz und fördern Mittelmaß. im Übrigen kann ich mir es auch nicht als erstrebenswertes oder gar seligmachendes Ziel für eine Frau vorstellen, den Job einer Quote und nicht ihrer tatsächlichen Leistung oder intellektuellen brillanz zu verdanken. Überdies lässt sich nicht einmal stichhaltig nachweisen, dass Frauenquoten "ihrer Sache" nachhaltig gutgetan hätten.

  • 24.02.2010, 18:01 UhrAnonymer Benutzer: Laura T

    FORTSETZUNG Statt lediglich Lösungen auf individueller Ebene zu fordern, die eben diesen Effekt haben, sollten Sie in ihrem Ratgeber auf zusätzlichen politischen Handlungsbedarf hinwiesen. Dieser könnte beispielsweise als Übergangslösung darin bestehen, eine Quote einzuführen, um die männlich dominierten Netzwerkstrukturen aufzubrechen. in Norwegen beispielsweise hat sich dies bewährt, gemeinsam mit der fördernden Qualifizierung von Frauen für die genannten Positionen und dem Aufbau einer Datenbank für qualifizierte Frauen (von der auch Sie als Headhunter profitieren würden). Auch gibt es politischen Handlungsbedarf , was die Vereinbarkeit von Familie und beruf angeht: in dieser Republik sind nach wie vor fast ausschließlich Frauen für die Kindererziehung verantwortlich (gerade 1,5 % der Männer nehmen die Elternzeit in Anspruch, nach wie vor gibt es keine infrastruktur für eine Kinderbetreuung in öffentlichen Einrichtungen, vgl. http://gruene-berlin.de/positionen/stach_arg/135/135-duhme.htm).

    Solange diese Voraussetzungen nicht von politischer und gesellschaftlicher Seite erfüllt sind, wird sich auch durch ihre großartigen "Karrieretipps" an der Situation bis auf wenige Einzelfälle nichts ändern. Was dann bleibt, ist der kontraproduktive Teil ihrer Argumentation, nämlich dass Frauen für die bestehende Situation selbst verantwortlich sind.

    Durch die enorme Kürzung im Vorabdruck in der WiWo, dies auch noch einmal an Herrn Mai, wird dieser Argumentationseffekt zusätzlich verstärkt. Deshalb Herr Mai, appelliere ich noch einmal an Sie, derartige Meinungen und Argumentationseffekte vor der Veröffentlichung genauestens zu prüfen. Es geht dabei nicht darum, nur Konsens zu veröffentlichen, sondern als Redakteur mit einem hohen Maß an Zugang zum öffentlichen Diskurs im Sinne unseres offensichtlich gemeinsamen Ziels verantwortlich zu handeln.

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