Fachkräfte: Ende des Gießkannenprinzips

Fachkräfte: Ende des Gießkannenprinzips

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Juliane Hefel

Fachkräfte sind rar – und werden deshalb wieder besser bezahlt. Im Durchschnitt ist ein Plus von 2,8 Prozent drin.

Zwei Gehaltsstufen weiter nach oben geklettert, 40 Prozent mehr Einkommen als noch im Jahr 2006 – das ist die eindrucksvolle Zwischenbilanz von Juliane Hefel. Die gebürtige Österreicherin hat bei Henkel seit ihrem Dienstantritt vor fünf Jahren bereits eine rasante Karriere hingelegt.

Zunächst arbeitete sie als Einkäuferin für Rohstoffe, seit Anfang 2010 ist die 35-Jährige für den Einkauf von Werbeartikeln und Marketingdienstleistungen verantwortlich. Dort muss sie vor allem Verhandlungen mit Lieferanten führen. Dieser Job beförderte die Fachkraft in die vierte Managementebene unterhalb des Vorstandes – und damit auch finanziell in höhere Sphären.

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Das bedeutet beim Düsseldorfer Konsumgüterkonzern ein Basisgehalt zwischen 76.000 und 110.000 Euro. Hefels Verdienst liegt zwar am unteren Rand dieses Spektrums. Das macht der Einkäuferin aber nichts, denn sie weiß: „Da ist Luft nach oben.“

Keine Frage, mit ihrem Gehalt gehört Hefel zur Spitzenklasse. Während Fachkräfte in Strategieabteilungen generell auf durchschnittlich 65.000 Euro Jahresgehalt kommen und Kollegen im Controlling im Schnitt 55.000 Euro überwiesen werden, verdienen Mitarbeiter in der Buchhaltung nur 35.000 Euro (siehe Grafik).

Und doch: Unterm Strich gibt es für einen Großteil der Fachkräfte dieses Jahr „einiges mehr als 2010“, bestätigt auch Marco Reiners, Vergütungsexperte bei der Münchner Unternehmensberatung AON Hewitt. Er geht derzeit bei Fachkräften von einer Gehaltssteigerung von bis zu 2,9 Prozent aus.

Zu einem ähnlichen Resultat kommt auch der aktuelle WirtschaftsWoche-Gehaltstest. Demnach verdienen Fachkräfte 2011 durchschnittlich 50.946 Euro, im vergangenen Jahr waren es noch 49.561 Euro – eine Steigerung von 2,8 Prozent.

Vor allem Leistungsträgern geben viele Arbeitgeber heute „noch einen Schlag oben drauf“, sagt Reiners. Der Grund: Die Unternehmen setzten die Gehaltsdifferenzierungspraxis fort – weg vom sogenannten Gießkannenprinzip, hin zum gezielten Einsatz der Budgets.

Insbesondere im außertariflichen Bereich setzen die Arbeitgeber auf variable, erfolgsabhängige Vergütung. Laut Personalmarkt-Berechnungen sind diese besonders bei Fachkräften in Marketing und Vertrieb der Normalfall, die Experten können hier mehr als zehn Prozent ihres Fixgehalts noch mal obendrauf verdienen.

Durchschnittliches Bruttoeinkommen von fünf Schlüsselpositionen

Durchschnittliches Bruttoeinkommen von fünf Schlüsselpositionen

Auch Henkel setzt diese Anreize ein – wenngleich üppiger als viele Konkurrenten. Auf Hefels Ebene sind beispielsweise bis zu 54 Prozent des Fixgehalts extra drin. Damit können Mitarbeiter hier insgesamt knapp 170.000 Euro erzielen. Das ist mehr, als die Führungskräfte in anderen Betrieben verdienen.

Allerdings wird dieser Wert auch bei Henkel nur in Ausnahmefällen erreicht. Die Anforderungen dafür liegen hoch: Nicht nur muss die gesamte Gruppe ein erfolgreiches Geschäftsjahr absolvieren. Auch wird erwartet, dass dafür sowohl die Ziele der Abteilung sowie der einzelnen Person zu 100 Prozent erfüllt sind.

Entsprechend viel Wert legen alle Vorgesetzten auf ein hohes Maß an Transparenz. Am Jahresanfang besprechen sie mit ihren Mitarbeitern zunächst die Ziele für die kommenden zwölf Monate und bilanzieren, inwieweit diese ihre Aufgaben des vergangenen Jahres erfüllt haben. Damit begründen sie dann das Maß der variablen Zahlung.

Trotz dieser hohen Anforderungen hält Hefel das System ihres Arbeitgebers für „klasse“. Dass die Erfolgsprämien einen so hohen Anteil am Gesamtgehalt ausmachen, motiviere sie nur zusätzlich. Und ob sich ihr Engagement auszahlt, sieht Hefel bereits in wenigen Wochen – dann ist bei Henkel Zahltag.

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