Fall Emmely : Die Bibel hat doch recht

KommentarFall Emmely : Die Bibel hat doch recht

von Reinhold Böhmer

Die Kassiererin Emmely darf nicht einfach rausgeworfen werden, weil sie einen Pfand-Bon einsackte. Das Bundesarbeitsgericht steht mit seinem Urteilsspruch fest auf dem Boden unserer freiheitlich-christlichen Grundordnung. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Reinhold Böhmer.

Verkäufer, die künftig einen Bienenstich oder die letzte Maultasche ohne Bezahlung aus dem Verkaufsregal verputzen, müssen auch nicht mehr fürchten, automatisch den Job zu verlieren. Keine Angst, liebe Chefs. Weder kommt jetzt der Raubkapitalismus von unten, noch das Ende aller Moral von oben.

Das Bundesarbeitsgericht steht mit seinem Spruch sogar fest auf dem Boden unserer freiheitlich-christlichen Grundordnung. 

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Ob tiefreligiöser Christ, oder überzeugter Heide - in einem Punkt sind sich die intelligenten Vertreter beider Lager einig.

Die Bibel ist ein wunderbares Werk, indem die intellektuellen Checker der damaligen literarisch hoch anspruchsvoll und stets mit der respekteinflößenden Quellenangabe "Gott" den Menschen wichtige bis existenzielle Regeln des Zusammenlebens gaben.

Und siehe da, auch schon vor mehreren tausend Jahren galt es zu klären, wie mit jenen zu verfahren sei, die mal dort eine Flade aus der fremden Küche oder ein paar Kirschen aus Nachbars Garten mampften, obwohl sie ihnen nicht gehörten.

Die Antwort dazu steht unmissverständlich im fünften Buch Moses, Kapitel 23, wo die "Gebote für das Leben des Volkes" stehen. "Wenn du in deines Nächsten Weinberg gehst, so darfst du Trauben essen nach deinem Wunsch, bist du satt bist", heißt es da. "Aber du sollst nicht in dein Gefäß tun." Und: "Wenn du in das Kornfeld deines nächsten gehst, darfst du mit der Hand Ähren abrupfen, aber mit der Sichel sollst du nicht dreinfahren."

Was will Mose uns damit sagen, liebe Chefs? Ganz klar: Mundraub ist etwa anderes als Diebstahl. Mit dem Finger drohen wäre okay, ein Augenzwinkern aber wichtiger.

Erst wenn jemand mit der Einkaufstasche das Regal leer räumt oder alle Freunde und Verwandten zum Mitessen hinter die Ladentheke, ist die Grenze überschritten.

Jemanden wegen des verstohlenen Happens gegen den kleinen Hunger rauswerfen, das macht man nicht. Es gilt, immer im Einzelfall zu entscheiden.

Natürlich wird dadurch wieder alles etwas komplizierter und unsicherer.

Aber, liebe Politiker, deswegen per Gesetz ein zulässiges Quantum für Mundraub festzulegen, geht nun wirklich nicht: eine halbe Apfeltasche, ein Viertelbrötchen, zwei kleine und eine große Maultasche?

Allein schon der freiheitlich-christlichen Grundordnung zu liebe nicht, oder?

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