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Fragen an Jack und Suzy Welch: Händchen für Mitarbeiter

von Jack und Suzy Welch

Sie werden nicht müde, die Bedeutung der Personalabteilung zu betonen. In meinem Unternehmen hat diese Abteilung jedoch keinen Schimmer von unserem Geschäft, also hochentwickelten Finanzprodukten. Nennen Sie mir einen guten Grund, warum wir zulassen sollen, dass sich die Personaler in unsere tägliche Arbeit einmischen? Tipps von Jack und Suzy Welch.

Wenn Sie die Personalabteilung so sehen, dann erweitern Sie um Himmels willen nicht deren Aufgabenbereich. Was wir Ihnen aber auch dazu sagen können, ist: Sie wissen anscheinend nicht, was Ihnen entgeht! Es ist offensichtlich, dass die Personalabteilung jedes Unternehmens nur so gut sein kann wie die Menschen, die dort arbeiten. Wenn da nur untalentierte Bürokraten sitzen, dann können Sie dieses Ressort praktisch vergessen. Es kann sich dann getrost darauf beschränken, die Unternehmenspostille herauszubringen, Versicherungsformulare auszufüllen und den jährlichen Betriebsausflug zu organisieren. Eine gute Personalabteilung kann aber mehr leisten. Ihre größte Bedeutung hat die Personalabteilung dann, wenn sie die Unternehmensleitung dabei unterstützt, die richtigen Leute zu finden, aufzubauen und zu bewerten. Dabei ist es in der Geschäftswelt nicht anders als im Sport: Das Team, das die besten Spieler aufs Feld schickt, gewinnt. Jeder weiß das. Und jetzt überlegen Sie mal: Wenn Ihnen eine Mannschaft wie Manchester United oder die Boston Red Sox gehört, was denken Sie, würden Sie da wirklich mit dem Buchhalter des Teams Ihre Zeit verbringen wollen? Oder doch lieber mit dem Teamchef abends einen drauf machen? Für echte Gewinner wäre das gar keine Frage. Dasselbe trifft im Geschäftsleben zu. Darum ist es so unfassbar, dass bei den meisten CEOs immer ausschließlich der Finanzchef die erste Geige spielt. Dabei wäre diese Rolle auch für die Personalabteilung angebracht. Auf dieser Basis kann und sollte die Personalabteilung sich zu 100 Prozent ihrer Zeit auf die wirklich wichtigen Aufgaben der Personalarbeit konzentrieren. Sie sollte aktiv Einfluss darauf nehmen, wenn es darum geht, Mitarbeiter einzustellen und zu schulen sowie Leistungsbewertungen, Beförderungen und zuweilen auch Entlassungen durchzuführen. Wenn das richtig funktionieren soll, muss die Personalabteilung mit den besten Leuten besetzt sein und nicht mit Dünnbrettbohrern, die zwar nett sind, aber es sonst nicht mehr bringen. Dabei können effiziente Personaler zwar durchaus aus den eigenen Reihen stammen, das muss aber nicht notwendigerweise so sein. Auch Leute aus dem operativen Bereich können sich hier sehr gut machen. Wie etwa Fertigungsleiter, Chefs von Produktteams sowie erfahrene Marketiers oder Vertriebsleute. Im Grunde geht es darum, Leute zu finden, die sich sowohl in der menschlichen Natur als auch in der Branche Ihres Unternehmens hervorragend auskennen. Außerdem sollten sie die natürliche Autorität und Weisheit besitzen, die sich auf jahrelange fundierte Erfahrung gründet. Versucht man, der Sache auf den Grund zu gehen, zeigt sich schnell, dass die besten Mitarbeiter der Personalabteilung eine seltene Kombination von Charakterzügen besitzen. Auf der einen Seite verhalten sie sich wie Geistliche: Sie hören aufmerksam zu, beraten und leiten ihre Schäfchen. Was man ihnen unter vier Augen erzählt, ist nicht schon wenig später das Highlight des Kantinenklatsches. Auf diese Weise gewinnen sie das Vertrauen des gesamten Unternehmens. Sie schalten sich bei Auseinandersetzungen und anderen Unstimmigkeiten als Vermittler ein. Sie unterstützen Einzelpersonen oder Teams in schwierigen Zeiten. Auf der anderen Seite verhalten sie sich wie gute Eltern. Sie fördern und pflegen ihre Brut, machen dieser aber auch unmissverständlich klar, wenn sie vom rechten Weg abgewichen ist. Wenn wir fair sein wollen, müssen wir zugeben, dass die Art von Personalabteilung, die Sie beschreiben, die Norm ist. Die Art von Personalabteilung, für die wir eintreten, ist die seltene Ausnahme. „Warum?“, fragen Sie. Nun, häufig gleitet die Personalabteilung in eine gewisse Bedeutungslosigkeit ab, weil die meisten Führungskräfte der Ansicht sind, es könne nicht so schwer sein, ein Händchen für Mitarbeiter zu haben. Für die Probe aufs Exempel, machen Sie doch mal das, was wir schon sehr oft getan haben: Fragen Sie eine Gruppe von Managern: „Wie viele von Ihnen sind der Ansicht, eine natürliche Gabe im Umgang mit Mitarbeitern zu haben – Sie wissen schon, Personalführung?“ Wir wetten, dass 99 Prozent diese Frage im Brustton der Überzeugung mit „Ja“ beantworten. Diese Leute können sich nicht vorstellen, dass sie Hilfe vonseiten der Personalabteilung benötigen, in Form einer unabhängigen, nicht aus der Chefperspektive gefärbten Einschätzung von Talent. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Bedeutung der Personalabteilung zu leugnen ist in vielen Unternehmen derzeit in Mode. Ruhm und Ehre werden anderswo verteilt – an Designer bei Automobilherstellern zum Beispiel oder Regenmacher in Unternehmensberatungen. Dabei könnten Unternehmen ihre eigene Leistung erheblich verbessern. Sie müssten nur ihre Personalabteilungen mit Spitzenleuten besetzen und diese mit dem Respekt und den Ressourcen ausstatten, die sie brauchen, um ihre wichtige Aufgabe gut zu machen. Schließlich ist es die Personalabteilung, die wesentlich dazu beiträgt, die besten Leute zu finden und auszubilden, damit das Unternehmen zu den Gewinnern gehört. Und was könnte wichtiger sein als dies?

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