Führungs-Spitzen : Blutgrätsche im Büro?

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Kolumne

"Dritte Plätze sind was für Männer“. So klang die deutsche Frauennationalelf noch vor wenigen Wochen. Inzwischen ist das Team "an sich selbst gescheitert“. Jedem Management-Beobachter kommt sowas ziemlich bekannt vor.

Nicht nur ist die Fußballersprache in der Wirtschaft allgegenwärtig, wo Vorstände "Eigentore" schießen und daher erst mal "den Ball schön flach halten” sollten, weil ihr Unternehmen sonst nicht mehr lange zur "Champions League" gehören werde. Auch stecken Bosse heute unter demselben Druck, an dem Trainer sich schon länger aufreiben: Globaler Wettbewerb, konstante Veränderungen, stetiger Erfolgsanspruch. Auch der Diskurs, was eine gute Führungskraft am Ende ausmacht, klingt häufig mehr nach Coach als nach Chef: Im besten Fall ist der moderne Manager ein Koordinator, der die Energie einzelner zu einem Team zusammen schmiedet und auf ein gemeinsames Ziel lenkt.

Nichts ist schwerer zu verdauen als Erfolg

Schöner lässt sich das allerdings sagen mit den Worten des legendären Sir Alex Ferguson, dem Coach von Manchester United, der die Herausforderungen des leidenden Angestellten schlicht "squeaky bum time" nennt. Gemeint sind die Zeiten, wenn du als Kopf einer Mannschaft alles Mögliche getan hast – und nun während des Spiels nur noch untätig, aber unruhig auf dem Stuhl hin- und her rutschen und den Auf- oder Abstieg deiner Truppe verfolgen kannst.

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Geht das wirklich? Die emotionale Selbstverteidigung im Büro nun mit der Blutgrätsche auf dem Feld zu vergleichen? So einfach ist es natürlich nicht. Aber ein paar wichtige Parallelen zwischen Management und Fußball gibt es schon. Vor allem die, dass Erfolg häufig schwerer zu verdauen ist als Misserfolg, was Trainerin Silvia Neid und ihre Crew nun gerade hinlänglich bewiesen haben. An den Nimbus der eigenen Unverwundbarkeit zu glauben, ist das beste Rezept für Niederlagen, wie auch jede Menge ehemalige Marktführer und gescheiterte Topmanager zu berichten wissen.

Alles eine Frage der geistigen Energie

Die Frage nach der geistigen Energie stellt sich bei langen Verhandlungen überhaupt ganz ähnlich wie in sportlichen Wettbewerben. Wenn die deutschen Frauen bei dieser WM "mental platt" waren, wie das Votum des Trainer des Deutschen Meisters Turbine Potsdam über die deutsche Elf lautete, klaffen in der Defensive die Lücken. Ein Manager in demselben Zustand fängt dann eben an, im entscheidenden Meeting zu schreien, bei Verträgen wichtige Details zu vergessen – oder er lässt wichtige Unterlagen im Kopierer liegen, die dann prompt auf dem gegnerischen Schreibtisch landen. Meistens scheitern Topmanager an sich selbst – genau wie Topathleten. Im übrigen gilt auch im Management: Nicht jeder ego-starke Zweitligist hat das Zeug zum Nationalspieler.

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