Führungsspitzen: Vom Helden zum Hampelmann

Führungsspitzen: Vom Helden zum Hampelmann

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Heiner Thorborg ist einer der führenden Personalberater Deutschlands

Arroganz und Charisma sind schlecht fürs Geschäft, wie diverse Studien beweisen. Selbstüberschätzung mag helfen, einen Job an Land zu ziehen, doch spätestens beim Ausfüllen der Position wird ein übergewichtiges Ego zur Falle.

Fragt man einen Mann, warum er so erfolgreich ist, wirft er sich in die Brust und redet von seiner ausgezeichneten Ausbildung, seiner Erfahrung und Entscheidungsfreude. Fragt man eine erfolgreiche Frau das gleiche, lächelt sie und murmelt etwas von Glück und guten Mentoren. Dass dies mehr als eine Anekdote ist und Männer ihre Fähigkeiten tatsächlich höher einschätzen als Frauen die ihren, beweist nun auch eine Studie. BWL-Studenten der Universität Chicago mussten einfache Rechenaufgaben lösen und anschließend ihre Leistung objektiv bewerten. Für korrekte Selbsteinschätzung erhielten sie Geld - wer seine Leistung zu hoch oder zu niedrig beurteilte, ging leer aus. So gewannen die Forscher einen Überblick über die tatsächliche Leistungen der Probanden und über ihre Fähigkeit zur Selbstanalyse.

Der finanzielle Anreiz lockt

Im nächsten Schritt mussten die Teilnehmer Gruppen bilden und pro Team einen Vertreter wählen, der bei den Rechenspielen antreten soll. Bei der Bewerbung für den extra vergüteten Job als Teamleader gaben die Probanden erneut eine Bewertung der eigenen Rechenleistungen ab, doch jetzt konnten sie sich nach Gusto selbst darstellen, um ihre Chancen auf den Chefposten zu erhöhen.

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Ergebnis: Der finanzielle Anreiz verlockt beide Geschlechter dazu, das eigene Genie zu übertreiben, um sich gegen Mitbewerber durchzusetzen. Die Männer stellten ihre tatsächliche Leistung allerdings um rund 30 Prozent besser dar, die Frauen hingegen nur um weniger als 15 Prozent. Dieser Unterschied führte den Forschern zufolge dazu, dass die weiblichen Teilnehmer das Nachsehen hatten: Bei der Wahl der Teamchefs blieben sie deutlich unterrepräsentiert.

Dieses Verhalten und seine Folgen kommen jedem Bewohner einer Führungsetage bekannt vor. Ginge es bei der Frage nach männlicher Arroganz und weiblicher Bescheidenheit allerdings nur um Besetzungsfragen, könnte man solche Erkenntnisse vom Tisch wischen. Das Problem ist bloß, dass weitere Studien überzeugend darlegen, dass selbstverliebte Charismatiker „eine der Hauptursachen für unternehmerischen Niedergang“ sind. Das zumindest sagen die Finanzprofessoren Ulrike Malmendier von der Stanford University und Geoffrey Tate von Harvard. Ihre Untersuchung von rund 450 Konzernen in der Krise kommt zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit gefeierten „Superstar CEOs“ schlechter abschneiden als ihre Wettbewerber und der Markt als Ganzes.

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