Gefährliche Instinkte: "Fehler einzuräumen, gleicht einem Todesurteil für die Karriere" - Seite 2

Gefährliche Instinkte: "Fehler einzuräumen, gleicht einem Todesurteil für die Karriere"

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"Lechts oder Rinks": In seinem neuen Buch geht Joseph T. Hallinan menschlichem Irrtum auf den Grund
"Lechts oder Rinks": In seinem neuen Buch geht Joseph T. Hallinan menschlichem Irrtum auf den Grund

Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich schrieb vor Jahren an einer Titelgeschichte für das "Wall Street Journal". In dem Artikel ging es darum, wie es Anästhesisten in den USA geschafft hatten, ihre Fehlerrate im Operationssaal zu verringern. Früher kam es schon mal vor, dass sich unbemerkt Beatmungsschläuche lösten – folgenschwere Missgeschicke, die dazu führten, dass Patienten grausige Tode starben.

Und wie sah die Lösung aus?

Simpel, aber effektiv: Die Ärzte führten Checklisten ein. Diese Listen bestanden teils aus 19 banalen Punkten, wie etwa: Fragen Sie den Patienten nach seinem Namen und stellen Sie sicher, dass Sie die richtige Person operieren. Die Frage stand so wirklich in der Liste, ich habe mir das nicht ausgedacht. Allerdings stellte sich bald heraus: In den Krankenhäusern, die solche Checklisten nutzten, sank die Sterberate um 47 Prozent. Ein bemerkenswertes Ergebnis für eine triviale Selbstverständlichkeit.

Listen sind aber doch kein Allheilmittel gegen menschliches Versagen?

Das nicht, aber sie helfen uns zu erkennen, wie beschränkt wir sind. Die meisten Fehler basieren darauf, dass wir uns und unsere Fähigkeiten überschätzen.

Ist das am Ende ein typisch männliches Problem?

Sagen wir so: Männer beurteilen Risiken und die damit verbundenen Belohnungen anders als Frauen. Eine Studie in der US-Armee kam zu dem Ergebnis, dass Männer schneller am Drücker waren und dadurch öfter ihre eigenen Leute erschossen. Selbstüberschätzung verleitete Männer laut einer anderen Studie auch dazu, Aktien um 67 Prozent häufiger zu handeln als Frauen – was den Wert ihres Portfolios aber verringerte.

Also Überheblichkeit als Fehlerquelle Nummer eins?

Nein, das meiste davon hat eher damit zu tun, wie unser Gehirn die Welt wahrnimmt. Es ist darauf getrimmt, komplexe Sinneseindrücke in kurzer Zeit zu verarbeiten. Wenn wir etwa einen Text lesen, schauen wir auf den Beginn der Wörter und unser Gehirn ergänzt den Rest. Wir schauen, ohne zu sehen. Das macht uns effizient – aber eben auch anfällig für Fehler. Aus diesem Grund übersehen viele Ärzte Tumore auf Röntgenbildern, die mit menschlichem Auge durchaus zu erkennen wären.

Die meisten Alltagsfehler sind zum Glück harmloser.

Sicher. Wir vergessen zum Beispiel Zahlenkombinationen außerordentlich schnell. Der Grund dafür ist, dass unser Langzeitgedächtnis semantisch aufgebaut ist, also auf Bedeutungen basiert. Zahlen sind aber ohne jede Bedeutung, deshalb merken wir sie uns auch so schlecht. Auch Namen haben selten etwas mit der Person gemein, zu der sie gehören. Darum vergessen wir zuweilen auch, wie unsere Gesprächspartner heißen.

Naja, nicht gerade ein Beinbruch.

Das kann aber gefährlich werden. Früher wurden zum Beispiel Fixpunkte auf Flugrouten von Passagierflugzeugen mit bedeutungslosen Buchstabenkombinationen benannt. Die konnten die Piloten schlecht behalten, es kam zu Verwechslungen. Um Unfälle zu vermeiden, benannte die amerikanische Flugaufsicht diese Punkte Ende der Siebziger Jahre um und gab ihnen bedeutungsvollere Namen. Bei Orlando zum Beispiel, wo es mehrere Disney-Freizeitparks gibt, heißen die Navigationspunkte „Micki“, „Minee“ und „Goofy“. Medikamente dagegen tragen heute noch immer Namen, die zum Verwechseln einladen.

Haben Fehler denn auch eine gute Seite?

Eines meiner Lieblingszitate, auf das ich bei meinen Recherchen gestoßen bin, stammt von dem Erfinder Thomas Edison, er sagte: Ich bin nicht gescheitert. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren. Das ist ein gutes Motto für jedes Unternehmen, das innovativer werden will. Akzeptiere die Fehler!

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.12.2009, 22:23 UhrAnonymer Benutzer: Hannah

    Einen Fehler? ich? Niemals. ich habe noch nie einen Fehler zugegeben und zwar, weil ich das in einem Führungsseminar so gelernt habe. Fehler werden in unserer Gesellschaft mit "Schuld" gleichgesetzt.

  • 22.10.2009, 13:42 UhrAnonymer Benutzer: barbara

    ich verstehe nicht, wie er in dem einen Satz sagt, Fehler einzuräumen gleiche einem Todesurteil der Karriere und im zweiten Satz Warren buffet lobt, der genau das tut: Seine Fehler eingestehen, benennen, begründen etc. Und im letzten Satz heißt ebenfalls: "Akzeptiere die Fehler!" Worin liegt nun der Unterschied und warum bedeutet Fehler eingestehen ein Todesurteil für die Karriere? ich persönlich finde den Titel nicht gut forumuliert, weil er beim flüchtigen Lesen suggeriert, dass man bloß keine Fehler eingestehen soll und somit schließlich nicht aus ihnen lernen kann.
    Oder ich verstehe es einfach nicht. Freue mich über Hilfe!

  • 19.10.2009, 22:47 UhrAnonymer Benutzer: PontifexMaximus

    Eine ausgezeichnete idee, dieser Artikel. Kreativität besteht aus permanentem irrtum und die simultane Suche nach Verbesserung/Lösungen. Das ist ein Schlüssel zum Erfolg. Man scheitert ja täglich an irgendetwas. Leider ist es Deutschland verpönt, irrtümer einzugestehen. Es soll immer alles sauber und perfekt laufen, und bei Fehlern wird man schnell stigmatisiert und sogar ausgegrenzt. in anderen Ländern bekommt man weiterhin eine Chance, es sei denn, man wiederholt die gleichen irrtümer.

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