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Gefragte Arbeitgeber: Wie man die Besten anzieht

von Jack und Suzy Welch

Was sind in Ihren Augen die drei wichtigsten Faktoren, um ein Unternehmen langfristig zu einem gefragten Arbeitgeber machen? Und welcher Zeitrahmen ist realistisch, um das zu erreichen?

Sie fragen nach drei Faktoren – aber eigentlich benötigen Sie die doppelte Anzahl, um den Preis „beliebtester Arbeitgeber“ zu erringen. Das ist ein großer Preis, denn wenn Sie es schaffen, ein Unternehmen zu werden, zu dem jeder Arbeitnehmer gern gehören möchte, dann haben Sie einen der stärksten Wettbewerbsvorteile in der Hand: Sie können das beste Team ein- und aufstellen. Bevor wir Ihnen unsere sechs Wege nennen, wollen wir zunächst die Frage nach dem nötigen Zeitaufwand beantworten: Es kann leicht Jahre oder gar Jahrzehnte dauern, wenn es um den Ruf eines Unternehmens geht. Denn der entsteht von Geschäftsbericht zu Geschäftsbericht, von Karriere zu Karriere, von Krise zu Krise und von Wiederaufstieg zu Wiederaufstieg. IBM brauchte circa 30 Jahre, um sich den Goldstandard der Reputation zu erarbeiten, den es in den Siebzigern hatte. Weniger als ein Jahrzehnt war nötig, um diesen Ruf wieder zu verlieren, und dann dauerte es weitere zehn Jahre, um das Ansehen wieder dahin zu bringen, wo es sich heute befindet. Allerdings gibt es in unserer heutigen, von Medien beherrschten Welt eine große Ausnahme von diesem langsamen Prozess. Heutzutage können Unternehmen praktisch über Nacht zu begehrten Arbeitgebern werden. Das verdanken sie einem „Begeisterungsfaktor“, der ebenso wirkungsvoll wie schnell ist. In einem Technologieunternehmen ist diese Begeisterung meist mit einem aufregenden Durchbruch oder einem Produkt beziehungsweise einer Dienstleistung verbunden, die auf die eine oder andere Weise zu einem Paradigmenwechsel führt. Google, Ebay und Apple sind perfekte Beispiele dafür. Die Begeisterung kann natürlich auch von einer glanzvollen oder prestigeträchtigen Marke herrühren wie Chanel oder Ferrari. In der Regel aber fahren die meisten Unternehmen besser damit, ihren Status des gefragten Arbeitgebers auf die altmodische Weise zu erlangen, indem sie ihren Ruf mühsam, über Jahre hinweg aufbauen. Hier unsere Checkliste, wie Sie den Stand der Dinge in Ihrem Unternehmen bewerten können: Erstens: Bei gefragten Arbeitgebern ist lebenslanges Lernen eine Selbstverständlichkeit. Diese Unternehmen investieren in die Weiterbildung ihrer Leute, indem sie Kurse, Seminare und externe Trainings anbieten, die alle eine einzige Botschaft vermitteln: Dem Unternehmen ist es wichtig, die Voraussetzungen für die persönliche Entwicklung der Mitarbeiter zu schaffen. Zweitens: Gefragte Arbeitgeber sind Meritokratien. Gehalt und Beförderung sind eng mit der Leistung verbunden und rigorose Bewertungssysteme lassen jeden jederzeit wissen, wo er steht. Wie überall kann Ihnen auch in einer Meritokratie behilflich sein, wen Sie kennen und mit wem Sie die Schulbank gedrückt haben. Aber von diesem Punkt an zählt allein das Ergebnis. Warum trägt all dies dazu bei, ein begehrter Arbeitgeber zu werden? Weil Menschen mit Verstand, Selbstbewusstsein und Wettbewerbsgeist sich immer von einem solchen Umfeld angezogen fühlen! Drittens: Gefragte Arbeitgeber erlauben ihren Mitarbeitern nicht nur, Risiken einzugehen, sondern sie feiern die, die das tun, und exekutieren niemanden, der es versucht und scheitert. Ebenso wie die Meritokratie zieht eine Kultur der Risikobereitschaft genau die Art von kreativen, wagemutigen Leuten an, die ein Unternehmen in einem globalen Markt braucht, in dem Innovation die beste Verteidigung gegen den unerbittlichen Preiskampf darstellt. Viertens: Gefragte Arbeitgeber verstehen, dass das, was gut für die Gesellschaft ist, auch gut fürs Geschäft ist. Geschlecht, Rasse und Nationalität bilden niemals ein Hindernis. Es kommt auf die Ideen jedes Einzelnen an. Gefragte Arbeitgeber sind facettenreich und weltoffen in ihren Anschauungen sowie umweltbewusst in ihrem Handeln. Sie bieten jenen, die sich das durch ihre Leistung verdienen, Flexibilität in Bezug auf die Arbeitszeiten. In anderen Worten, gefragte Unternehmen haben den Durchblick. Fünftens: Beliebte Arbeitgeber legen bei Einstellungen strenge Maßstäbe an. Sie lassen die potenziellen Anwärter hart arbeiten, um in die Endrunde zu gelangen, indem sie intensive Bewerbungsgespräche führen und sehr anspruchsvolle Kriterien hinsichtlich Intelligenz und Berufserfahrung anwenden. Zugegeben, dieser Faktor wirkt ein bisschen widersprüchlich, da es ja schwierig ist, wählerisch zu sein, bevor man überhaupt ein begehrter Arbeitgeber ist. Aber die Anstrengung lohnt sich, da gute Leute auf eine ganz spezielle Art noch mehr gute Leute anziehen. Sechstens: Gefragte Arbeitgeber sind profitabel und wachsen. Ein steigender Aktienkurs stellt in puncto Einstellung und Mitarbeiterbindung einen wahren Magneten dar. Abgesehen davon können nur florierende Unternehmen Ihnen eine Zukunft mit Karrierechancen und der Aussicht auf erhebliche Verdienst-möglichkeiten garantieren. Denn es gibt kaum etwas Unwiderstehlicheres als das Angebot eines Unternehmens an einen potenziellen Mitarbeiter: „Starten Sie durch mit dem Job Ihres Lebens!“ Sie sehen: Das Beste daran, ein begehrter Arbeitgeber zu sein, ist, dass man auf diese Weise hervorragende Mitarbeiter erhält. Erst so wird das Ganze zum Selbstläufer. Das beste Team zieht das beste Team an, und Erfolg führt zu noch mehr Erfolg. Lesen Sie auch: Ranking - Deutschlands beliebteste Arbeitgeber

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