Silicon Valley made in NRW: Andreas Pinkwart will Start-ups besser fördern.

Andreas Pinkwart: "Warum soll ein Rheinland Valley nicht möglich sein?"

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Der neue NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie, Andreas Pinkwart (FDP), träumt von einem Silicon Valley in Nordrhein-Westfalen.

Nach Berlin hat Nordrhein-Westfalen die zweithöchste Start-up-Dichte. Nur Investoren machen einen Bogen um NRW. FDP-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart will das ändern und träumt vom Silicon Valley an Rhein und Ruhr.

Vom 15. bis 20. Mai 2017 tummelten sich auf der InsurTech Week in Köln Start-ups aus ganz Deutschland, die den großen Versicherungen das Fürchten lehren. Insgesamt nahmen über 500 Besucher an den verschiedenen Veranstaltungen teil und bewiesen, dass das Thema eine hohe Relevanz hat, wie auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker betonte. Die Messe soll den Wirtschaftsstandort Köln aufwerten, sagt sie.

In der Domstadt sind derzeit mehr als 140 verschiedene Start-ups aus allen Branchen angesiedelt. Auch in Düsseldorf, Aachen, Bonn und dem Ruhrgebiet tummeln sich junge Unternehmen mit digitalem Geschäftsmodell und großen Wachstumszielen.

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Berlin ist Deutschlands Start-up-Hauptstadt - danach kommt die Region Rhein-Ruhr

Laut dem jüngsten Start-up-Monitor sitzen 14,1 Prozent aller deutschen Start-ups in der Region Rhein-Ruhr. Damit liegt Nordrhein-Westfalen auf Platz zwei der deutschen Start-up-Regionen: hinter Berlin, aber vor Hamburg und München.

So sieht der deutsche Start-up-Markt aus

  • Start-ups per Definition

    Startups sind per Definition des Deutschen Start-up-Monitors (DSM) jünger als zehn Jahre und zeichnen sich durch "ein signifikantes Mitarbeiter- und/oder Umsatzwachstum" aus. Wer einen Kiosk eröffnet, hat demnach kein Start-up gegründet, sondern eine sogenannte Existenzgründung. Und wer ein Schuhgeschäft mit drei Angestellten aufmacht, betreibt ein kleines, mittelständisches Unternehmen (KMU) und kein Start-up.

    Quelle: Deutscher Start-up-Monitor vom Bundesverband Deutsche Startups e.V. (BVDS) und KPMG in Deutschland

  • Innovationspotenzial & Kreativität

    Das dritte Kriterium, woran man ein Start-up erkennt: die Gründer sind mit ihrer Technologie und/oder ihrem Geschäftsmodell (hoch) innovativ. "Gründerinnen und Gründer sind voller Ideen und voller Begeisterung. Sie entwickeln aus Problemlösungen Geschäftsmodelle. Gründungen sind Lebenselixier für unsere Wirtschaft und Motor des strukturellen Wandels. Denn kreative Ideen und innovative Geschäftsmodelle modernisieren unsere Wirtschaftsstruktur, erhöhen die Wettbewerbsfähigkeit und schaffen neue Arbeitsplätze", sagte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in seinem Grußwort zum aktuellen DSM.

  • Gründer-Hotspots

    Die meisten Start-ups finden sich in der Rhein-Ruhr-Region, in und um München, in der Region Karlsruhe/Stauttgart, im Raum Hamburg, in und um Frankfurt am Main - und natürlich in Berlin: Auf 1.000 erwerbsfähige Berliner kommen 26 Gründer - so viele wie nirgendwo sonst in Deutschland.

  • Jobmotor Start-up

    Laut dem European Startup Monitor arbeiten inklusive der Gründer 12,9 Menschen in einem durchschnittlichen europäischen Startup. In Deutschland ist die Zahl der Mitarbeiter überdurchschnittlich hoch: Hier sollen Startups im Schnitt über 15 Mitarbeiter verfügen – ohne die Gründer mitzurechnen. 

  • Diversität

    Knapp zehn Prozent der Gründerinnen und Gründer von Startups und 22 Prozent der Beschäftigten in Startups kommen aus dem Ausland. Rund 13 Prozent der Gründer in Deutschland sind Frauen.

Trotzdem haben Investoren die Region weniger auf dem Schirm: 412 Millionen Euro investierten sie im vergangenen Jahr in Berliner Start-ups, darauf folgten bayerische Jungunternehmen mit Finanzspritzen in Höhe von 236 Millionen Euro und Start-ups in Hamburg mit einem Investitionsvolumen von 70,4 Millionen Euro. Nach Nordrhein-Westfalen flossen dagegen nur 49 Millionen Euro Risikokapital.

Das muss besser werden, sagt der neue NRW-Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitales und Energie, Andreas Pinkwart (FDP). Gegenüber der "Rheinischen Post" sagte er in einem Interview: "Wenn die Gründerszene in Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf als eine Region bei Investoren und Kunden wahrgenommen wird, dann können sich Berlin und München warm anziehen."

Start-up-Ökosystem 2017: So sieht der Markt in Deutschland aus Sicht von Start-ups, Gründern und Investoren aus

  • Finanzierung und Anreize

    EXIST-Gründerstipendium, KfW-Förderung, Industrie 4.0 Plattform, Digital Hub Initiative
    366 „early stage“-Investments
    Investmentvolumen 2016: USD 967 Mio.
    5 Unicorns

    Quelle: Deutsche Börse und EY (Ernst & Young)

  • Infrastruktur

    Mietkosten: Berlin Ø 16,80 Dollar pro Quadratmeter
    Frankfurt Ø 21,10 Dollar pro Quadratmeter
    Leerstandsquote: Berlin 4 Prozent, Frankfurt 11 Prozent

  • Arbeitskräfte

    5,2 Universitäten auf 1 Million Einwohner - 0,565 Professoren auf 1000 Einwohner
    12,7 Prozent der Bevölkerung mit höherem Bildungsabschluss
    465 Patente von Universitäten genehmigt (2015)
    EU Blaue Karte erleichtert Arbeitserlaubnis nach Universitätsabschluss

  • Unternehmertum

    2015 wurden 763.000 Unternehmen gegründet, 0,0093 Unternehmen pro Kopf
    Scheitern nicht akzeptiert

  • Verwaltung & Bürokratie

    Gründung meist als GmbH oder UG (keine Genehmigung notwendig)
    Gesetzlich vorgeschriebene Buchführungspflicht
    Pflicht zur Aufstellung eines Jahresabschlusses und der Veröffentlichung im Bundesanzeiger
    Für kleine Unternehmen gelten Entlastungsregelungen bei oben genannten Punkten

  • Unternehmensbesteuerung

    Hoher administrativer Aufwand (Melde- und Abgabepflichten auch für Start-ups)
    Körperschaftsteuer: 15 Prozent + 5,5 Prozent Soli = 15,825 Prozent
    Gewerbesteuer: ≈ 15 Prozent (lokale Unterschiede)

  • Forschungs- und Enwicklungsaufwendungen

    Keine spezielle Regelung. In der Regel sofort abziehbar in Höhe der angefallenen Aufwendungen, soweit nicht zu aktivieren (keine Aktivierung selbstgeschaffener Wirtschaftsgüter)

  • Verlustvortrag

    Bis zu einer Million Euro komplett, der eine Million Euro übersteigende Betrag wird zu 60 Prozent des Verlustvortrags verrechnet werden; (zeitlich unbeschränkt)

    Begrenzter körperschaftsteuerlicher Rücktrag des Verlustes ins Vorjahr möglich
    Verlusterhalt u.a. bei stillen Reserven grds. möglich
    Steuerneutrale Umwandlungen ohne Aufdeckung der stillen Reserven grds. möglich

  • Dividendenzahlungen

    25 Prozent Kapitalertragsteuer + Soli. 5,5 Prozent = 26,375 Prozent zu versteuern. (Im Inlandsfall lediglich Timing/Cash-Effekt, im Auslandsfall (Teil-)Freistellung/Erstattung auf Antrag möglich)

  • Besteuerung Kapitalerträge

    Natürliche Personen: Beteiligungsanteil < 1 Prozent Kapitalertragsteuer besitzt abgeltende Wirkung.
    Beteiligungsanteil mindestens 1 Prozent (Veräußerungsgewinne)
    Juristische Personen: Veräußerungsgewinne & Dividenden steuerfrei, 5 Prozent = nicht abzugsfähige Betriebsausgabe
    Teileinkünfteverfahren auf den Carried Interest bei Investitionen von VC / Private Equity Fonds (wenn immaterielle Werte eingebracht werden)

  • Investitionsanreiz

    Förderprogramm INVEST: Nicht rückzahlbarer steuerfreier Erwerbszuschuss i.H.v. 20 Prozent der Kapitalbeteiligung (wenn Bedingungen erfüllt)

  • Unterstützung bei der Gründung

    Beratungsdienst durch IHK eingerichtet

  • Kosten für Gründung

    GmbH: Gründungskapital 25.000€ + zusätzliche Kosten
    AG: Gründungskapital 50.000€ + zusätzliche Kosten

  • Arbeitnehmerschutz

    Betriebsrat ab 5 Arbeitnehmern & 3 wählbaren Arbeitnehmern möglich
    Kündigungsschutz mit > 5 Arbeitnehmern und Zugehörigkeit länger als 6 Monate
    Ungleichbehandlung von Menschen nicht erlaubt, Quoten greifen für Startups nicht

  • Datenschutzrecht

    sehr komplex und streng
    Unternehmen mit > 9 Beschäftigten sind zur Bestellung eines
    Datenschutzbeauftragten verpflichtet
    Hohe Strafen bei Verletzung der Datenschutzrechte

Er plane, die Start-Up-Szene in den jeweiligen Städten zu einer einzigen Gründerregion zu verdichten und den Austausch zwischen Hochschulen und Unternehmen zu fördern. Dass das funktionieren könne, zeigten ja bereits Beispiele wie der Street Scooter, der von Aachener Forschern zusammen mit der Deutschen Post entwickelt wurde. "Wir müssen die PS aus den Hochschulen auf die Straße bringen. Insbesondere durch Cluster und engere Vernetzung", so Pinkwart gegenüber der in Düsseldorf erscheinenden RP. Das Silicon Valley sei ja vor allem deshalb so erfolgreich, weil die Gründer, Forscher und Investoren sich eng austauschten. "Warum soll ein Rheinland Valley nicht möglich sein?", sagte Pinkwart.

Die FDP habe sich deshalb vorgenommen, die Anzahl der Max-Planck- und Helmholtz-Forschungsinstitute zu erhöhen und Kooperationen mit der Privatwirtschaft stärker zu fördern. Für den Masterplan Digitalisierung, wie er im schwarz-gelben Koalitionsvertrag angekündigt ist, veranschlagt Pinkwart rund sieben Milliarden Euro bis 2025. Darin seien aber EU-und Bundesmittel enthalten. Mehr als zwei Milliarden Euro sollen aus dem Landeshaushalt kommen. Wovon auch Start-ups aus Bottrop oder Wuppertal profitieren sollen und nicht nur die aus den großen Start-up-Städten.

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