Bayern: Bauboom in Herzogenaurach

Bayern: Bauboom in Herzogenaurach

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Adidas-Zentrale in Herzogenaurach

Das fränkische Städtchen Herzogenaurach erlebt einen Bauboom – drei Weltunternehmen haben hier ihren Sitz.

Der Rasen auf dem Fußballfeld ist frisch gemäht. Hinter einem Hügel rauscht leise Straßenverkehr. Ein Läufer dreht in der Mittagspause ein paar Runden auf der Tartanbahn. Niemand sonst ist an diesem Tag auf dem Adi-Dassler-Sportplatz am Rande des neuen Firmengeländes von Adidas zu sehen. Fast niemand. Denn am Spielfeldrand ist „Adi“, wie alle hier den 1978 verstorbenen Gründer des heute zweitgrößten Sportartikelherstellers der Welt nennen, in Form einer Bronzeskulptur noch immer präsent.

Nicht weit entfernt entsteht gerade der neue Sitz des Konkurrenten Puma, gegründet 1948 von Adis zwei Jahre älterem Bruder Rudolf Dassler. Adidas und Puma, das ist nicht nur die Geschichte vom erbitterten Streit der Brüder, der das Städtchen lange Zeit in zwei Lager spaltete, sondern auch vom unglaublichen Aufstieg der beiden Unternehmen, von denen Herzogenaurach mit über 15.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen bei 23.000 Einwohnern enorm profitiert. Die Gemeinde leistet sich ein eigenes Kabelnetz und bietet Unternehmen wie Haushalten Glasfaserleitungen für Internet, TV und Telefon an. Zurzeit wird die Verbindung zur nahen A3 vierspurig ausgebaut. Auch einen kleinen Flugplatz gibt es. Kein Wunder, dass die Firmen weiter investieren. Erst vor Kurzem begann Puma mit dem Bau des neuen Hauptquartiers. Die Puma Plaza soll Ende 2009 fertig werden und 50 Millionen Euro kosten.

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Doch Adidas und Puma sind noch lange nicht die größten Arbeitgeber vor Ort. Übertroffen werden sie von der Schaeffler Gruppe, unter anderem spezialisiert auf Wälzlager für den Maschinen- und Fahrzeugbau. Das 1946 gegründete Familienunternehmen beschäftigt in Herzogenaurach mit mehr als 8000 Leuten gut doppelt so viele Mitarbeiter wie die beiden Sportartikelfirmen zusammen. Auch Schaeffler baut – derzeit entsteht ein neues Verwaltungsgebäude mit Arbeitsplätzen für 1250 Mitarbeiter.

Das Städtchen an der Aurach liegt zwar im Grünen, hat aber beste Verkehrsanbindungen. Täglich kommen 11.000 Einpendler in die Stadt, die überwiegend bei den Weltfirmen arbeiten und die Stadt bemüht sich, diese vor Ort zu halten. Als Ende der Neunzigerjahre Adidas die alte Firmenzentrale am Adi-Dassler-Platz nicht mehr reichte, überlegte der Vorstand nach Nürnberg, München oder Frankfurt umzusiedeln. Doch dann räumten die amerikanischen Streitkräfte ihre Militärbasis in Herzogenaurach, und Adidas nutzte die Chance. Architekten verwandelten die 114 Hektar große Herzo-Base, in eine „World of Sports“ mitsamt 12.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche für Adidas-Produkte.

Auch Puma hatte schon mal die Fühler nach Nürnberg ausgestreckt. Schließlich lockte die Stadt Herzogenaurach mit einem günstigen Grundstück an der Flughafenstraße, auf dem jetzt die neue Zentrale errichtet wird. Puma-Finanzvorstand Dieter Bock ist froh, dass sein Unternehmen bei seinen historischen Wurzeln bleiben kann.

Die drei Großen

Umsatz und Beschäftigung der Herzogenauracher Großunternehmen

Mittlerweile sind die Zeiten vorbei, als die Konkurrenz zwischen Puma und Adidas auch die Herzogenauracher in zwei Lager teilte. Längst kommen Arbeitskräfte aus aller Welt in die Stadt. Die jungen und oft internationalen Mitarbeiter der beiden Sportartikelfirmen kennen den Zwist von damals nur noch vom Hörensagen. Terry Parris, Marketing-Profi bei Puma, stammt ursprünglich aus Jamaika. Vor wenigen Monaten kam er ins Frankenland. Deutsch will er noch lernen, Italienisch spricht er fließend. Vorher arbeitete er in Metropolen wie Rom oder London – unter anderem auch für die Vereinten Nationen. Der Wechsel ins provinzielle Herzogenaurach bedeutet für ihn ein Plus an Lebensqualität.

Auch Nghi Tran schätzt die guten Seiten des Standorts. Er arbeitete schon in Vietnam für Adidas und zog 2004 nach Herzogenaurach. Dort lebt es sich ganz anders als in Ho-Chi-Minh-Stadt, wo Nghi ständig vom Lärm und Gedränge des Straßenverkehrs umgeben war. Anfangs irritierte ihn die kleinstädtische Ruhe. Doch mittlerweile gefällt es dem Project Manager in Franken sehr gut.

Für German Hacker (SPD), den neuen Bürgermeister, ist das eine gute Basis. Er übernahm gerade von seinem Vorgänger Hans Lang (CSU) eine wohlgeordnete Stadt mit jährlich etwa 34 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen. Hacker sieht seine Aufgabe auch darin, Unternehmen und Privathaushalten die nötige Infrastruktur zu liefern. Klar, die erfolgreiche Zusammenarbeit mit den lokalen Weltfirmen will er auf jeden Fall fortsetzen. Und darüber hinaus vielleicht noch einige kleinere Unternehmen neu ansiedeln.

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