Elsässers Auslese: Schulden meiden, das gilt für alle!

kolumneElsässers Auslese: Schulden meiden, das gilt für alle!

Kolumne von Markus Elsässer

Es ist verlockend für Unternehmer und Investoren, mit Krediten zu arbeiten. Die niedrigen Kreditzinsen sind verführerisch. Doch Schuldner leben gefährlich. Manches spricht für Eigenkapital.

Ein junger Bekannter von mir, Student der Betriebswirtschaft an einer namhaften deutschen Universität, berichtete mir neulich von seinem zweiten Semester. Wir sprachen über Unternehmertum und sich selbständig machen. Voller Stolz legte er mir das Fazit aus seinen Vorlesungen zum Thema Finanzierung dar: In jedem Fall und unbedingt solle der Unternehmer immer mit möglichst viel Kredit und mit vergleichsweise wenig Eigenkapital arbeiten. Er sprach von „Hebelwirkungen“ und der tollen Eigenkapitalverzinsung. Ich konnte es kaum glauben. Ich war geschockt. Auch sein älterer Bruder, der vor Kurzem ein kleine Firma in der Medienbranche gegründet hatte, fiel aus allen Wolken. Dieser theoretische Unfug ist weit verbreitet. Die Gefahren des Kreditnehmens werden weitestgehend unterschätzt.

Für mich sind Schulden in zwei Fällen vertretbar: Zum einen, bei der Finanzierung von Immobilien mit langlaufenden Hypotheken. Obwohl, auch das ist eine Geschmacksfrage. Ich kenne eine ganze Reihe von Investoren, die grundsätzlich auch Häuser ohne Bankhilfe, mittels ihrer Ersparnisse zu 100 Prozent bezahlen. Das macht frei und unabhängig. Und wenn man eines Tages mit einem Leerstand der Immobilie konfrontiert ist und die Mietausfälle sich in die Länge ziehen, dann wird man auch nicht von einem unfreundlichen Banker zum Rapport gebeten.

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Auf Kredit

  • Mietertragssteigerung durch Fremdkapital

    Wenn die Kreditzinsen unter den Mietrenditen liegen (wie derzeit), lässt sich der Mietertrag durch den Einsatz von Fremdkapital steigern (hebeln).

  • Rechenbeispiel

    Ein Anleger, der 200.000 Euro übrig hat, könnte derzeit zu 2,0 Prozent weitere 200.000 Euro leihen und gleich zwei statt nur einer Wohnung kaufen, die beide 4,0 Prozent Rendite abwerfen. Sein Gewinn stiege um 50 Prozent gegenüber der rein selbst finanzierten Variante (16.000 Euro Mieteinnahmen statt nur 8000, minus 4000 Euro Zinsen = 12.000 Euro Ertrag)

  • Vorsicht für private Anleger

    Nach Ablauf der Zinsbindung muss der Anleger zu möglicherweise viel höheren Zinsen refinanzieren. „Fremdkapitalanteile von 90 Prozent sind bei Profivermietern zwar Usus“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstand beim Kreditvermittler Dr. Klein, „aber die haben meist bereits andere Zinshäuser als Sicherheit. Private Anleger sollten die günstigen Zinsen nutzen, um schneller zu tilgen oder den Zins länger als zehn Jahre festzuzurren.“

Hinzu kommt, dass bei Erreichen gewisser Altersgrenzen, beispielsweise zum 75. Geburtstag, die Neigung der finanzierenden Banken zu Kreditverlängerungen rapide abnimmt. Zum anderen, ist eine Kreditfinanzierung von Warenbeständen und Kundenaufträgen bei Kaufleuten seit Jahrhunderten Gang und Gäbe. Hier geht es in der Regel um kurze Laufzeiten, mit klar kalkulierbaren Gewinnmargen, welche projektbezogen abgewickelt werden. Für den besonnenen Kaufmann ist der Warenkredit ein entscheidendes Werkzeug.

Die Herausforderung für den Kaufmann dieser Tage liegt in diesem Fall auf einem anderen Gebiet: Finden Sie erst mal eine Bank, die Ihnen auf Warengeschäfte überhaupt Geld leiht. Neulich war ein Exportkaufmann bei mir. Er hat jahrelange Erfahrung mit Geschäften im Iran. Nach Aufhebung der politischen Blockaden möchte er nun seine Landeskontakte nutzen und das Exportgeschäft in den Iran ankurbeln. Selbst bei fest vorliegenden Aufträgen, mit wirklich enormen Gewinnmargen, findet er keine Bank, die ihm nicht einmal 50.000 Euro an Kredit einräumt (so viel zum realen Effekt der Nullzinspolitik der Zentralbanken zur Ankurbelung der Konjunktur!).

In fast allen anderen Fällen rate ich von Bankschulden ab.

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