Erfolg teilen: Die Grundlage des digitalen Wirtschaftswunders

GastbeitragErfolg teilen: Die Grundlage des digitalen Wirtschaftswunders

Wer die volle Kraft der Digitalisierung nutzen will, sollte Mitarbeitern eine Teilhabe am Erfolg ermöglichen. Dafür brauchen wir aber politischen Willen.

Wir alle kennen das Videoportal YouTube, das Karrierenetzwerk LinkedIn, das Bewertungsportal Yelp oder den Automobilkonzern Tesla. Diese im Silicon Valley ansässigen Technologiekonzerne haben heute eine Bewertung von insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro, obwohl sie nicht einmal 15 Jahre alt sind.

Weniger bekannt ist, dass die Gründer dieser Unternehmen nur kurze Zeit vorher allesamt Mitarbeiter bei einem anderen Start-up waren: PayPal. Als PayPal im Oktober 2002 von Ebay für 1,5 Milliarden Dollar gekauft wurde, waren die Aktienpakete der früheren Mitarbeiter plötzlich viel Geld wert. Anstatt sich mit den Erlösen zur Ruhe zu setzen, wurden viele ehemalige PayPal-Mitarbeiter zu den nächsten Unternehmern.

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Seit Jahren versuchen wir in unseren Unternehmen in Deutschland eine ähnliche Kultur der Mitarbeiterpartizipation und des Unternehmertums zu etablieren.

Gründer, Investoren und Mitarbeiter beteiligen sich alle mit Geld oder mit Arbeitszeit am zukünftigen Erfolg eines Unternehmens. Während Investoren mit Wagniskapital ein finanzielles Risiko eingehen, gehen Mitarbeiter in Start-ups ein großes Karriererisiko ein, indem sie Jobs in der etablierten Industrie für eine Stelle in einem unbewiesenen Jungunternehmen tauschen. Entsprechend ist es ein Gebot der Fairness, dass alle am Unternehmenserfolg beteiligt werden.

Zu den Autoren

  • Niklas Östberg

    Niklas Östberg ist CEO und Gründer von Delivery Hero.

  • Johannes Reck

    Johannes Reck ist CEO und Gründer von GetYourGuide.

  • Rubin Ritter

    Rubin Ritter ist CEO und Gründer von Zalando.

  • Rolf Schrömgens

    Rolf Schrömgens ist CEO und Gründer von Trivago.

Bisher ist die Vergütung von Mitarbeitern durch Aktien oder Aktienoptionen in Deutschland allerdings kaum verbreitet, da die Rahmenbedingungen für Mitarbeiterbeteiligungen katastrophal sind. Wenn man einem Mitarbeiter ein Aktienpaket gibt, das den jährlichen Steuerfreibetrag von gerade einmal 360 Euro übersteigt, dann erklärt das Finanzamt es zu einem geldwerten Vorteil, der sofort versteuert werden muss.

Gerade bei erfolgreichen Unternehmen mit hoher Bewertung ist dies für Mitarbeiter oft unmöglich, solange die Aktien nicht frei handelbar sind. Optionen auf Anteile (sogenannte Stock Options) sind in Deutschland kompliziert und haben steuerlich keinerlei Vorteile gegenüber einem variablen Bonus. Daher sind die Anwälte deutscher Start-ups mittlerweile Weltmeister im Aufsetzen von variabler Vergütung, die sich so verhält, als ob man Aktien besitzen würde.

Das ist in doppelter Hinsicht eine Geißelung für unsere Digitalwirtschaft: Erstens sind die deutschen Digitalunternehmen im internationalen Vergleich für die weltweit besten Führungskräfte, Informatiker oder Produktentwickler ein deutlich weniger attraktiver Arbeitgeber.

Genau diese Talente brauchen wir aber, um in Deutschland marktführende Technologieunternehmen zu bauen, die im harten Konkurrenzkampf mit Unternehmen aus den USA oder China bestehen und die Arbeitsplätze der Zukunft sichern können.

Zweitens verbauen wir uns unsere Zukunft, wenn wir den unternehmerischen Geist bremsen und dadurch unsere wichtigste Ressource vergeuden: die innovativen Gründer/-innen und Gründungen von morgen.

Deutscher Start-up-Monitor 2017 Jeder dritte Mitarbeiter kommt aus dem Ausland

Deutsche Start-ups blühen in Berlin und Hamburg, in München, Stuttgart, Frankfurt und dem Ruhrgebiet. Ihre Mitarbeiter kommen häufig aus ganz Europa. Denn ohne Zuwanderung könnten viele ihre Stellen nicht besetzen.

Jeder dritte Start-up-Mitarbeiter kommt aus dem Ausland. Quelle: obs

Es gibt keine besseren Voraussetzungen, ein Start-up zu gründen, als mit der Erfahrung und den finanziellen Mitteln, die man als Mitarbeiter in einem erfolgreichen Technologieunternehmen gewonnen hat. Erfolgreiche Unternehmer und Mitarbeiter von Technologieunternehmen investieren ihr Wissen und Kapital meist mit großer Begeisterung in das nächste innovative Start-up.

Mitarbeiterpartizipation ist fair, weil es alle Beteiligten gleichermaßen für ihr Risiko an Start-ups entschädigt. Vor allem aber schafft es die entscheidende Grundlage, dass das nächste YouTube oder LinkedIn aus Deutschland kommen kann.

In Schweden hat man dies schon erkannt und kurz vor dem Börsengang von Spotify eine Neuregelung der Mitarbeiterbeteiligungen von Start-ups verabschiedet. Die Mitarbeiter werden von Steuern auf ihr Aktienpaket befreit, wenn sie den Erlös reinvestieren und somit die schwedische Digitalwirtschaft voranbringen. Wir fordern die nächste Bundesregierung dazu auf, sich ebenfalls diesem wichtigen Thema zu widmen, damit wir gemeinsam die digitale Zukunft von Europa gestalten können.

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