Evernote-Chef Libin: "Krieg um Daten"

Evernote-Chef Libin: "Krieg um Daten"

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Star der Technologieszene: Phil Libin.

Phil Libin ist der Gründer des populären Online-Notizdienstes Evernote über innovative Apps, Börsenpläne und den Hype um das Cloud Computing.

Phil Libin gehört zu den Stars der amerikanischen Internet-Gründerszene. Er hat nicht nur zwei Unternehmen aufgebaut und erfolgreich verkauft. Er hat mit Evernote nun einen der populärsten Internet-Dienste überhaupt geschaffen. Evernote ist ein virtuelles Notizbuch, in dem Nutzer Gedanken, Artikel und andere Dokumente aufbewahren können. Sie müssen die Texte nicht mehr ausdrucken, sondern können sie direkt im Netz speichern und die Informationsschnipsel dort nach Stichworten sortieren. Ist mal kein Internet verfügbar, funktioniert Evernote auch offline auf Handys, Tablet-Rechnern oder Laptops.

Inzwischen bringt es das Unternehmen aus dem Silicon Valley auf weltweit 20 Millionen Nutzer und ist nach eigenen Angaben seit einem halben Jahr profitabel. Doch Firmengründer Libin spornt das nur an, noch aggressiver zu expandieren. Nachdem er sich den spanischen und italienischen Markt vorgeknöpft hat, nimmt er auch Deutschland ins Visier und bietet dafür große Teile des Dienstes auch in deutscher Sprache an.

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Sein Ziel ist es, Evernote zu einer Art Zweithirn im Netz zu machen. Wie Libin das erreichen will und was seine Ziele für die nächsten Jahre sind, erklärt er im Interview:

WirtschaftsWoche: Herr Libin, vor wenigen Wochen haben Sie zwei neue Funktionen gestartet. Mit Evernote Hello können Nutzer Gesichter von Personen speichern, um sich später an sie erinnern zu können, und mit Evernote Food können sie Bilder von Speisen ablegen. Überdehnen Sie damit nicht das Konzept eines virtuellen Zettelkastens?

Libin: Im Gegenteil. Bei Evernote dreht sich alles um das Leben der Nutzer: Wir speichern beruflich gesammelte Artikel genauso wie private Erinnerungen und Gedanken. Damit wollen wir zu einer Art zweitem Gedächtnis werden.

Ein großer Plan. Zunächst aber expandieren auch Google, Apple und Amazon massiv in das Geschäft mit online gespeicherten Informationen. Müssen Sie nicht eher um Ihre Nutzer bangen?

Es gibt einen großen Wettbewerb um Dateien, die Nutzer im Netz speichern. Da bricht gerade ein regelrechter Krieg aus. Doch unser Vorteil ist, dass wir nicht nur Dateien der Nutzer speichern.

Wir sammeln in unseren Rechenzentren Ideen und Gedanken, die Menschen wichtig sind. Neben Apple und Google versuchen übrigens auch immer mehr kleine Unternehmen, Funktionen von Evernote zu kopieren. Doch auch das ignorieren wir.

Wieso?

Die Zeit, die man opfert, um Wettbewerber zu bekämpfen, kann man nicht einsetzen, um sein Produkt zu verbessern. Unsere Devise lautet: Niemand schaut auf das, was andere tun. Wir bauen unser eigenes Produkt – so gut wie möglich. Das scheint gut zu funktionieren. Von unseren weltweit 20 Millionen Nutzern zahlen immerhin 750 000 jährlich rund 45 Dollar.

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