Freelancer: Selbstständigkeit für weniger als den Mindestlohn

Freelancer: Selbstständigkeit für weniger als den Mindestlohn

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Die Zahl der Freelancer in Deutschland nimmt ab.

Freiheit ist nur im Privaten das höchste Gut. Beim Job setzen immer mehr auf Sicherheit. Kein Wunder: 25 Prozent der Selbstständigen erwirtschaften nicht einmal einen Stundenlohn von 8,50 Euro.

In Deutschland gibt es immer weniger Gründer. Seit dem Jahr 2007 stagnierte die Zahl der Selbstständigen und Freelancer, seit dem Jahr 2012 nimmt sie sogar ab. Allerdings betrifft diese Entwicklung hauptsächlich die sogenannten Solo-Selbständigen - und zwar unabhängig von Branche oder Altersgruppe. Der Kioskbetreiber verschwindet genauso wie der freie Journalist oder selbstständige Anwalt. Besonders stark war der Rückgang bei Maklern und Hausverwaltern, beim Transportgewerbe, im Handel und im verarbeitenden Gewerbe. In der Landwirtschaft setzte sich der langjährige Trend der Aufgabe bäuerlicher Betriebe fort.

Alle wollen den festen Arbeitsvertrag bei einem Unternehmen, keiner die unternehmerische Freiheit, die ja letztlich auch Risiko bedeutet. Das ist das Ergebnissen einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

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Die größten Hemmnisse für Unternehmensgründungen

  • Zur Studie

    Fragestellung: Was glauben Sie sind die größten Hemmnisse für Unternehmensgründer in Deutschland bzw. den USA?
    Quelle: Axa Studie "Innovation und Unternehmensgründungen in Deutschland und den USA", Oktober 2014.
    Repräsentative Befragung im YouGov Panel Deutschland (1.034 Personen) und im YouGov Panel USA (1.145 Personen).

  • Platz 10

    Zu starke zeitliche Beanspruchung
    USA: 16%
    Deutschland: 17%

  • Platz 9

    Fehlende oder zu wenig Netzwerke
    Deutschland: 19%
    USA: 16%

  • Platz 8

    Zu große Verantwortung
    Deutschland: 20%
    USA: 9%

  • Platz 7

    Eingeschränkte Verdienstmöglichkeiten
    Deutschland: 20%
    USA: 19%

  • Platz 6

    Fehlende oder zu wenig Beratungsangebote
    Deutschland: 24%
    USA: 11%

  • Platz 5

    Furcht, weniger als im Angestelltenverhältnis zu verdienen
    Deutschland: 29%
    USA: 32%

  • Platz 4

    Fehlende Sicherheiten
    Deutschland: 52%
    USA: 17%

  • Platz 3

    Angst zu scheitern
    Deutschland: 54%
    USA: 40%

  • Platz 2

    Bürokratischer Aufwand
    Deutschland: 70%
    USA: 45%

  • Platz 1

    Fehlendes Kapital
    Deutschland: 72%
    USA: 58%

"Der Trend hin zur Selbständigkeit, der als wichtiges Element eines Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt angesehen wurde, scheint gebrochen zu sein", bestätigt DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke, der für seine Analyse Daten des Mikrozensus und der vom DIW Berlin in Zusammenarbeit mit TNS Infratest Sozialforschung erhobenen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) ausgewertet hat.

In den Neunziger Jahren hatte die selbständige Beschäftigung in Deutschland – nicht zuletzt wegen zahlreicher Existenzgründungen in Ostdeutschland – deutlich zugenommen. Diese Ausweitung verstärkte sich nach der Jahrtausendwende, auch im Zuge der Förderung von Existenzgründungen aus der Arbeitslosigkeit im Rahmen der Hartz-Reformen – Stichwort „Ich-AG“.

Warum Gründer im Nebenerwerb starten

  • 53,9%

    Um eine Basis für Selbstständigkeit im Vollerwerb zu schaffen.

    Quelle: KfW, Inmit/Uni Trier

  • 55,0%

    Um Geschäftsideen erproben zu können.

  • 58,1%

    Um durch Sozialversicherungen geschützt zu sein.

  • 64,8%

    Um das finanzielle Risiko zu verringern.

  • 68,1%

    Um eine Erwerbsalternative zu haben.

  • 68,6%

    Um finanziell abgesichert zu sein.

  • 70,5%

    Um Fähigkeiten zu nutzen.

Daraus resultierte der kräftige Anstieg bei den Solo-Selbständigen, von denen allerdings ein erheblicher Teil nur ein geringes Einkommen erzielte. Bis 2007 entwickelte sich die selbständige Beschäftigung besser als die abhängige. Seit dem geht es bergab.

Für viele rentiert sich die Selbstständigkeit finanziell nicht. Derzeit erzielen etwa ein Viertel aller Selbständigen einen Bruttostundenlohn, der unter dem Mindestlohn für Arbeitnehmer von 8,50 Euro liegt. "Der zeitweilig höhere Anteil der Geringverdiener dürfte auch mit dem Wegfall der Subventionen zusammenhängen, die wohl nicht selten zu einer Selbständigkeit angeregt haben, bei der es nicht viel zu verdienen gab. Tatsächlich liegen die realen Bruttoeinkommen der Selbständigen noch unter dem Niveau der Zeit vor der Finanzkrise – und weit unter dem von Mitte der Neunziger Jahre", fasst Brenke die Entwicklung zusammen.

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