Führungskultur in Start-ups : So finden Gründer den richtigen Führungsstil

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GastbeitragFührungskultur in Start-ups : So finden Gründer den richtigen Führungsstil

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Start-ups haben große Chancen, Vorteile verschiedener Managementmethoden von Anfang an zu kombinieren.

Wer ein Unternehmen gründet, muss sich nicht mit verkrusteten Hierarchien herum schlagen. Da bietet es sich an, gleich mit agilen Methoden zu starten. Ein bisschen Hierarchie kann allerdings nie schaden.

Die Geschäftsidee, die Mitarbeiter, die Art des Zusammenarbeitens – bei einer Unternehmensgründung ist alles neu. Das, was bei etablierten Unternehmen die Veränderungsprozesse oft so umständlich macht - festgefahrene, schwerfällige Prozessabläufe und ritualisierte Komfortzonen der Mitarbeiter - sind bei Start-ups nicht vorhanden. Das ist eine Riesenchance, die Vorteile verschiedener Managementmethoden von Anfang an zu kombinieren.

Nicht wenige Gründer sind verliebt in die Vorstellung, ein ganz neuer Unternehmertyp zu sein. Dieses Anderssein soll sich auch im Umgang mit den Mitarbeitern spiegeln. Nicht von oben nach unten soll die neue Geschäftsidee Fuß fassen, sondern von unten nach oben, also Bottom-up. Nicht autoritär soll es zugehen, sondern demokratisch, offen, lässig, irgendwie cool.

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Die Vorteile von Bottom-up

Diese Führungsmethode kommt bei den Mitarbeitern an. Wenn Sie die Mitarbeiter einbeziehen und offen für deren Vorschläge und Ideen sind, sind die Mitarbeiter motiviert und kreativ. Es entsteht ein gesunder Wettstreit zwischen den Mitarbeitern um die besten Ideen. Nichts kann kreativer sein.

Zum Autor

  • Thorsten Beckmann

    Thorsten Beckmann ist Geschäftsführer der internationalen Kommunikationsagentur achtung! GmbH mit Sitz in Hamburg.

Wer delegieren kann und nicht darauf besteht, alles selber zu machen, motiviert noch mehr. Denn wer verantwortlich ist, setzt sich ein. Zu viel Kontrolle, das zeigt die Erfahrung, lässt dieses Gefühl, für etwas verantwortlich zu sein, erlahmen. Mit der Bottom-up-Methode entstehen aggressive Blockaden gegen 'die-da-oben' erst gar nicht. Denn beim Bottom-up sind es eben alle, nicht nur 'die da oben'. Schöner Nebeneffekt: Die Krankmeldungen tendieren gegen Null.

Es gibt aber noch einen weiteren, ganz entscheidenden Grund, diese Methode nicht links liegen zu lassen: Das rechtzeitig eingeholte Feedback bei den Mitarbeitern verhindert Fehler, die später nur schwer zu korrigieren sind. Die Rückmeldung von 'unten' bietet die Chance, Ziele zeitnah zu korrigieren, Prozesse anzupassen, wo es nötig ist und die Zielgruppe punktgenau zu fokussieren. Denn manches wissen die Mitarbeiter wirklich besser als der Boss. Dieses Wissen sollten Gründer nicht brach liegen lassen.

Die Nachteile von Bottom-up

Es gibt aber auch Nachteile: Die Bottom-up-Methode frisst Zeit. Zudem sind die Ergebnisse nicht genauso präzise kalkulierbar wie bei dem Von-oben-nach-unten-Ansatz. Im schlimmsten Fall herrscht Chaos, weil zu viele Köche den Brei verderben. Manchmal fehlt eben der Eine, der alles zusammenführt, der den Blick aufs Ganze hat, der führt, auch wenn es schwierig wird. 

Drei Arten agiler Arbeit

  • Scrum

    Arbeitsschritte werden in Phasen von zwei bis vier Wochen zerlegt und von einem kleinen Team bearbeitet. Der Scrum Master sorgt dafür, dass Regeln eingehalten werden. Ein Product Owner behält die Wünsche des Auftraggebers im Blick.

  • Design Thinking

    Ziel ist die Entwicklung innovativer Geschäftsmodelle oder Produkte. Die Methode orientiert sich an der Arbeit von Designern. Basis ist die These, dass Probleme besser gelöst werden, wenn Menschen aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten.

  • Holokratie

    Die Philosophie geht auf den US-Softwareunternehmer Brian Robertson zurück. Holons sind selbstständige Einheiten aus Mitarbeitern, die sich mit anderen Holons zu einer Struktur zusammenschließen – der Holacracy. Statt einer Hierarchie gibt es Regeln in einer „Verfassung“, die Mitarbeiter versammeln Gleichgesinnte in „Zirkeln“, um „Spannungen“ zu klären, und besprechen den Fortschritt in „taktischen Sitzungen“. Weltweit verwenden die Philosophie bereits 50 Organisationen.

Diese Nachteile lassen sich aufwiegen, wenn in die an der Basis orientierte Managementmethode ein Schuss Top-down, also Management von oben nach unten, gemischt wird. Auf die Vorteile der Top-down-Methode – einer hat den Überblick und die Fäden in der Hand, wodurch klar formulierte und kontrollierbare Ziele, Zeitpläne und Budgets entstehen, was bei Geschäftspartners, Finanzgebern und Kunden für Vertrauen sorgt -  sollten Gründer nicht verzichten.

Ideal ist es, wenn der Gründer die grobe Linie im Hinblick auf Ziele, Zeit und Kosten vorgibt, dann aber die konkrete Umsetzung mit den Mitarbeitern bespricht und ihnen den Freiraum gibt, den sie brauchen. Kontrolle und Freiheit müssen gut ausbalanciert sein.

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