Gründer: Bei Berlins Startups ist die Party vorbei

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Gründer: Bei Berlins Startups ist die Party vorbei

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Team Europe-Gründer Kolja Hebenstreit: Der Startup-Brutkasten hat sich gegenüber 2012 mit 16 Beteiligungen und 40 Mitarbeitern etwa halbiert. Die Fahne mit dem Firmennamen, einst Symbol für den Aufbruch, ist eingemottet. Beteiligungen: 9, Mitarbeiter: 22.

von Michael Kroker

Rückzüge, Notverkäufe, Pleiten: Nach Jahren des Booms macht sich Realismus in Deutschlands Internet-Hochburg an der Spree breit. Ohne zusätzliches Risikokapital bleibt der Abstand zum Silicon Valley exorbitant.

Die Beine auf einem Riesenball, den Firmennamen wie ein x-beliebiges Mode-Label auf auf das T-Shirt gedruckt: Wenn Kolja Hebenstreit sich so vor seinen Laptop fläzt, erinnert der 29-Jährige mehr an einen braven Pennäler denn an einen heißen Jungunternehmer.

Das war vor gut eineinhalb Jahren noch anders. Damals wollte sich Hebenstreit noch mit allen Mitteln von den Samwer-Brüdern abheben, die mit ihrem Unternehmen Rocket Internet die Web-Szene der Hauptstadt dominieren. Also kaufte er sich eine Fahne mit dem Logo seiner Internet-Firma Team Europe und hielt diese, wo es sich anbot, in die Luft. Immerhin hatte sich sein Team Europe, das er 2008 zusammen mit dem Gründer des Online-T-Shirt-Bedruckers Spreadshirt, Lukasz Gadowski, auf die Beine stellte, zeitweise an bis zu 16 Berliner Startups beteiligt, um aus ihnen erfolgreiche Internet-Firmen zu machen.

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Doch die Zeiten haben sich geändert. Die Flagge hat Hebenstreit in der Team-Europe-Zentrale in der Mohrenstraße in Berlin-Mitte eingemottet. „So würde ich heute nicht mehr auftreten“, sagt er selbstkritisch. Eben noch hipper Web-Unternehmer, hat der Ex-Fahnenträger sich selbst und seiner Firma weniger Show und mehr Realismus verordnet: „Wir haben unser Portfolio bereinigt und stellen nun unsere Unternehmen in den Mittelpunkt“, sagt er.

Wie bei Team Europe ist es überall in Deutschlands Internet-Hochburg. Nach mehreren Boomjahren mit immer neuen vermeintlich immer heißeren Unternehmensgründungen hat der Hype rund um die Internet-Szene in der Hauptstadt spürbare Dämpfer erhalten. Startup-Stars, noch gar nicht so lang aus der Taufe gehoben, mussten an neue Eigentümer verkauft werden, um nicht zahlungsunfähig zu werden. Brutkästen wie Team Europe warfen Schützlinge raus, die die Erwartungen der Investoren nicht erfüllten. Erste größere Pleiten schrecken die Branche auf.

Risikokapital-Investitionen und Anzahl der Finanzierungsrunden 2012

Risikokapital-Investitionen und Anzahl der Finanzierungsrunden 2012. Zum Vergrößern bitte klicken.

Kapital für Startups

Jüngster Fall ist das Startup HausMed. „Aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit haben wir Ende Januar Insolvenz angemeldet“, musste Geschäftsführer Sascha Bilen am Mittwoch einräumen. Die Idee, Nutzer beim Abnehmen, Stressabbau oder Blutdrucksenken zu beraten, floppte. „Wir haben einen großen Apparat aufgebaut bei Umsätzen, die sich nicht wie erwartet entwickelt haben“, so Bilen. Der Deutsche Hausärzteverband und der Gründer der Versicherungsvermittlung AWD, Carsten Maschmeyer, hatten HausMed finanziert und können das Geld nun abschreiben.

„Das 37. E-Commerce-Nischenunternehmen im Web oder die 28. App braucht halt niemand“, spottet Andreas Thümmler, Gründer von Corporate Finance Partners (CFP). Der „Andi“, wie der 39-Jährige in Berlin heißt, kennt die Szene wie kaum ein Zweiter. Thümmlers CFP kümmert sich seit Jahren um Kapital für Startups und deren Exit, den gewinnbringenden Ausstieg von Gründern oder Kapitalgebern.

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8 Kommentare zu Gründer: Bei Berlins Startups ist die Party vorbei

  • wirklich schade, dass der Artikel offensichtlich von einem geschrieben wurde, der die Berliner Startup-Szene nur aus den Medien kennt. Wirklich nichts Neues zu lesen - nur der Versuch, die Berliner Gründerstimmung in der (nachvollziehbaren!) Konsolidierung des Team-Europe-Portfolios zu erahnen. Das ist natürlich Quatsch. Amen und MyParfum sind beides veraltete Beispiele - im Falle My Parfums schon fast ein Jahr alt. Fast schon eine Frechheit, sie nochmal aufzuwärmen. Und Maschmeyer hatte schlichtweg noch kein gutes Händchen mit seinen Investments. So what? Geld hat er ja schon genug. Würde sich der Autor wirklich auskennen, so wären Namen wie Versus.io, Number 4 oder ResearchGate gefallen. Stattdessen ein hanebüchenes Konstrukt der DailyDeal/CityDeal-Nummer (Jahrgang 2011/2010!). Und dazu noch falsch recherchiert, denn die Samwers haben nicht gecasht, sondern Anteile an Groupon erhalten, die sie beim Börsengang für > 1 Mrd. verkauft haben. Unterm Strich schreibt hier also ein Autor, der den Tenor seines Artikels schon kannte, bevor er das erste Wort getippt hatte. Recherche überflüssig. Und wenn man schon nichts Neues beitragen kann, dann doch einfach nochmal den hundertsten Aufguss des Berlin-Silicon-Valley-Vergleichs. Zumindest der Autor bietet also die Innovation, die er bei den Startups kläglich vermisst.
    Einzig sinnvoll an dem Artikel sind die kurzen Einspieler von Klaus Hommels zum Thema Delaware und vielleicht der erneute Hinweis von Andi Thümmler, dass Berlin ein Flughafen gut zu Gesicht stünde. Und vielleicht etwas mehr Risikokapital. Ansonsten bitte beim nächsten mal besser recherchieren oder die richtigen Gesprächspartner interviewen - dann wird´s auch ein lesenswerter Artikel. Gute Nacht.

  • Den besten Kommentar zum Artikel hat sicherlich Ciarán O'Leary geschrieben: http://www.huffingtonpost.de/ciaran-oleary/ein-groteil-der-deutschen-wirtschaftspresse-versteht-startups-nicht-das-ist-gift-fur-die-aufkeimende-unternehmerkultur-im-land_b_4801458.html

  • Die WiWo-Redaktion liegt mit differenzierter Art und Weise häufig sehr richtig, in diesem Artikel verhebt sich Herr Kroker jedoch gewaltig. Unternehmertum und Innovation bedeuten Lernen von Marktwissen (Hayek), Entdeckungsverfahren am Markt (Kirzner), Wettbewerb der Ideen, Mut, Risiko und eben kreative Schöpfung auch durch Scheitern (Schumpeter) - das mögen die BWL und VWL´er heute in der wunderbaren Welt der perfekten Märkte der durchmathematisierten Neoklassik-Vorlesung zwar nicht mehr hören, sind aber Erkenntnisse aus der Mitte des letzten Jahrhunderts.

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