Gründer-Inkubatoren: Die schnellen Brüter für Startups boomen

Gründer-Inkubatoren: Die schnellen Brüter für Startups boomen

Johannes Kreibohm, Christian Weiss (rechts) Quelle: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Johannes Kreibohm, Christian Weiss (rechts)

Bild: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Meist mit Erfolg: Von den mehr als 200 Menschen, die den Dortmunder Inkubator bisher durchlaufen haben, sind 80 Prozent selbstständig geblieben – nur jeder Zehnte wurde wieder arbeitslos.

Die meisten Brutkästen richten sich aber an Menschen, die man nicht vor der Arbeitslosigkeit bewahren muss, sondern davor, leichtfertig einen festen Job anzunehmen. Sie befinden sich dort, wo gute Ideen geboren, aber zu selten zu Unternehmen wurden: an Hochschulen.

Ohne ein solches Treibhaus hätten Marek Checinski und Alexander Kulesza ihre Geschäftsidee womöglich wieder beerdigt und sich einen Job in der Industrie gesucht. Stattdessen bezogen sie nach ihrem Chemie-Studium an der Berliner Humboldt-Universität ein Büro im Inkubator ihrer Uni. In der „Spin-Off-Zone“ stellten sie Schreibtische und PCs auf, besorgten sich ein EXIST-Gründerstipendium und holten zwei Mitstreiter an Bord.

Jetzt bauen sie Tür an Tür mit anderen Gründern ihr Startup Creative Quantum auf. Es entwickelt Software, mit der sich chemische Prozesse am PC simulieren lassen. Diese Software verkaufen sie nicht, sondern führen damit für Chemie-Unternehmen virtuelle Versuche durch und ersparen ihnen so den Einsatz von Chemikalien und Geräten – kurz: viel Geld.

Eine Idee mit Zukunft, da sind die beiden sicher.

Und eine Idee, die wie gemacht ist für den Inkubator. „Es gibt an der Uni so viele kluge Köpfe mit Gründerpotenzial“, sagt Volker Hofmann, der Leiter des Spin-Off-Bereichs der Humboldt-Universität, „wir müssen dieses Potenzial nur heben.“

Also helfen Hofmann und sein Team den Jungunternehmern auch dabei, einen Businessplan zu schreiben, ein Gründerstipendium zu bekommen und passende Mitstreiter zu finden. Im Gegenzug sollen sie den Gründergeist an der Uni verbreiten. Unternehmensanteile abgeben müssen sie nicht.

Unterstützung gegen Anteile

So generös geht es in Brutkästen, in denen Ex-Unternehmer wie die Samwer-Brüder Startups aufpäppeln, nicht zu. Sie statten die Gründer mit Startkapital aus, beanspruchen dafür aber auch Anteile am Unternehmen. Und das nicht zu knapp.

HackFwd gehört zu den wenigen Inkubatoren, die die Konditionen hinter diesen Deals öffentlich machen: Die Gründerschmiede von Lars Hinrichs finanziert IT-Tüftler im Frühstadium mit 91.000 bis 191.000 Euro und verlangt dafür einheitlich 27 Prozent der Anteile.

Andere Inkubatoren kassieren oft mehr – insbesondere dann, wenn die Geschäftsidee vor allem mithilfe des Inkubators und nicht allein in den Köpfen der Gründer entstanden ist. So gehören Johannes Kreibohm und Thorsten Lubinski laut der Beteiligungsdatenbank des  Gründerportals Gruenderszene.de nur acht Prozent ihres Unternehmens Plinga.

Die Gründer hätten noch immer die „volle unternehmerische Verantwortung“ und „sinifikante Anteile am Unternehmen“, wiegelt Mitgründer Kreibohm ab – und mit Rocket ja außerdem starke Partner und Investoren an der Seite.

Wer die Mehrheit der Anteile abgibt, riskiert aber seine unternehmerische Freiheit: Die Gesellschafter sitzen bei allen Entscheidungen mit am Tisch.

Beispiel Rocket Internet: Die Samwer-Brüder werden zwar nicht auf der Homepage des Inkubators erwähnt, sind aber an operativen Entscheidungen der Startups beteiligt. „Wir sprechen wichtige Entscheidungen eng ab“, gibt Kreibohm zu.

Gründen ohne eigene Idee

Gerade mal ein paar Schritte sind es vom Schreibtisch von Sarik Weber zu den Startups, die er seit Mitte 2010 gemeinsam mit Jochen Maaß bei Hanse Ventures ausbrütet. Auch hinter diesem jungen Internet-Inkubator stecken erfahrene Seriengründer: Weber zog das Mobilfunkunternehmen Cellity hoch, bevor er es im Jahr 2009 an Nokia verkaufte. Maaß baute unter anderem den Suchmaschinenoptimierer Artaxo auf. Jetzt logieren die beiden unter dem Dach eines Bürohauses am Hamburger Sandtorkai – in einem Großraumbüro.

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Während draußen vor dem Fenster Baukräne die neue Hafencity hochziehen, wachsen hinter den Scheiben neue Unternehmen heran. Halbrunde Nierenschreibtische reihen sich aneinander wie die Boxen einer Legebatterie. An einer Tischgruppe sitzt Benjamin Vahle und lenkt die Geschicke eines Reiseportals namens 1000kreuzfahrten.de. Sieben Mitarbeiter beraten die Kunden telefonisch und vermitteln ihnen gegen Provision in dem unübersichtlichen Markt passende Schiffsreisen.

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