Gründerinnen: "Sie sind Gründer - warum wollen Sie keine Kinder?"

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InterviewGründerinnen: "Sie sind Gründer - warum wollen Sie keine Kinder?"

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Freya Oehle, Gründerin von Spottster, hat ganz klassisch auf Bachelor Betriebswirtschaftslehre studiert und sich im Master auf Finance und Accounting spezialisiert.

Foto: Patrick Sun

von Kerstin Dämon

Wenn Frauen ein Unternehmen gründen, das nichts mit Mode, Kochen oder Schönheit zu tun hat, stoßen sie auf Vorurteile. Gründerin Freya Oehle über Wahrnehmung und Selbstbewusstsein von Jungunternehmerinnen.

WirtschaftsWoche: Sie haben mit 23 Jahren das Unternehmen Spottster gegründet, eine Art digitaler Merkzettel für Produkte von Onlinehändlern, die man im Auge behalten möchte. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Freya Oehle: Ich hab an einer Uni studiert, die relativ gründungsaffin ist und hatte immer mit dem Gedanken gespielt. Aber ich habe immer gesagt, ich mache nichts, wo ich nicht hundert Prozent hinter der Idee stehe, weil ich nicht gründe um des Gründens willen. Ich war dann eigentlich schon auf dem besten Weg, den typischen Weg in der BWL zu gehen. Also in Richtung Bank oder Beratung. Im Auslandssemester habe ich dann in einer Vorlesung von einer ähnlichen Idee im Modebereich gehört, die aber sehr schlecht gelöst war. Das war vom Grundsatz her eine super Idee, es war nur auf den falschen Sektor limitiert und technisch schlecht umgesetzt. Und dann habe ich mir gedacht: Das kann man besser machen.

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Gegründet haben Sie das Unternehmen aber nicht alleine. Wie konnten Sie Ihren Mitgründer von der Idee begeistern?

Ich hab mit Tobias Kempkensteffen zusammen Abitur gemacht und wir kennen uns schon relativ lange. Tobias war schon immer Programmierer, hat schon früher Webentwicklungen auch auf kleiner Basis gemacht, hat sich dann während der Schulzeit als Entwickler selbstständig gemacht und dann angefangen Informatik zu studieren. Deswegen hab ich ihn damals auch aus Chicago raus kontaktiert und ihn gefragt, ob die Umsetzung meiner Idee technisch aufwendig ist und was man dafür braucht. Dann hat er sich das Ganze angeschaut und fand es technisch sehr reizvoll und dementsprechend sind wir da zusammen gekommen.

Woher kam das Startkapital für Ihre Gründung?

Wir hatten einen Business-Angel, der das erste Jahr mit uns gemacht hat und den Markteinstieg und die Vergrößerung des Teams von zwei auf sieben begleitet hat. Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir den Markteinstieg einigermaßen geschafft haben und jetzt eben größer werden müssen. Das heißt, jetzt geht die Investorensuche wieder los.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit potentiellen Investoren?

Es ist schon vorgekommen, dass es hieß "in zehn Jahren wird sie ausgelaugt sein". Das habe ich bei einem männlichen Gründer noch nie erlebt. Im Gegenteil: Da ist es eher positiv. Der gründet ein Unternehmen und bringt sich selber voran. Das ging bei mir eher in die andere Richtung, was ich erstaunlich fand.

Reagiert Ihre Umwelt auf weibliche Gründer anders als auf männliche?

Im Zuge der Gründung kam vor allem von Journalisten die Frage: "Ja und warum wollen Sie keine Kinder?" Das ist des Häufigeren vorgekommen. Da ist bei mir schon der Eindruck entstanden, dass das ausgeschlossen wird: Wenn man sich selbstständig macht, kann man Familie abhaken. Ich war auf diese Fragen nicht vorbereitet, weil das für mich überhaupt nichts mit der Gründung zu tun hat.

Wie erklären Sie sich diese Vorbehalte?

Ich denke, dass es daran liegt, dass die meisten Gründungen von Frauen auch eher aus sehr weiblichen Bereichen kamen und mehr den Anschein hatten, dass sie die Interessenswelt der Frauen mit einer Gründung verbinden. Und wenn das dann nicht der Fall ist, sondern ein bisschen davon abweicht, dann ist das wohl immer noch sehr neu. Ich habe tatsächlich nur eine Kommilitonin, die ebenfalls gegründet hat, die aber ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Da ist es so, dass das gesamte Gründungsteam weiblich ist und das Thema ist kochen, das wird schon ganz anders aufgefasst. Da heißt es dann, das passt zusammen. Bei uns ist sind die Themen Retail-Business, Commerce, Datenverarbeitung. Das geht in eine Richtung, in der sich eher weniger Frauen tummeln.

Gibt es zu wenig weibliche Gründer, so dass schlicht die die Werbung für Gründerinnen fehlt?

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Ich schätze, dass es den Frauen oft an Selbstsicherheit fehlt. Ich sehe das bei sehr vielen Männern, also gründenden Kommilitonen, mit was für einem Selbstbewusstsein die auftreten. Mit was für einem Selbstverständnis die auch Zahlen in einem Business-Plan rechtfertigen, wo man drei mal hinterfragen muss, ob die wirklich eintreten. Frauen sind da viel vorsichtiger.

Ich hab das das erste Mal unterschwellig bei meinen Kommilitoninnen gemerkt. Wie gesagt, unsere Uni ist wahnsinnig gründungsaffin, aber es gründen hauptsächlich meine Kommilitonen. In einem Gespräch mit guten Freundinnen aus dem Studium zeigte sich, dass es die Überlegung gibt: Wenn man jetzt in einen Konzern geht, kann man sich da in drei bis vier Jahren eine gewisse Position erarbeiten und hat dann auch kein Problem, wenn man dann mit der Familienplanung anfängt.

Und das können Sie nicht verstehen...

Was ich nicht nachvollziehen kann, ist, wo die große Angst meiner Kommilitoninnen herkommt. Dass sie eben doch lieber in den Konzern gehen, anstatt selber zu gründen, obwohl sie gute Ideen haben. Sie haben exakt die gleichen Qualifikationen wie ich und ich habe keine Angst gehabt. Selbst wenn das Unternehmen scheitert, werde ich es irgendwie anders hinbekommen mit dem, was ich kann.

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