
Vor knapp einem Jahr gründete Anton Jurina, 28, zusammen mit seinem Studienfreund Martin Höfeler, 25, das Social-Fashion-Label Armedangels. Das Kölner Startup verdient Geld mit schicken, ökologisch hergestellten und fair gehandelten Klamotten. Ein Teil der Einnahmen des Unternehmens geht an Hilfsprojekte in Entwicklungsländern. Noch verkauft Armedangels seine Hemden und Pullover weitgehend über das Internet. Dort können die Kunden auch eigene Entwürfe einreichen oder sich gleich selbst als Model bewerben. Anfang 2008 sollen die Hemden deutschlandweit in den Läden liegen (WirtschaftsWoche 38/2007).
Im zweiten Teil des WirtschaftsWoche-Gründertagebuchs schreibt Jurina über dubiose Produzenten, erfolgreiche Pressearbeit und die erste flaue Phase.
15. September Unser Lager ist fast leer. Die neue Ladung mit T-Shirts hätte schon vor Wochen hier sein müssen. Aber statt Klamotten bekommen wir von unserem Handelsagenten immer neue Geschichten geliefert. Jetzt hatte er angeblich einen Autounfall in Polen. Viel steht auf dem Spiel: Kommen die T-Shirts nicht, können wir Zehntausende Euro abschreiben und unser Weihnachtsgeschäft ist im Eimer.
17. September Heute ist der erste Teil des Gründertagebuchs in der WirtschaftsWoche erschienen. Die Nachwirkungen zeigen sich zuerst im Internet: Die Zugriffszahlen auf unsere Seite haben sich verdoppelt. Per Mail und Xing kommen Glückwünsche von Freunden und Bekannten. Aber auch potenzielle Partner melden sich. Abends dann die Preisverleihung in München. Auf dem Empfang erkenne ich Ozan Taner sofort, den Gründer des Espresso-Importladens Moema Espresso Republic. Er ist der Protagonist des letzten WirtschaftsWoche-Gründertagebuchs.
Wir reden über mögliche Kooperationen. Fair gehandelter Espresso und fair gehandelte Hemden – das passt. Kurze Zeit später stehen Martin und ich auf der Bühne und nehmen den Pokal entgegen. Ich bin selten wortkarg. Jetzt verschlägt es mir fast die Sprache.
Hier finden Sie das Online-Tagebuch der Armedangel-Gründer.
18. September Die 5200 T-Shirts sind da, mit neun Wochen Verspätung! In einer Nachtaktion stapeln wir die Kartons. Unser Lager ist jetzt bis unter die Decke gefüllt. Wir sind für das Weihnachtsgeschäft gerüstet.
19. September Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein neuer Journalist oder Blogger anruft. Die Resonanz auf den Gründerwettbewerb ist stärker, als wir erwartet haben. Szene- und Fach-Publikationen wie „Jn’C“, „Umag“, „Xray“, „Kölner Illustrierte“ und „Textilwirtschaft“ berichten. Sogar Journalisten der „Süddeutschen Zeitung“ und N-TV, des „Kölner Stadtanzeigers“ sowie vom SWR und WDR melden sich.
20. September Vor einigen Tagen kam die Nachricht, dass ein Jeanshersteller aus Süddeutschland namens „Angel Jeans“ unseren Markennamen gerichtlich stoppen will. Martin telefoniert immer wieder mit dem Anwalt der Jeans-Engel. Abends dann die Entwarnung: Wir einigen uns außergerichtlich. Fortan werden wir unseren Firmennamen „Armed Angels“ nicht mehr getrennt schreiben. Jetzt heißen wir „Armedangels“.













