Grüne Pioniere: Algen, Elektroautos und Holzabfälle

Grüne Pioniere: Die 30 innovativsten grünen Startups

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Elektroautos für 5.000 Euro - Streetscooter-Gründer Achim Kampker

Algen, Elektroautos und Holzabfälle

Phytolutions: Produziert Sprit aus Algen

Stefan Rill, 53, und Claudia Thomsen, 48, Gründer der Bremer Phytolutions, halten eine Lösung für gleich zwei große Menschheitsprobleme parat: Sie züchten Meeresalgen, die in naher Zukunft große Teile des knapper werdenden Erdöls ersetzen könnten, als Biotreibstoff oder als Ausgangsmaterial für viele Chemikalien.

Und da jedes Kilo Mikroalgen bei seinem Wachstum annähernd die doppelte Menge Kohlendioxid (CO2) verspeist, könnte das Plankton zugleich den Klimawandel bekämpfen. In einer kleinen Versuchsanlage in Niederaußem bei Köln verarbeiten die Algen seit 2008 CO2 aus einem Braunkohlekraftwerk des Energiekonzerns RWE. Jetzt sucht das Unternehmen, das 2008 aus der Jacobs University Bremen hervorging, Investoren für den Sprung in industrielle Dimensionen. Fünf Millionen Euro, sagt Rill, brauche er dafür.

Ohne Großproduktion nämlich bliebe die Weltenrettung mit Algen ein bloßer Traum. Dann wären die Algen zu teuer. Rill sieht die Wettbewerbsfähigkeit bei 1,70 Euro je Liter Algenöl erreicht. Mit einer Massenherstellung ließe sich dieser Preis noch dieses Jahrzehnt erreichen, sagt er. Und der Flächenverbrauch? Der sei weit geringer als bei Biotreibstoffen aus Raps oder Mais, betont Rill. „70 Prozent der hiesigen Rapsfelder würden reichen, um ganz Deutschland mit Biodiesel aus Algen zu versorgen.“ Seine Algentanks bräuchten dabei nicht wertvolles Ackerland zu okkupieren. Die Mikroorganismen gedeihen auch prächtig auf Industriebrachen.

Streetscooter: Baut ein Elektroauto für 5.000 Euro

Elektroautos waren bisher Luxusobjekte. Achim Kampker, 35, will sie nun bezahlbar machen. Dafür hat der Professor für Produktionsmanagement an der RWTH Aachen den Streetscooter entwickelt – einen kleinen Viersitzer mit Elektroantrieb. In der Massenfertigung soll das Auto 5.000 Euro kosten, plus monatlich 150 Euro für das Leasing der Batterie.

Um den Preis möglich zu machen, hat Kampkers zwölfköpfiges Team zusammen mit 80 Partnerunternehmen und Forschungseinrichtungen alle Komponenten heutiger Kleinwagen überprüft, viele gestrichen oder durch billigere Eigenentwicklungen ersetzt. Das Konzept kommt an: Die Deutsche Post hat 20.000 Streetscooter für ihren Fuhrpark bestellt. 2014 sollen sie vom Band laufen.

Agnion: Macht Holzabfälle in Gas

Holz steht vor einem Comeback als Energieträger – davon ist Stephan Mey, 53, überzeugt. Der Chef des Energietechnikunternehmens Agnion in Pfaffenhofen bei München will eine Technik industrialisieren, bei der Holzabfälle unter reduzierter Luftzufuhr in Gas umgewandelt werden. Es soll in Kraftwerken Strom und Wärme produzieren. Der Vorteil: Gas lässt sich vielseitig nutzen und speichern, außerdem ist es mit seinem höheren Heizwert ein ergiebigerer Brennstoff als Holz. Holzgas trieb bereits im Zweiten Weltkrieg Autos an – nun hat Agnion diese Technik perfektioniert.

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Die Innovation des im Jahr 2007 gegründeten Startups besteht in sogenannten Heatpipes – meterlangen, mit einer Spezialflüssigkeit gefüllten Metallröhren. Sie leiten die Hitze, die das Holz zum Vergasen bringt, besonders effizient in die Brennkammer. Nahe des Chiemsees soll in diesem Frühjahr das erste größere Kraftwerk mit der Agnion-Technik in Betrieb gehen, das rund 500 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt. Dieses Jahr will Agnion zehn weitere Anlagen bauen und 40 Millionen Euro umsetzen.

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