Algen, Elektroautos und Holzabfälle

Phytolutions: Produziert Sprit aus Algen
Stefan Rill, 53, und Claudia Thomsen, 48, Gründer der Bremer Phytolutions, halten eine Lösung für gleich zwei große Menschheitsprobleme parat: Sie züchten Meeresalgen, die in naher Zukunft große Teile des knapper werdenden Erdöls ersetzen könnten, als Biotreibstoff oder als Ausgangsmaterial für viele Chemikalien.
Und da jedes Kilo Mikroalgen bei seinem Wachstum annähernd die doppelte Menge Kohlendioxid (CO2) verspeist, könnte das Plankton zugleich den Klimawandel bekämpfen. In einer kleinen Versuchsanlage in Niederaußem bei Köln verarbeiten die Algen seit 2008 CO2 aus einem Braunkohlekraftwerk des Energiekonzerns RWE. Jetzt sucht das Unternehmen, das 2008 aus der Jacobs University Bremen hervorging, Investoren für den Sprung in industrielle Dimensionen. Fünf Millionen Euro, sagt Rill, brauche er dafür.
Ohne Großproduktion nämlich bliebe die Weltenrettung mit Algen ein bloßer Traum. Dann wären die Algen zu teuer. Rill sieht die Wettbewerbsfähigkeit bei 1,70 Euro je Liter Algenöl erreicht. Mit einer Massenherstellung ließe sich dieser Preis noch dieses Jahrzehnt erreichen, sagt er. Und der Flächenverbrauch? Der sei weit geringer als bei Biotreibstoffen aus Raps oder Mais, betont Rill. „70 Prozent der hiesigen Rapsfelder würden reichen, um ganz Deutschland mit Biodiesel aus Algen zu versorgen.“ Seine Algentanks bräuchten dabei nicht wertvolles Ackerland zu okkupieren. Die Mikroorganismen gedeihen auch prächtig auf Industriebrachen.

Gestapelte Gewächshäuser
Nahrungsmittel wie Kartoffeln oder Gurken könnten bald in städtischen Hochhäusern wachsen. Das würde Einsparungen an Kosten und Ressourcen wie Benzin und Strom bedeuten, die für den Transport von Lebensmitteln von den Feldern zum Konsumenten verbraucht werden.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Selbst anbauen auf Dachfarmen
Die US-Universität New Jersey führte ein Studie zu in Metropolen angebautem Gemüse durch. Das Ergebnis ist überraschend: Auch großer Stadtverkehr schadet den angebauten Lebensmitteln nicht. Die eigene Ernte sei sogar gesünder als Gemüse vom Land. Vorreiter für Dachfarmen gibt es bereits New York.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Fruchtbarer Ackerboden
In Städten gibt es viel ungenutzte Fläche. Dieser Platz kann neben Hausdächern als Anbaufläche für Nahrung genutzt werden, oder...
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Fischen in der Stadt
... für stadteigene Fischfarmen. Auch hier könnten Transportkosten- und Wege eingespart werden.
Illustration: Javier Martinez Zarracina

Hydroponische Gewächshäuser
Da Städte wenig Anbaufläche bieten, kann der Anbau von Lebensmitteln in der Stadt nur mit hydroponischen Gewächshäusern funktionieren. Dort besteht der Nährboden nicht aus herkömmlicher Erde, sonder aus einer recyclebaren, wässrigen Nährlösung, die sich in Töpfen befindet. Diese Töpfe können, wie vom amerikanischen Vorreiter-Unternehmen Valcent praktiziert, in einem Gebäude platzsparend gestapelt werden. Ein Rotationsmechanismus würde jedes Gemüse mit ausreichend Licht versorgen.
Um eine Millionenstadt zu versorgen, bräuchte man mindestens 7000 große Gewächshäuser.
Illustration: Javier Martinez Zarracina
Gestapelte Gewächshäuser
Nahrungsmittel wie Kartoffeln oder Gurken könnten bald in städtischen Hochhäusern wachsen. Das würde Einsparungen an Kosten und Ressourcen wie Benzin und Strom bedeuten, die für den Transport von Lebensmitteln von den Feldern zum Konsumenten verbraucht werden.
Illustration: Javier Martinez Zarracina
Streetscooter: Baut ein Elektroauto für 5.000 Euro
Elektroautos waren bisher Luxusobjekte. Achim Kampker, 35, will sie nun bezahlbar machen. Dafür hat der Professor für Produktionsmanagement an der RWTH Aachen den Streetscooter entwickelt – einen kleinen Viersitzer mit Elektroantrieb. In der Massenfertigung soll das Auto 5.000 Euro kosten, plus monatlich 150 Euro für das Leasing der Batterie.
Um den Preis möglich zu machen, hat Kampkers zwölfköpfiges Team zusammen mit 80 Partnerunternehmen und Forschungseinrichtungen alle Komponenten heutiger Kleinwagen überprüft, viele gestrichen oder durch billigere Eigenentwicklungen ersetzt. Das Konzept kommt an: Die Deutsche Post hat 20.000 Streetscooter für ihren Fuhrpark bestellt. 2014 sollen sie vom Band laufen.
Agnion: Macht Holzabfälle in Gas
Holz steht vor einem Comeback als Energieträger – davon ist Stephan Mey, 53, überzeugt. Der Chef des Energietechnikunternehmens Agnion in Pfaffenhofen bei München will eine Technik industrialisieren, bei der Holzabfälle unter reduzierter Luftzufuhr in Gas umgewandelt werden. Es soll in Kraftwerken Strom und Wärme produzieren. Der Vorteil: Gas lässt sich vielseitig nutzen und speichern, außerdem ist es mit seinem höheren Heizwert ein ergiebigerer Brennstoff als Holz. Holzgas trieb bereits im Zweiten Weltkrieg Autos an – nun hat Agnion diese Technik perfektioniert.
Die Innovation des im Jahr 2007 gegründeten Startups besteht in sogenannten Heatpipes – meterlangen, mit einer Spezialflüssigkeit gefüllten Metallröhren. Sie leiten die Hitze, die das Holz zum Vergasen bringt, besonders effizient in die Brennkammer. Nahe des Chiemsees soll in diesem Frühjahr das erste größere Kraftwerk mit der Agnion-Technik in Betrieb gehen, das rund 500 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt. Dieses Jahr will Agnion zehn weitere Anlagen bauen und 40 Millionen Euro umsetzen.













