
Die USA seien in der Champions League und Asien spiele in der Bundesliga, sagte Lars Hinrichs dem Nachrichtenportal Gründerszene: „Europa spielt in Sachen Internet hingegen nur in der Kreisliga.“ Hinrichs, einst Gründer des Online-Karrierenetzwerks Xing und heute Chef der Investorenfirma HackFwd, bezieht seine Aussage auf die Marktkapitalisierung, die Start-ups im vergangenen Jahr erzielen konnten.
Vor kurzem diskutierte er mit weiteren Gründern und Investoren bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Schwierigkeiten der deutschen Start-up-Szene. Denn obwohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) jährlich über 11.000 Gründungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zählt und in Berlin eine rege Gründerszene besteht, ist hierzulande noch keine Firma in der Größe von Facebook und Google entstanden. Zu dem Treffen haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Unabhängig davon erläutert Tobias Kollmann, BWL-Professor an der Universität Duisburg-Essen und ebenfalls Teilnehmer der Runde, im Gespräch mit dem Handelsblatt die Herausforderungen der Gründer.
Bild: dpaPlatz 17: Berlin
Das Projekt Startup Genome hat ermittelt, was die besten Standorte für Gründer sind. Immerhin auf dem 17. Platz landet eine deutsche Stadt. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt für Start-Up-Gründer entwickelt. Besonders die Gegend um den Rosenthaler Platz hat es vielen angetan, die mittlerweile schon Silicon Allee genannt wird.
Erfolgreiche Berliner Start-Ups der vergangenen Jahre waren unter anderem kaufda, die Werbeprospekte ins Internet stellen, der Gutscheinhändler Groupon, Zalando oder eDarling. Auch das von US-Schauspieler Ashton Kutcher unterstützte Start-Up Amen hat seinen Sitz in Berlin.
Bild: dpaPlatz 10: Moskau
Zwanzig Kilometer außerhalb von Moskau entsteht in Skolkowo ein neues „russisches Silicon Valley“. Das Innovationszentrum soll im gleichen Stil wie das Original neue Hochtechnologien hervorbringen. Dazu sollen dort in Zukunft über 30 000 Wissenschaftler an neuen Ideen tüfteln. Eröffnet wird „Innograd“ wahrscheinlich frühestens 2016.
Bild: ReutersPlatz 9: Bangalore
Immer erinnernd an das amerikanische Vorbild, hat Bangalore den Beinamen „indisches Silicon Valley“ bekommen. Nicht zu Unrecht: In der Stadt haben sich viele IT-Firmen wie SAP, Oracle und IBM niedergelassen. Deswegen ist auch die Zahl der Informatiker in der Stadt hoch.
Bild: ReutersPlatz 8: Sao Paulo
Brasilien, und allen voran Sao Paulo, ist im Beliebtheitsranking von Start-Up-Gründern schnell nach oben geklettert. Im Gegensatz zu anderen Metropolregionen haben die Gründer hier viel Platz um sich auszuleben. Investoren schätzen das große Potential in Südamerika und stellen bereitwillig Gelder bereit.
Auch die deutschen Samwer-Brüder, die unter anderem auch in Zalando, Jamba oder Groupon investiert haben, sind in Sao Paulo aktiv. Der Skype-Gründer Niklas Zennström hat in einen Online-Shop für Babyartikel investiert.

Platz 7: Singapur
Der Tigerstaat hat sich eine kleine Stadt im Inneren geleistet: Die Biopolis. Über 220 000 Quadratmeter groß, arbeiten hier Wissenschaftler aus der ganzen Welt an neuen Entwicklungen für die Medizin und Biotechnologie.
Diese Bereiche sind bei Risikokapitalgebern sehr beliebt, da sie gute und vergleichsweise sichere Renditen versprechen. Start-Ups in diesen Bereichen kommen hier schnell an einen Investor.
Bild: APPlatz 6: Los Angeles
Start-Ups fühlen sich wohl in der Nähe von Unterhaltungsindustrie, die ständig auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten oder Ideen sind – und welcher Ort könnte dafür besser sein, als Los Angeles. Auch die Nähe zu vermögenden Bewohner der Stadt, wie zum Beispiel zum bekannten Schauspieler und Risikokapitalgeber Ashton Kutcher, zieht junge Unternehmensgründer an.
Bild: ReutersPlatz 5: Tel Aviv
Auch in Israel gibt es eine Niederlassung des Silicon Valley: Das Silicon Wadi. Laut „The Globe and Mail“ sollen 422 Start-Ups – alleine in den ersten drei Quartalen vergangenen Jahres - fast 1,9 Milliarden Euro Risikokapital eingesammelt haben.
Auch die großen US-Konzerne bedienen sich gerne an den kreativen Start-Ups im Silicon Wadi. So hat Ebay im September sein Portfolio für 20 Millionen Dollar um „The Gifts Projekt“ erweitert, eine Plattform, auf der Freunde gemeinsam Geschenke für eine andere Person kaufen können.

Platz 4: Toronto
Die kanadische Metropole ist der wichtigste Finanzplatz des Landes. Hier sind auch viele Investmentfirmen angesiedelt – was die Stadt für Startup-Gründer besonders attraktiv macht. Aus Kanada kommt unter anderem die Idee des „1-Dollar-Business“, die unter anderem von der Freien Universität Berlin aufgegriffen wurde: Die Studenten erstellen einen Business-Plan der von einer Jury aus Wirtschaftsvertretern bewertet wird. Der beste Plan gewinnt.
Bild: ReutersPlatz 3: London
Die Strahlkraft des Silicon Valley ist so groß, dass Ortsteile in denen sich viele junge Unternehmensgründer ansiedeln, schnell einen Namen tragen, der an das amerikanische Vorbild erinnert. In London ist es das „Silicon Roundabout“ rund um die U-Bahn Haltestelle „Old Street“.
Hier sitzt zum Beispiel auch die 2008 gegründete Internetfirma „Mixcloud“. Dort können sich die Nutzer ihr eigenes Radioprogramm zusammenstellen und mit Freunden teilen.
Bild: ReutersPlatz 2: New York City
Die Stadt gilt gemeinhin als Schmelztiegel der Kulturen, indem neue Ideen viel Raum finden. Und weil man sich in der Millionenmetropole nicht so leicht durch Zufall über den Weg läuft, haben Dennis Crowley und Naveen Selvadurai 2009 das Start-Up Foursquare gegründet. Über das Internet oder eine App können sich Nutzer an einem Ort „einchecken“ und sehen, wo sich ihre Freunde gerade befinden.
Platz 17: Berlin
Das Projekt Startup Genome hat ermittelt, was die besten Standorte für Gründer sind. Immerhin auf dem 17. Platz landet eine deutsche Stadt. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt für Start-Up-Gründer entwickelt. Besonders die Gegend um den Rosenthaler Platz hat es vielen angetan, die mittlerweile schon Silicon Allee genannt wird.
Erfolgreiche Berliner Start-Ups der vergangenen Jahre waren unter anderem kaufda, die Werbeprospekte ins Internet stellen, der Gutscheinhändler Groupon, Zalando oder eDarling. Auch das von US-Schauspieler Ashton Kutcher unterstützte Start-Up Amen hat seinen Sitz in Berlin.
Kritisch sieht der E-Business-Experte, dass die Ausbildung von IKT-Spezialisten an Universitäten und Fachhochschulen primär auf Tätigkeiten in der Forschung und in Großunternehmen abziele: „Die Ausbildung in Deutschland ist weitgehend auf ein Angestelltenverhältnis ausgerichtet.“ Impulse für eine mögliche Unternehmensgründung gebe es kaum.
Mit dem Thema kämen zudem vor allem Betriebswirtschaftler in Berührung. Hier spielen private Hochschulen wie die WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar eine große Rolle. Dort hat unter anderem der Gründer und Investor Oliver Samwer studiert. Für Wirtschaftsinformatiker und Informatiker gebe es dagegen kaum spezielle Weiterbildungsangebote in diesem Bereich, sagt Kollmann. Dabei sei gerade das für die IKT-Branche sehr wichtig.
Es fehlt an eigenen Ideen
Denn in Deutschland entstehen bislang vor allem Start-ups, die bestehende Geschäftsmodelle aus den USA kopieren. Oliver Samwer und seine Brüder Marc und Alexander verfolgen diese Strategie mit Erfolg. Firmen wie Alando, ein Klon des US-Internetauktionshauses Ebay, und Zalando, eine Kopie des Schuhversenders Zappos, machten die drei reich und bekannt. Um die deutsche Start-up-Szene nachhaltig aufzubauen, wären jedoch neue Einfälle nötig: „Gründer sollten hierzulande noch viel mehr eigene Ideen entwickeln“, so Kollmann.
Um das zu fördern, müssten die positiven Aspekte der Selbstständigkeit wie eine erhöhte Eigenverantwortlichkeit stärker herausgestrichen werden. So forderte der Schweizer Investor Christophe Maire bei einer Telekom-Veranstaltung eine „andere gesellschaftliche Stellung“ für Gründer: „Der Gründer ist ein Held, aber er wird nicht so wahrgenommen.“ In den USA sei das anders. Im Vergleich zu Nordamerika kritisiert Kollmann zudem die „überschaubare und wettbewerbsarme Finanzierungslandschaft“ in Deutschland. Privates Engagement zur finanziellen Unterstützung von Gründern sei noch gering ausgeprägt. Kollmann, der als Business-Angel auch Finanzierungen bietet, sieht den Staat in der Pflicht: „Für Investoren müsste es mehr steuerliche Anreize geben.“




















