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Internetfirmen: Wo sind die IT-Gründer?

von Susanne Metzger Quelle: Handelsblatt Online

Trotz einer aktiven Gründerszene fehlt in Deutschland noch ein Internet-Unternehmen in der Größe von Google oder Facebook. Experten machen dafür die Ausbildung von IT-Studenten verantwortlich - und den Bund.

In Deutschland fehlen große It-Start-Ups wie Google. Quelle: AFP
In Deutschland fehlen große It-Start-Ups wie Google. Quelle: AFP

Die USA seien in der Champions League und Asien spiele in der Bundesliga, sagte Lars Hinrichs dem Nachrichtenportal Gründerszene: „Europa spielt in Sachen Internet hingegen nur in der Kreisliga.“ Hinrichs, einst Gründer des Online-Karrierenetzwerks Xing und heute Chef der Investorenfirma HackFwd, bezieht seine Aussage auf die Marktkapitalisierung, die Start-ups im vergangenen Jahr erzielen konnten.

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Vor kurzem diskutierte er mit weiteren Gründern und Investoren bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Schwierigkeiten der deutschen Start-up-Szene. Denn obwohl das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) jährlich über 11.000 Gründungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) zählt und in Berlin eine rege Gründerszene besteht, ist hierzulande noch keine Firma in der Größe von Facebook und Google entstanden. Zu dem Treffen haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Unabhängig davon erläutert Tobias Kollmann, BWL-Professor an der Universität Duisburg-Essen und ebenfalls Teilnehmer der Runde, im Gespräch mit dem Handelsblatt die Herausforderungen der Gründer.

Platz 17: Berlin

Das Projekt Startup Genome hat ermittelt, was die besten Standorte für Gründer sind. Immerhin auf dem 17. Platz landet eine deutsche Stadt. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt für Start-Up-Gründer entwickelt. Besonders die Gegend um den Rosenthaler Platz hat es vielen angetan, die mittlerweile schon Silicon Allee genannt wird.

Erfolgreiche Berliner Start-Ups der vergangenen Jahre waren unter anderem kaufda, die Werbeprospekte ins Internet stellen, der Gutscheinhändler Groupon, Zalando oder eDarling. Auch das von US-Schauspieler Ashton Kutcher unterstützte Start-Up Amen hat seinen Sitz in Berlin.

Bild: dpa

Kritisch sieht der E-Business-Experte, dass die Ausbildung von IKT-Spezialisten an Universitäten und Fachhochschulen primär auf Tätigkeiten in der Forschung und in Großunternehmen abziele: „Die Ausbildung in Deutschland ist weitgehend auf ein Angestelltenverhältnis ausgerichtet.“ Impulse für eine mögliche Unternehmensgründung gebe es kaum.

Mit dem Thema kämen zudem vor allem Betriebswirtschaftler in Berührung. Hier spielen private Hochschulen wie die WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar eine große Rolle. Dort hat unter anderem der Gründer und Investor Oliver Samwer studiert. Für Wirtschaftsinformatiker und Informatiker gebe es dagegen kaum spezielle Weiterbildungsangebote in diesem Bereich, sagt Kollmann. Dabei sei gerade das für die IKT-Branche sehr wichtig.

Es fehlt an eigenen Ideen

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Denn in Deutschland entstehen bislang vor allem Start-ups, die bestehende Geschäftsmodelle aus den USA kopieren. Oliver Samwer und seine Brüder Marc und Alexander verfolgen diese Strategie mit Erfolg. Firmen wie Alando, ein Klon des US-Internetauktionshauses Ebay, und Zalando, eine Kopie des Schuhversenders Zappos, machten die drei reich und bekannt. Um die deutsche Start-up-Szene nachhaltig aufzubauen, wären jedoch neue Einfälle nötig: „Gründer sollten hierzulande noch viel mehr eigene Ideen entwickeln“, so Kollmann.

Um das zu fördern, müssten die positiven Aspekte der Selbstständigkeit wie eine erhöhte Eigenverantwortlichkeit stärker herausgestrichen werden. So forderte der Schweizer Investor Christophe Maire bei einer Telekom-Veranstaltung eine „andere gesellschaftliche Stellung“ für Gründer: „Der Gründer ist ein Held, aber er wird nicht so wahrgenommen.“ In den USA sei das anders. Im Vergleich zu Nordamerika kritisiert Kollmann zudem die „überschaubare und wettbewerbsarme Finanzierungslandschaft“ in Deutschland. Privates Engagement zur finanziellen Unterstützung von Gründern sei noch gering ausgeprägt. Kollmann, der als Business-Angel auch Finanzierungen bietet, sieht den Staat in der Pflicht: „Für Investoren müsste es mehr steuerliche Anreize geben.“

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