Investitionen in Start-ups: "In Deutschland scheuen Investoren das Risiko"

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InterviewInvestitionen in Start-ups: "In Deutschland scheuen Investoren das Risiko"

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Der Professor für Digital Management und Studiendekan an der Hochschule Fresenius, Dr. Richard Geibel, im Interview mit WirtschaftsWoche Online.

von Marius Gerads

Warum Start-ups gute Investments sind, was Deutschland von den USA lernen muss und warum die Deutschen auch mal risikoreicher investieren sollten. Ein Gespräch mit Richard Geibel.

WirtschaftsWoche Online: Herr Geibel, wenn Sie im Lotto gewinnen würden, wie würden Sie Ihr Geld anlegen?

Richard Geibel: Ich würde den größten Teil des Geldes in junge, aufstrebende Unternehmen stecken, von denen ich erwarte, dass sie erfolgreich sein werden. Am besten würde ich in möglichst viele verschiedene Start-ups investieren, wissend, dass viele nicht oder nur bedingt erfolgreich sein werden. Aber auch wenn nicht alle erfolgreich sind, lohnt sich das für mich. So wirtschaften ja auch Wagniskapital-Fonds.

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Warum würden Sie es nicht zur Bank bringen?

Bei den niedrigen Zinsen? (lacht)

Zur Person

  • Richard Geibel

    Dr. Richard Geibel ist Professor für Digital Management und Studiendekan an der Hochschule Fresenius. Er lehrt in Köln und in Düsseldorf. Sein Forschungsschwerpunkt ist Entrepreneurship. Unter anderem hat er an der Sloan School of Management am MIT in den USA geforscht.

Aber warum ausgerechnet ein so risikoreiches Investment wie Start-ups?

Wichtig ist doch, dass wir hier eine spannende Investmentgruppe haben. Diese schnell wachsenden, jungen Unternehmen werden bisher in Deutschland stark vernachlässigt. Da steckt gerade noch viel in den Kinderschuhen. Dieser Bereich wird aber immer wichtiger.

Was meinen Sie, wenn Sie sagen: In Deutschland werden Start-ups als Investmentmöglichkeit vernachlässigt?

In Deutschland fehlt die Bereitschaft, Geld auch mal in risikoreichere Investments zu stecken. Bevor wir Deutschen irgendwo investieren, wollen wir einen Businessplan sehen und wissen, welche Rücklagen und welche Sicherheiten es gibt. Nur wer das alles liefert, hat hierzulande eine Chance, Banken als Förderer zu finden. Aber so werden keine innovativen Start-ups gegründet. Die Start-ups im Silicon Valley gründen oft nur mit einem innovativen Geschäftsmodell. In den USA bekommt man häufig auch für zukunftsträchtige, radikale Ideen Geld. Viele scheitern damit, aber ein paar Unternehmer haben Erfolg mit Gründungen wie Google, Facebook und Uber. Skalierbare internetbasierte Geschäftsmodelle sind momentan die erfolgreichsten. Und dafür muss man einfach mal Neues ausprobieren und etwas wagen. Das passiert in Deutschland kaum und deswegen laufen wir Gefahr, den Anschluss zu verpassen.

Woher Startups ihr Kapital erhalten

  • Eigene Ersparnisse

    82,5 %

    Quelle: Deutscher Startup Monitor/Bundesverband Deutsche Startups, 2014

  • Familie und Freunde

    32,7 %

  • Staatliche Fördermittel

    29,1 %

  • Business Angels

    28,2 %

  • Inst. Risikokapitalgeber

    21,4 %

  • Inkubatoren

    10,9 %

  • Bankdarlehen

    10,2 %

  • Schwarmfinanzierung

    4,1 %

Aber warum sollte es in Deutschland mehr von dieser US-Investmentmentalität geben, wenn wir doch vor allem stark in klassischen Industrien sind?

Deutschland geht es derzeit wirtschaftlich sehr gut. Gerade im Vergleich zum übrigen Europa. Aber man darf nicht vergessen, dass die wesentlichen Innovationen der letzten 40 Jahre im Internet und im Smartphone-Bereich stattgefunden haben. Und in diesem Segment ist Deutschland leider kaum vertreten. Die „Big Player“ sind da die US-Amerikaner, insbesondere die Kalifornier.

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Portale im Netz wirbeln die Geschäftsmodelle ganzer Branchen um – und erschaffen neue. Doch viele fürchten sich vor neuen Monopolen.

Adi eröffnete mit seinen Partnern gerade das zweite Café in Köln. Der Name der neuen Minikette lässt hoffen: Wndrfuel. Quelle: Dominik Asbach für WirtschaftsWoche

Ist es denn überhaupt sinnvoll, zu versuchen dort noch aufzuholen? Ist der Zug nicht abgefahren und Deutschland sollte sich auf das konzentrieren, was es kann? Nämlich die klassischen Industrien?

Nun die Geschäftsideen sind oft nicht unglaublich komplex und auch in Europa haben Gründer gute Geschäftsideen. So wurde zum Beispiel WhatsApp von einem Ukrainer erfunden. Oder der Erfinder des MP3-Algorithmus ist ein Deutscher. Aber diese Leute gehen dann nach Kalifornien, weil dort die Geldgeber sind. Das müsste nicht sein, diese Gründer könnten auch recht einfach hier gefördert werden.

Zudem müssen wir uns fragen, wo unsere Wettbewerbsvorteile liegen? Und das ist insbesondere unser Know-how in Pharmazie, Medizin, Maschinenbau und Automobilindustrie.

Damit wir dort so erfolgreich bleiben, müssen wir jetzt diese Bereiche intensiv mit dem Internet verknüpfen. Das ist für Deutschland eine ganz große Chance.

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