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Julia Derndinger: "Frausein zahlt sich aus"

von Jens Tönnesmann

Die Unternehmerin erklärt, warum sie nichts von einer Frauenquote hält und was die Gesellschaft braucht, um mehr Frauen zu Gründerinnen zu machen.

Derndinger
Derndinger

Frau Derndinger, Sie leiten Imedo zusammen mit Gründer Christian Angele. Hat dieses gemischte Doppel Vorteile?Derndinger: Es ist immer gut, ein Unternehmen im Team aufzubauen. Wichtig ist, dass man sich gut versteht, untereinander ergänzt und über alle Fragen offen austauschen kann. Das Geschlecht spielt dabei aber überhaupt keine Rolle. Politiker diskutieren in dieser Woche erneut über eine Frauenquote. Hätte eine solche Quote Ihre Karriere erleichtert?Derndinger: In der Tat habe ich etwa bei Bertelsmann gemerkt, dass ich schlechtere Aufstiegschancen habe als meine männlichen Kollegen. Selbst ein Unternehmen zu gründen war für mich eine Chance, meine Karriere selbst in die Hand zu nehmen, statt sie von männlichen Chefs abhängig zu machen.Also sind Sie für eine Quote?Derndinger: Nein. Vorstandsposten sollten wie andere Stellen nach Qualifikation besetzt werden, nicht nach Geschlecht. Das müsste genügen, denn die Frauen sind hierzulande mindestens genauso gut ausgebildet wie die Männer. Woran liegt es dann, dass sowohl in großen Konzernen als auch in Startups oft Männer am Hebel sitzen?Derndinger: Frauen müssen sich immer noch viel öfter zwischen Karriere und Familie entscheiden als Männer. Außerdem fehlen vielen Frauen eine Vision und der Wille, sich durchzusetzen. Heißt das, dass Frauen selbst schuld sind, wenn sie nur die zweite Geige spielen?Derndinger: Nein. Schuld ist die gesellschaftliche und familiäre Prägung vieler Frauen. Wir müssen unsere Töchter so erziehen, dass sie dieselben Rollenmodelle vor Augen haben wie unsere Söhne. Das heißt?Derndinger: Frauen sollten sich genauso gut wie Männer vorstellen können, Dax-Vorstand oder Astronautin zu werden. Aber es fehlen bisher die Vorbilder – in der Familie, aber auch in der Gesellschaft. Ich kann mich nicht erinnern, wann zum letzten Mal eine Frau auf dem Cover der WirtschaftsWoche abgebildet war. In der Gründerszene stehen oft Männer wie XING-Gründer Lars Hinrichs oder die Samwer-Brüder im Mittelpunkt. Zu Unrecht?Derndinger: Nein, völlig zu Recht, weil sie erfolgreich sind. Sie können sich zu 100 Prozent auf ihre Unternehmen konzentrieren. Viele Frauen können das nicht, weil es kaum Männer gibt, die sie dabei unterstützen würden.

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Wer hat Sie unterstützt?Derndinger: Ich bin im Baumarkt meiner Eltern aufgewachsen. Beide haben mir immer vorgelebt, Unternehmer zu sein. Das hat mich und meine Geschwister beeinflusst. Hatten Sie das Gefühl, als Gründerin benachteiligt zu sein?Derndinger: Im Gegenteil. Ich musste oft mit Telekommunikationskonzernen verhandeln, um die Handyanhänger meines Unternehmens zu vermarkten. Bei den männlichen Geschäftsführern fand ich immer Gehör, und auch ihre Assistentinnen mochten mich. Wenn überhaupt, dann zahlt sich Frausein für Gründer aus.Dennoch zeigen Statistiken, dass Frauen seltener gründen als Männer. Warum? Derndinger: Viele Menschen gründen, nachdem sie ein paar Jahre berufstätig waren. Frauen fällt der Absprung schwerer, insbesondere wenn sie Kinder haben oder bekommen möchten. Dann hat es Vorteile, in einem größeren Unternehmen angestellt zu bleiben – noch dazu, wenn es Teilzeit und Home-Office anbietet. Wer ein Startup aufbaut, arbeitet dagegen oft rund um die Uhr und ist viel unterwegs.Und das fällt Männern leichter?Derndinger: Männer fokussieren sich ¬zumindest oft auf das Ziel des unternehmerischen Erfolgs. Sie sind so erzogen, der Ernährer und Leistungsträger zu sein.

Frauen gründen eher kleinere Firmen

Aber ist es nicht verwunderlich, dass im Accelerator Program, das Sie koordinieren, unter 30 Gründern nur eine Frau ist?Derndinger: Das finde ich bedauerlich. Allerdings richtet es sich an Unternehmer, die schnell wachsen und mehr als eine Millionen Euro Umsatz machen wollen. Frauen gründen eher kleinere Firmen. Das klingt ziemlich pauschal.Derndinger: Es entspricht zumindest meiner Erfahrung. Natürlich gibt es auch Gründerinnen, die sehr wachstumsorientierte Geschäftsideen haben.Zum Beispiel?Derndinger: Christine Margreiter und Sibylle Stolberg, die mit Wax in the City die erste Waxing-Studio-Kette in Deutschland aufgebaut haben. Oder Claudia Helming, die den Online-Marktplatz Dawanda gegründet hat. Wenn Sie mir ein Jahr lang die Titelseiten der WirtschaftsWoche zur Verfügung stellen, dann besorge ich 50 weitere erfolgreiche Gründerinnen, die Sie abbilden können.

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3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 16.07.2011, 11:46 UhrJürgen Lenz

    Auch ich bin der Meinung, dass Frauen im Top Management unterrepräsentiert sind. Dieser Fall zeigt besonders, dass es weniger gut aussehende Frauen schwerer haben, sich in der Männer dominierten Topszene zu profilieren. Das bedauere ich sehr. Allerdings, psychologisch gesehen hat sie ein Partnerschaftsproblem, fernab von Emanzipation. Das zumindest erschließt sich aus ihrem Artikel. Könnte es in ihrem Fall ein Grund sein, dass frustrierte Frauen, die keinen Partner finden und sich deshalb so engagieren?

    Das ist nicht negativ gemeint. Aber die Aussagen lassen mich das vermuten.
    Viel Glück!
    J.

  • 28.04.2011, 23:32 UhrPeter Weber

    Frau Derndinger ist ein tolles beispiel, dass sich einiges geändert hat und die Top Positionen nicht länger nur uns Männern vorbehalten sind. ich finde das ist eine gute Entwicklung und sicher eine bereicherung für so manche Vorstands-Etage in Deutschland.

  • 29.03.2011, 17:58 UhrSascha

    Finde ich fast alles richtig, aber wieso ist es gesellschaftlich gewollt, das Frauen genauso oft gründen wie Männer oder genauso oft in Dax Vorständen sitzen??

    Da liegt ein m.E. ein Denkfehler, Freiheit bedeutet ebend nicht gleiche Ergebnisse oder Karrieren sondern unterschiedliche.

    inzwischen sind 90% aller Studierenden der Tiermedizin weiblich vor 40 Jahren waren es 25%.
    Gibt es irgendeinen Mann da draußen , der ernst genommen wird, der nun eine Männerqoute in der Tiermedizin fordert.
    Der Girls Day an Unis ist was seine Effizienz angeht ein Fall für den bundesrechnungshof.

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