Karriereleiter: Wie wir mit Krisen und Veränderungen umgehen

kolumneKarriereleiter: Wie wir mit Krisen und Veränderungen umgehen

Kolumne von Simone Janson

Flüchtlingskrise, Digitalisierung, VW-Skandal: Die Welt um uns herum verändert sich rasant. Gefragt sind neue Strategien und mehr Improvisationstalent. Klingt einfach – wären da nur nicht die eigenen Ängste.

Als vergangene Woche in Düsseldorf Sascha Lobo mit der deutsche Facebook-PR-Chefin Tina Kulow über Hassbotschaften im Netz und über die neue EU-Verordnung zur Netzneutralität diskutierten, waren sich die beiden eigentlich nur in einem Punkt einig: In Deutschland fehlt vor allem die Fähigkeit, mit Fehlern und Scheitern adäquat umzugehen und im Trial-and-Error-Verfahren innovative Ideen zu entwickeln. Das macht sich z.B. auch in der aktuellen Flüchtlingskrise bemerkbar, in der panikartig reagiert wird, wo ein klarer Verstand gefragt wäre. Erst kürzlich skizzierte Jens-Uwe Meyer im Manager Magazin, wie man im Silicon Valley mit dem aktuellen Flüchtlingsproblem umgehen würde: Blick nach vorne, Krise als Chance sehen und daraus Innovationen entwickeln. Und neuerdings liest man immer häufiger (auch in der WirtschaftsWoche), dass mehr Improvisation und weniger Bürokratie gefragt sind. Doch so einfach ist das nicht.

Woher Startups ihr Kapital erhalten

  • Eigene Ersparnisse

    82,5 %

    Quelle: Deutscher Startup Monitor/Bundesverband Deutsche Startups, 2014

  • Familie und Freunde

    32,7 %

  • Staatliche Fördermittel

    29,1 %

  • Business Angels

    28,2 %

  • Inst. Risikokapitalgeber

    21,4 %

  • Inkubatoren

    10,9 %

  • Bankdarlehen

    10,2 %

  • Schwarmfinanzierung

    4,1 %

Wer sich in den Büros deutscher Großkonzerne umhört, wird feststellen, wie groß dort die Angst vor Veränderung ist und wie schwer sich die erfolgsverwöhnten Riesen mit plötzliche auftretenden Schwierigkeiten tun: Statt nach vorne zu blicken, versuchen Sie, Risiken um jeden Preis zu vermeiden. Geld sparen heißt die Devise, Einstellungsstopps und Entlassungen sind die Folge. Der Grundgedanke dabei: Wer weniger ausgibt, kann auch Umsatzeinbrüche besser auffangen. Problematisch wird das allerdings, wenn unter den  Sparmaßnahmen die Qualität von Produkten und Service leidet und damit auch die Kundenzufriedenheit. Stagnation statt Entwicklung also, oder Konservation statt Innovation. Dadurch kann die Vermeidungsstrategie sogar zum Scheitern des Unternehmens führen wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Ein Teufelskreis also, der da aus der Verbindung von fehlender Unternehmenskultur, der daraus entstehenden Angst vor dem Scheitern und übertriebenem Perfektionismus als Kompensationsstrategie erwächst. Besser als sich derart von der Angst lähmen zu lassen, wäre es, sich ganz auf die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen zu konzentrieren - eine Strategie, die auch langfristig Erfolg verspricht. Dazu gehört aber auch, ein gewisses Risiko einzugehen und gegebenenfalls zu scheitern. Das macht natürlich Angst.

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Hohe Markteintrittsbarrieren

Und so viel gerade über die Start-Up-Kultur geredet wird: Auch in punkto Unternehmensgründung sind die Deutschen eher ängstlich: Der Global Entrepreneurship Monitor, eine Studie, die jährlich die Gründungsbedingungen in 42 Ländern weltweit untersucht, zeigt: Die Gründungskultur in Deutschland ist alles andere als optimal. Zwar bietet Deutschland eine sehr gute öffentliche Förderinfrastruktur, es stehen ausreichend Büro- und Gewerbeflächen sowie Verkehrs- und Kommunikationsmittel zur Verfügung, der Schutz des geistigen Eigentums durch Patente ist gewährleistet und Gründer können über zahlreiche Beratungsangebote und Zulieferfirmen verfügen.

Doch auf der anderen Seite schneidet Deutschland bei zahlreiche Rahmenbedingungen im internationalen Vergleich deutlich schlechter ab als andere Länder: So werden Gründer hierzulande durch höhere Markteintrittsbarrieren und schlechtere Finanzierungsbedingungen ausgebremst. Vor allem aber kritisieren die durch GEM befragten Experten die übermäßige Regulierungswut des Staates, die schlechte gründungsbezogene Ausbildung und schließlich die negative gesamtgesellschaftliche Haltung zur Gründung. Dementsprechend erstaunt es auch nicht, dass gut 40 Prozent der befragten 18-bis 64-Jährigen den Schritt in die Selbstständigkeit gleich ganz sein lassen würden - aus Angst, es könnte schief gehen.

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