Pausder auf den Punkt: Arbeitsschutz - Danke, Frau Nahles!

kolumnePausder auf den Punkt: Arbeitsschutz - Danke, Frau Nahles!

Kolumne von Verena Pausder

Applaus, Applaus für Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles: Mit Hilfe ihrer neuen Arbeitsstättenverordnung sollen endlich auch Start-ups menschenwürdige Arbeitsräume bekommen. Vorsicht, Realsatire!

Büros sind in der Start-up-Szene sehr wichtig. Sie sind das Statussymbol unserer Generation. Wir dachten, wir hätten da in Hinblick auf Meetingräume (Gewächshäuser im Büro wie bei Bloomydays), Gadgets (Torwände wie im Büro von OneFootball), Köche zur Mittagszeit (wie bei wooga), Hunde im Büro, Chill-out-Areas (wie bei Researchgate) und 1a-TipTop-Kaffeemaschinen bereits alles umgesetzt, wovon man nur träumen kann.

Weit gefehlt.

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Die Bundesregierung in Person von Andrea Nahles hat da noch ein paar Ideen, die uns komplett verblassen lassen. Arbeitsstättenneuverordnung heißt das Zauberwort.

Ich nenne es der Einfachheit halber einfach mal Arbeitsstätte 5.0.

Arbeitsstättenverordnung Nahles fordert sich gen „Absurdistan“

Ist Ihnen warm? Können Sie beim Teekochen verträumt aus dem Fenster gucken? Wegen ihrer aktuellen Forderungen zum Arbeitsschutz wird Arbeitsministerin Andrea Nahles massiv angegriffen. Ihre fünf absurdesten Wünsche.

Mindestens 17 Grad Celsius warm soll der Arbeitsplatz der Zukunft sein. Diese und andere Forderungen bringen die Arbeitsministerin derzeit in eine Bredouille. Quelle: dpa

Denn die Verordnung ist so visionär, dass sich niemand vorstellen kann, dass sie es jemals in die Realität schafft. Unsere Politiker sehen das anders.

Die Arbeitsstätte 5.0 ist eine Oase des totalen Glücks, der Helligkeit und der Wärme. Im gesamten Büro inklusive aller Räume wie Lager, Keller und Putzkammer herrscht ein mildes Klima von 17 Grad. Das Raumkonzept lebt vom Tageslicht, besonders auf den Toiletten sollte ein unverstellter Blick ins Grüne möglich sein. Tageslicht darf aber auf keinen Fall mit Sonneneinstrahlung verwechselt werden. Diese gilt es zu bekämpfen, natürlich ohne das Tageslicht zu verdrängen. Intelligente Stoffe der Textilindustrie werden das schon lösen.

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte in Zeiten totaler digitaler Transparenz und Überwachung steht jedem Mitarbeiter als sicherer Hafen ein persönlicher abschließbarer Spind zur Verfügung. Wahlweise darf man diesen natürlich außen wie innen mit Aufklebern versehen. Da bieten sich der Like-Daumen von Facebook, Emoticons jeder Art oder der extra vom Bundesarbeitsministerium gedruckte „I love my job“-Sticker an. Im Inneren des Spinds steht es einem natürlich völlig frei, auch ein Poster von Frau Nahles, seinem Chef oder der Lieblingskollegin aufzuhängen. Für die Schlösser ist aus Praktikabilitätsgründen ein Zahlenschloss zu wählen - mit der Bitte, nicht das Geburtsjahr als Code zu verwenden. Sonst müsste zu diesem Zweck ein zweiter Datenschutzbeauftragter eingestellt werden.

Und dann mein persönliches Highlight: das Erste-Hilfe-Zimmer. Wie haben wir es eigentlich bisher ohne diesen Raum ausgehalten? Was man da alles machen kann. In meiner Schulzeit war meine Lieblingsübung in der Mitte der sterbenslangweiligen Physikstunde ohnmächtig vom Stuhl zu rutschen, um dann von meinen beiden besten Freundinnen ins Erste-Hilfe-Zimmer geleitet zu werden. Herrlich!

Wie schön, dass das jetzt bald im Job auch möglich ist. Mitarbeiter müssen nicht mehr nach Hause gehen, wenn sie sich in den Finger geschnitten oder an der Kaffeemaschine verbrannt haben. Die Arztpraxen werden leer sein und der Krankenstand wird ungeahnte Tiefststände erreichen. Ein einfaches Zimmer macht es möglich. Warum ist da eigentlich nicht schon längst jemand drauf gekommen!?

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Ach ja, wer glaubt, dass die Arbeitsstätte 5.0 nur im Büro Einzug erhält, der irrt. Auch jeder Home-Office-Arbeitsplatz wird zukünftig auf Funktionsfähigkeit und Komfort geprüft. Oliver Samwer wird bald höchstpersönlich die Sonneneinstrahlung in den Privatwohnungen seiner Mitarbeiter überprüfen.

Angeblich soll Kanzleramtsminister Peter Altmaier die Pläne seiner Kollegin Nahles erst einmal auf Eis gelegt haben. Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass Überregulierung eine der größten Sorgen eines Start-ups ist. Es ist mir ein Rätsel, woher diese Sorge kommt...

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