
Sieht das neue iPhone aus wie das aktuelle, oder doch ganz anders? Mit größerem Display vielleicht, das auch noch bruchsicher ist? Hat es einen schnelleren Prozessor, mehr Speicher und eine bessere Kamera, oder doch nicht? Wird es eine Billig-Version des Kult-Smartphones geben? Oder gibt es am Ende vielleicht gar kein neues iPhone?
Seit Monaten beschäftigen sich Technologieblogs und Fachmedien mit diesen Fragen. Kein Unternehmen der Welt versteht es, seine Kunden und Noch-nicht-Kunden derart anzustacheln – ein versteckter Hinweise hier, eine Indiskretion dort. Schon Monate bevor ein neues Produkt überhaupt vorgestellt wird. Das kann nur Apple.
Am heutigen Dienstag, 19 Uhr deutscher Zeit, wird der IT-Konzern nun den Mantel des Schweigens lüften. Der neue Apple-Chef Tim Cook (oder doch vielleicht Marketingchef Phil Schiller?) wird im kalifornischen Cupertino nach Meinung der allermeisten Experten die neueste Generation des iPhones vorstellen. Außerdem wahrscheinlich eine erschwingliche Version des Smartphones.
Klar ist bisher nur so viel: Die neue iPhone-Strategie wird entscheidend sein für Apples Zukunft auf dem riesigen Smartphone-Markt. Der Erfolg ist so wichtig für die weitere Entwicklung des Konzerns wie der Golf für Volkswagen.
Denn die Konkurrenz ist stärker denn je. Angreifbar ist Apple vor allem auf dem Markt für preisgünstige Smartphones. Während der IT-Konzern beim Musikspieler iPod durch sein breites Angebot unterschiedlicher Preise die Konkurrenz praktisch eliminiert hat, ist das iPhone noch immer vergleichsweise teuer.
Immer mehr Kunden setzten auf billige Smartphones
„Konsumenten in den Industrieländern wählen heute Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones mit Googles Android-Betriebssystem anstatt klassischer Mobiltelefone“, sagt Roberta Cozza, Analystin beim Marktforschungshaus Gartner. „Nicht zuletzt, weil sie von Mobilfunkbetreibern teils massiv subventioniert werden.“ In Schwellenländern wie Brasilien oder auch in Russland kommen ohnehin aus rein finanziellen Gründen oft nur günstige Geräte in Frage, so wie im Marktsegment der Jugendlichen. Jeder will ein iPhone, aber nur wenige können es sich leisten.
Ein Markt also, der an Apple vorbeigeht. Und das kann gefährlich werden, immerhin ist das iPhone der größte Umsatzbringer. Im zweiten Quartal des Jahres kam Googles Android auf einen Marktanteil von 43,4 Prozent – deutlich vor Apple mit 18,2 Prozent. Im Vorjahreszeitraum waren die Erzfeinde noch fast gleichauf. Gewinner sind Android-Hersteller wie HTC, Motorola oder Anbieter wie ZTE, die vor einem Jahr noch niemand kannte.
Als erster beim Kunden zu sein, hat in der Welt der mobilen Handflächencomputer mit angehängtem Telefonteil eine besondere Bedeutung. Der Käufer lädt sich sich zusätzliche Software herunter, Musik oder Videos, um sie auf dem Gerät zu nutzen. Alle Kontrahenten haben ihre eigenen Vertriebsplattformen: Apple sein iTunes und den App-Store, Google den Andorid Market und einen Cloud-basierten Musikdienst. Microsoft bietet seinen Marketplace, die Musiksoftware Zune und verbindet die Spieleplattform Xbox live mit dem Smartphone.
Je länger ein Kunde seinem System treu bleibt, desto mehr kauft er und desto weniger ist er gewillt, umzusteigen. Noch dominiert hier Apple, aber die gewaltige Android-Basis wächst von unten schon nach.
Ein Handy für die ganze Welt
Das neue Top-Modell iPhone5 wird derweil laut den jüngsten Spekulationen ein Welt-Telefon sein, das in Asien, Europa und allen vier großen amerikanischen Netzen – AT&T, Verizon, Sprint und T-Mobile USA – funktionieren wird.
Laut Technologie-Blog 9to5mac wird es zudem denselben Prozessor bekommen wie der große Bruder iPad 2. Der Arbeitsspeicher soll auf ein Gigabyte aufgerüstet werden, was eine bessere Arbeitsgeschwindigkeit und schnelleres Surfen im Internet ermöglichen soll. Die Kamera wird acht Megapixel statt fünf auflösen und das Display wird mit vier Zoll größer sein als beim Vorgänger.
Als größte Neuerung aber stellt das Blog eine möglicherweise komplett überarbeitete Version der Sprachsteuerung vor. Im vergangenen Jahr hatte Apple mit Siri einen Spezialisten für Sprachsoftware übernommen. Eine umfassende Sprachsteuerung des Smartphones würde einen Rückstand gegenüber Googles Android beseitigen.
In wenigen Stunden entscheidet sich, was von alldem wahr ist - und wie sich Apple-Chef Cook, der wahrscheinliche Präsentator der neuen Geräte, geschlagen hat. Er wird versuchen müssen, den erst kürzlich zurückgetretenen Chef-Visionär und obersten Verkäufer Steve Jobs zu ersetzen. Kein leichter Job.




















