
WirtschaftsWoche: Herr Henzelmann, wer die Zeitung liest, könnte vermuten, dass es schlecht steht um die deutsche Umwelttechnikbranche: Solarunternehmen machen pleite, die Windradhersteller werden von der chinesischen Konkurrenz überholt. Was spricht dennoch dafür, jetzt in Deutschland ein grünes Startup gründen?
Henzelmann: Grüne Technologien boomen, daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Die Märkte für Energieeffizienz, Wassertechnologien, neue Formen der Energieerzeugung und CO2-arme Mobilität wachsen im hohen einstelligen Bereich. Gründer, die hier neue Ideen entwickeln und auf den Markt bringen, haben große Erfolgschancen. Deutsche Unternehmen haben Erfahrung mit diesen Märkten und darum eine besonders gute Startposition.
Was macht Deutschland so stark bei grünen Technologien?
Deutschland hat, wie nur wenige andere Länder, eine Kultur der Effizienz. Wir hatten seit jeher keine nennenswerten Vorkommen an Öl, Gas, Kupfer oder Seltenen Erden – und kompensieren das, indem wir mit Ressourcen produktiver umgehen. Im Vergleich zu großen Nationen wie den USA oder Russland brauchen wir zwei bis drei Mal weniger Energie, um das gleiche BIP zu produzieren. Schon in der technischen Ausbildung und im BWL-Studium lernt der Nachwuchs in Deutschland, wie wichtig Effizienz ist, auch für den wirtschaftlichen Erfolg.
Der deutsche grüne Gründer ist also ein Schwabe: Sparsam und technikverliebt?
So pauschal kann man das nicht sagen. Deutsche Gründer sind zwar häufig Ingenieure – anders als etwa im Silicon Valley, wo vor allem neue Internet-Techniken entwickelt werden. Hiesige Startups entwickeln eher sparsame Elektromotoren und neue Recyclingprozesse als das nächste Facebook. Das liegt nicht daran, dass wir Deutschen besonders sparsam sind, sondern dass wir im Energie- und Rohstoffbereich immer abhängig vom Ausland sind und effiziente Produkte und Dienstleistungen entwickeln müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
Bild: dapdUS-Wissenschaftler von der Purdue Universität haben einen Sensor entwickelt, der durch musikalische Schallwellen mit Energie versorgt wird. Das etwa zwei Zentimeter lange Röhrchen soll in Körpergefäßen oder der Blase Messungen durchführen – dabei wird ein Streifen aus einer speziellen Metall-Mischung durch akustische Wellen in Schwingungen versetzt, die in Energie umgewandelt werden.
Die Forscher haben dabei sogar getestet, welcher Musikstil sich am Besten eignet. Dabei erzielte Rap durch die Vielzahl niedriger Frequenzen deutlich bessere Ergebnisse, als Rock, Blues oder Jazz.
Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, Strom aus ungewöhnlichen Quellen zu gewinnen - aus der Fahrenergie von Autos beispielsweise oder indem man Batterien per Schütteln lädt...
Bild: PressebildDer japanische Elektronikkonzern Brother hat AA- und AAA-Batterien entwickelt, die sich mit Hilfe eines eingebauten Generators per Schütteln wieder aufladen lassen.
Bild: ScreenshotDas südafrikanische Startup Roundabout Outdoor hat in Afrika in den vergangenen Jahren mehr als sechshundert Karusselle namens Playpump gebaut, mit denen spielende Kinder ganz nebenbei Wasser aus einem Brunnen in einen Tank pumpen.
Bild: ScreenshotDas israelische Startup Innowattech will Straßen bauen, die den Druck der Autoreifen zur Stromerzeugung nutzen. Dazu will es so genannte piezoelektronische Materialien in den Asphalt einbringen, die bei Druck unter elektrische Spannung geraten. Eine einen Kilometer lange Spur soll 200 Hauhalte versorgen können. Eine längere Teststraße steht aber noch aus.
Bild: ScreenshotSogar Bäume geben Strom ab, und das US-Startup Voltree Power weiß, wie: Mit zwei Elektroden, in die Baumwurzel und den Boden daneben gesteckt, nutzen die Amerikaner den Unterschied zwischen den PH-Werten beider Umgebungen, um eine elektrische Spannung zu erzeugen und Strom zu produzieren - wie bei einem Apfelradio. Der soll reichen, um kleine Status-LEDs zu betreiben oder Uhren für Sensornetzwerke.
Bild: PressebildDas Robotor-U-Boot Solo-Trec der US-Raumfahrtbehörde Nasa braucht kein Benzin und keine Steckdose. Auf seinen Tauchfahrten nutzt es die Wärmeunterschiede der Wasserschichten zur Stromerzeugung für Antrieb und Sensoren: Bei jedem Abtauchen dehnen sich spezielle Phasenwechselmaterialien aus und komprimieren dabei ein Öl. Der Druck des Öls treibt dann einen Stromgenerator an.
Texte: Andreas Menn
Bild: ScreenshotElektroautos tanken künftig vielleicht Windstrom, den die Ladesäule selbst erzeugt - so jedenfalls stellt sich der amerikanische Kleinwindanlagenhersteller Urban Green Energy es vor. Ihre Ladesäule Sanya Skypump erzeugt mit 4 Kilowatt Leistung genug Strom für den Autoakku.
Bild: PressebildIngenieure des Karlsruher Instituts für Technologie haben mit Industriepartnern den Prototypen eines berührungsfreien Wasserhahns namens PowerFluid entwickelt, der mit Wasserkraft funktioniert: Eine winzige Wasserturbine und ein Generator speisen Strom in einen Speicher, der den Näherungssensor versorgt.
Bild: ScreenshotAbfallenergie liefern Gebäude im Überfluss: Bis zu 1000 Watt Wärmeenergie flutet ein Heizkörper ins Wohnzimmer – genug für hundert Energiesparlampen. Thermogeneratoren, etwa vom Freiburger Startup Micropelt, fangen davon allerdings nur ein paar Milliwatt auf. „Aber schon mit geringen Mengen Energie“, sagt Burkhard Habbe, Chef der Micropelt-Geschäftsfeldentwicklung, „lassen sich die erstaunlichsten Dinge verwirklichen.“ Zum Beispiel energieautarke Heizungsventile, die sich per Smartphone steuern lassen – kommendes Jahr soll es sie zu kaufen geben. Kurz vor der Marktreife stehen auch batterielose Temperaturfühler von Micropelt und dem Ratinger Elektronikunternehmen Schneider Electric für die Industrie. Sie sollen an den Stromschienen von Werkzeugmaschinen Überhitzung registrieren, bevor das Metall durchschmilzt.
Bild: PressebildMit den GenShock-Stoßdämpfern wird jedes Holpern und Rumpeln im Bus oder LKW zu wertvollem Strom für das Bordnetz. Bis zu 400 Watt Strom kann ein LKW so produzieren und damit die Tankrechnung um 800 Dollar pro Jahr reduzieren, verspricht der Anbieter. Marktstart ist im kommenden Jahr.
US-Wissenschaftler von der Purdue Universität haben einen Sensor entwickelt, der durch musikalische Schallwellen mit Energie versorgt wird. Das etwa zwei Zentimeter lange Röhrchen soll in Körpergefäßen oder der Blase Messungen durchführen – dabei wird ein Streifen aus einer speziellen Metall-Mischung durch akustische Wellen in Schwingungen versetzt, die in Energie umgewandelt werden.
Die Forscher haben dabei sogar getestet, welcher Musikstil sich am Besten eignet. Dabei erzielte Rap durch die Vielzahl niedriger Frequenzen deutlich bessere Ergebnisse, als Rock, Blues oder Jazz.
Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, Strom aus ungewöhnlichen Quellen zu gewinnen - aus der Fahrenergie von Autos beispielsweise oder indem man Batterien per Schütteln lädt...
Von welchen grundlegend neuen Technologien werden wir bald mehr hören?
Aus meiner Sicht werden es Innovationen aus dem Bereich Automatisierung sein: Lösungen, die klassische Energieerzeugungs und -effizienztechnologien intelligent kombinieren und dadurch den Kunden Mehrwert bieten. Dazu gehören alle sogenannten smarten Technologien für Ladestationen, Wasseraufbereitung, Recycling, Speicherung und Netze.
Ist Deutschlands Vorreiterrolle in der Solar- und Windenergie schon wieder Vergangenheit?
Bislang haben es deutsche Unternehmen geschafft, durch die Effizienz und die Langlebigkeit ihrer Produkte zu überzeugen. Sollte es uns nicht mehr gelingen, diesen Wettbewerbsvorteil zu erzielen, könnten wir in Deutschland aufgrund unserer Kostenstruktur einen Wettbewerbsnachteil haben. Allerdings zeichnen sich auch neue Innovationen im Solar- und Windenergiebereich ab. Gelingt es uns diese Innovationen schnell und mit einem Wettbewerbsvorteil an den Markt zu bringen, so haben wir auch weiterhin gute Chancen, uns gegen Standorte mit niedrigeren Herstellungskosten zu behaupten.
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