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Roland Berger Experte: "Sparsame Motoren statt dem nächsten Facebook"

von Andreas Menn

Torsten Henzelmann, Partner der Strategieberatung Roland Berger über Technologien der Zukunft und die Stärken deutscher Greentech-Startups.

Torsten Henzelmann, Partner bei Roland Berger. Quelle: Christof Mattes für Wirtschaftswoche
Torsten Henzelmann, Partner bei Roland Berger. Quelle: Christof Mattes für Wirtschaftswoche

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WirtschaftsWoche: Herr Henzelmann, wer die Zeitung liest, könnte vermuten, dass es schlecht steht um die deutsche Umwelttechnikbranche: Solarunternehmen machen pleite, die Windradhersteller werden von der chinesischen Konkurrenz überholt. Was spricht dennoch dafür, jetzt in Deutschland ein grünes Startup gründen?
Henzelmann: Grüne Technologien boomen, daran wird sich auch in den nächsten Jahren nichts ändern. Die Märkte für Energieeffizienz, Wassertechnologien, neue Formen der Energieerzeugung und CO2-arme Mobilität wachsen im hohen einstelligen Bereich. Gründer, die hier neue Ideen entwickeln und auf den Markt bringen, haben große Erfolgschancen. Deutsche Unternehmen haben Erfahrung mit diesen Märkten und darum eine besonders gute Startposition.

Was macht Deutschland so stark bei grünen Technologien?
Deutschland hat, wie nur wenige andere Länder, eine Kultur der Effizienz. Wir hatten seit jeher keine nennenswerten Vorkommen an Öl, Gas, Kupfer oder Seltenen Erden – und kompensieren das, indem wir mit Ressourcen produktiver umgehen. Im Vergleich zu großen Nationen wie den USA oder Russland brauchen wir zwei bis drei Mal weniger Energie, um das gleiche BIP zu produzieren. Schon in der technischen Ausbildung und im BWL-Studium lernt der Nachwuchs in Deutschland, wie wichtig Effizienz ist, auch für den wirtschaftlichen Erfolg.

Der deutsche grüne Gründer ist also ein Schwabe: Sparsam und technikverliebt?
So pauschal kann man das nicht sagen. Deutsche Gründer sind zwar häufig Ingenieure – anders als etwa im Silicon Valley, wo vor allem neue Internet-Techniken entwickelt werden. Hiesige Startups entwickeln eher sparsame Elektromotoren und neue Recyclingprozesse als das nächste Facebook. Das liegt nicht daran, dass wir Deutschen besonders sparsam sind, sondern dass wir im Energie- und Rohstoffbereich immer abhängig vom Ausland sind und effiziente Produkte und Dienstleistungen entwickeln müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

US-Wissenschaftler von der Purdue Universität haben einen Sensor entwickelt, der durch musikalische Schallwellen mit Energie versorgt wird. Das etwa zwei Zentimeter lange Röhrchen soll in Körpergefäßen oder der Blase Messungen durchführen – dabei wird ein Streifen aus einer speziellen Metall-Mischung durch akustische Wellen in Schwingungen versetzt, die in Energie umgewandelt werden.
Die Forscher haben dabei sogar getestet, welcher Musikstil sich am Besten eignet. Dabei erzielte Rap durch die Vielzahl niedriger Frequenzen deutlich bessere Ergebnisse, als Rock, Blues oder Jazz.
Es gibt eine ganze Reihe an Möglichkeiten, Strom aus ungewöhnlichen Quellen zu gewinnen - aus der Fahrenergie von Autos beispielsweise oder indem man Batterien per Schütteln lädt...

Quelle: dapd

Von welchen grundlegend neuen Technologien werden wir bald mehr hören?
Aus meiner Sicht werden es Innovationen aus dem Bereich Automatisierung sein: Lösungen, die klassische Energieerzeugungs und -effizienztechnologien intelligent kombinieren und dadurch den Kunden Mehrwert bieten. Dazu gehören alle sogenannten smarten Technologien für Ladestationen, Wasseraufbereitung, Recycling, Speicherung und Netze.

Ist Deutschlands Vorreiterrolle in der Solar- und Windenergie schon wieder Vergangenheit?
Bislang haben es deutsche Unternehmen geschafft, durch die Effizienz und die Langlebigkeit ihrer Produkte zu überzeugen. Sollte es uns nicht mehr gelingen, diesen Wettbewerbsvorteil zu erzielen, könnten wir in Deutschland aufgrund unserer Kostenstruktur einen Wettbewerbsnachteil haben. Allerdings zeichnen sich auch neue Innovationen im Solar- und Windenergiebereich ab. Gelingt es uns diese Innovationen schnell und mit einem Wettbewerbsvorteil an den Markt zu bringen, so haben wir auch weiterhin gute Chancen, uns gegen Standorte mit niedrigeren Herstellungskosten zu behaupten.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 14.01.2012, 00:00 UhrAnonymer Benutzer: eksom

    Die THERMOVOLTAIK wird dabei (noch) ganz vernachlässigt!
    Das ist die Technologie von morgen und übermorgen.

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