SAP-Mitgründer Tschira: "Gründen ist auch eine Typfrage"

SAP-Mitgründer Tschira: "Gründen ist auch eine Typfrage"

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Klaus Tschira 1

von Reinhold Böhmer und Michael Kroker

Der SAP-Mitbegründer Klaus Tschira über Investitionen in kleine, aussichtsreiche Unternehmen, den Mangel an Selbstständigen – und die Aussicht, dass sich seine Erfolgsstory wiederholt.

WirtschaftsWoche: Herr Tschira, wenn ein 40-Jähriger sich heute selbstständig machen will: Zu welcher Branche würden Sie ihm raten?Tschira: Schwer zu sagen. Ich würde ihm raten, er soll in die Branche gehen, für die er sich interessiert und in der er Spaß bei der Beschäftigung hat.

So mancher will Unternehmer werden, weil er Probleme hat, ständig Anweisungen ausführen zu müssen.Da kann ich nur warnen: Unzufriedenheit mit einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis ist kein ausreichendes Motiv für eine erfolgreiche Selbstständigkeit.

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Sie sind eine besondere Art von Unternehmer, ein Investor, der sein Geld in kleine aussichtsreiche Firmen steckt......Entschuldigung, aber das Wort Investor mag ich überhaupt nicht. Die meisten Investoren, von denen man in der Zeitung lesen kann, haben gar kein eigenes Geld, sondern verjubeln das von anderen – und lassen sich dafür Investor taufen.

Umso mehr interessiert uns, wovon Sie sich leiten lassen, wenn Sie mit eigenem Geld etwas unternehmen.Ich gehe in jene Branchen und Unternehmen, bei denen ich annehme, dass ich ein wenig von ihrem jeweiligen Geschäft verstehe. Wenn etwas nur vermeintlich zukunftsträchtig ist, ich aber das Geschäft nicht wirklich verstehe, dann lasse ich die Finger davon.

Aus welchen Branchen stammen die Unternehmen, in die Sie investiert haben?Das sind vor allem Unternehmen der IT, der angewandten Physik und Medizintechnik, Firmen aus Deutschland, aber auch aus den Vereinigten Staaten und Israel. Da gibt es beispielsweise ein Unternehmen, das an einer nichtmedikamentösen Therapie der Krebsbekämpfung arbeitet. Oder ein anderes, das eine neuartige Form der Übertragung bei Funknetzen entwickelt hat. Das scheinen mir zukunftsfähige Ansätze und auch lukrative Märkte zu sein.

Mit dieser Form der Unterstützung neuer Unternehmer sind Sie in Deutschland – im Gegensatz zu den USA – ein Sonderling. Sollte der Staat dieses Manko an Risikokapitalgebern, aber auch an unternehmerischer Initiative hierzulande ausgleichen?Das ist schwierig. Es gibt zwar Beispiele, wo die öffentliche Hand tatsächlich etwas bewegt hat, aber arg zahlreich sind sie nicht. Ich denke da etwa ein Projekt zur Förderung des Unternehmergedankens in den atlantischen Provinzen in Kanada. Dort gab es jahrelang ein Programm, in dem über die gesamte Bildungskette vom Schulanfänger bis zum Universitätsabgänger für die Selbstständigkeit geworben wurde – mit recht gutem Erfolg, weil die Selbstständigenquote mit dem Programm tatsächlich messbar stieg. Das hat mich sehr beeindruckt, gerade weil es so selten ist.

Wünschen Sie sich so etwas auch für Deutschland?Es wäre wünschenswert, aber ob’s realisierbar ist? Ich bin da nicht sehr optimistisch. Das Hauptaugenmerk eines Politikers ist es jedenfalls nicht, aufs Gemeinwohl zu achten, das macht er nur in Sonntagsreden, sondern möglichst viele Wählerstimmen bei der nächsten Wahl zu erhalten.

Vergleichsweise wenig los ist in Deutschland bei Unternehmen und Gründern, die sich mit IT und Internet beschäftigen. Ist der Zug auf diesem Sektor endgültig abgefahren?Ich denke schon. Es tummeln sich einfach schon haufenweise amerikanische Unternehmen in diesem Segment. Die gehen an die Sache unkomplizierter heran. Das hat gewiss auch etwas damit zu tun, dass man in den USA nicht automatisch als notorischer Pleitier eingestuft wird, wenn man mal scheitert – sondern als jemand, der weiß, wie man es nicht macht. Das erzeugt ein risikofreudigeres Umfeld. In Deutschland strebt dagegen immer noch ein erschreckend hoher Anteil der Schulabgänger in den Staatsdienst.

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