Selbstständige brauchen Hartz IV: Solo-Freiberufler verdienen besonders schlecht

Selbstständige brauchen Hartz IV: Solo-Freiberufler verdienen besonders schlecht

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Immer mehr Selbstständige sind nach Erkenntnissen von Arbeitsmarktforschern auf Hartz-IV angewiesen.

Von wegen reiche Selbstständige: Immer mehr Freiberufler stocken auf, um über die Runden zu kommen. Oftmals erwirtschaften Selbstständige nicht mal den Mindestlohn. Das liegt häufig an einer blauäugigen Kalkulation.

Sind Selbstständige die neuen Niedriglöhner? Schon 2010 warnten Arbeitsmarktforscher davor, dass sich viele zu blauäugig in das Abenteuer Selbstständigkeit stürzen und letztlich auf Hartz IV angewiesen sind. Weil das Konzept nicht aufgeht, die Zielgruppe nicht richtig angesprochen wird, oder nicht berechnet wurde, wie viel Umsatz auch ein junges Unternehmen abwerfen muss, um seinen Gründer zu ernähren.
Doch dann schien sich die Lage gebessert zu haben. Laut einer Umfrage, die von der US-amerikanischen Freelancers Union und dem Online-Marktplatz Upwork erstellt wurde, konnten sich 75 Prozent der Befragten in ihrem ersten Jahr als Selbstständige über ein höheres Gehalt freuen, als sie in ihrem letzten Job als Angestellter bekamen. Grund sei der Fachkräftemangel, der insbesondere in der IT-Branche dafür sorge, dass Freelancer für Projektarbeiten nicht nur gesucht, sondern auch sehr gut bezahlt würden. Hinzu kommen natürlich noch die ganzen Ärzte, Anwälte und Unternehmensberater, die deutlich besser verdienen, als eine Bäckereifachangestellte. Goldene Zeiten also für alle, die ihr eigener Herr sein wollen - und irgendetwas mit Technik können.

Und jetzt das: In Deutschland sind immer mehr Selbstständige auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. Bezogen 2007 noch 66.910 Selbstständige ergänzend Arbeitslosengeld II, waren es 2014 schon 117.904 Berechtigte, schrieben die „Ruhr Nachrichten“ . Das gehe aus der Antwort des Statistischen Bundesamtes auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervor. Besonders hart treffe es demnach Solo-Selbstständige: Den Kioskbesitzer, den Makler, den Landwirt und so weiter. Laut den Statistikern kamen diese Ich-AGler im vergangenen Jahr durchschnittlich auf 1496 Euro netto pro Monat. Selbstständige mit Angestellten kamen auf ein monatliches Nettoeinkommen von 2701 Euro, abhängig Beschäftigte auf 1553 Euro.

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Woher Startups ihr Kapital erhalten

  • Eigene Ersparnisse

    82,5 %

    Quelle: Deutscher Startup Monitor/Bundesverband Deutsche Startups, 2014

  • Familie und Freunde

    32,7 %

  • Staatliche Fördermittel

    29,1 %

  • Business Angels

    28,2 %

  • Inst. Risikokapitalgeber

    21,4 %

  • Inkubatoren

    10,9 %

  • Bankdarlehen

    10,2 %

  • Schwarmfinanzierung

    4,1 %

Auch wenn man andere Daten zur Rate zieht, zeigt sich: Anders als die US-Studie glauben macht, schwimmen Selbstständige nicht im Geld. Laut der Künstlersozialkasse, unter deren Dach sich freiberufliche Journalisten, Musiker und sonstige Kreative versichern können, verdiente der durchschnittliche Freelancer im Jahr 2012 keine 15.000 Euro brutto. Und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass ein Viertel aller Selbstständigen in Deutschland weniger als 8,50 Euro Stundenlohn bekommt.

Obwohl das Problem seit mindestens fünf Jahren bekannt ist, hat sich allerdings an den Ursachen der Gründerarmut nicht viel getan. Zum einen gibt es Gründer, die ihre Produkte und Dienstleistungen sehr günstig anbieten, um die Konkurrenz am Markt auszubooten. Prinzipiell ist das auch nicht ganz falsch. Wer noch keinen eigenen Kundenstamm hat, wird zwangsläufig auf dieses Lockmittel zurückgreifen müssen. Aber: Wer dauerhaft bei Dumpingpreisen bleibt, ist in der Regel innerhalb von zwei Jahren weg vom Markt - oder muss sich aus anderen Quellen finanzieren.

Warum Gründer im Nebenerwerb starten

  • 53,9%

    Um eine Basis für Selbstständigkeit im Vollerwerb zu schaffen.

    Quelle: KfW, Inmit/Uni Trier

  • 55,0%

    Um Geschäftsideen erproben zu können.

  • 58,1%

    Um durch Sozialversicherungen geschützt zu sein.

  • 64,8%

    Um das finanzielle Risiko zu verringern.

  • 68,1%

    Um eine Erwerbsalternative zu haben.

  • 68,6%

    Um finanziell abgesichert zu sein.

  • 70,5%

    Um Fähigkeiten zu nutzen.

Viele kalkulieren ihre Preise aber auch schlicht falsch und wundern sich, wie wenig letztlich übrig bleibt. Wer pro Stunde 8,50 Euro - also den Mindestlohn - verdienen möchte, muss Pi mal Daumen 17 Euro erwirtschaften. Das reicht aber noch nicht für die notwendigen Rücklagen für Reparaturen, weitere Anschaffungen oder als Puffer für eine Krankheitsphase. Auch eine Krankentagegeldversicherung, die private Altersvorsorge oder ein Urlaub sind hier noch nicht eingerechnet. Diese Faktoren müssen in die Kalkulation miteinbezogen werden, wenn man sich nicht langfristig den 1,1 Millionen Aufstockern anschließen möchte.

Und wer einen Laden in der Münchener Innenstadt betreibt, muss mehr erwirtschaften, als es für den gleichen Laden irgendwo auf dem Land nötig wäre.

Dass es in den ersten Jahren finanziell auch mal eng werden kann, ist zwar völlig normal, schließlich muss erst ein entsprechender Kundenstamm aufgebaut werden. Von der Hand in den Mund zu leben sollte aber nicht zum Dauerzustand werden. Wer dauerhaft aufstocken muss, um zu überleben, sollte es vielleicht doch lieber wieder als Angestellter versuchen.

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