Selbstständigkeit: Mit dem Gründergeist ist es nicht weit her

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Selbstständigkeit: Mit dem Gründergeist ist es nicht weit her

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Viele Ideen vom eigenen Unternehmen platzen in Deutschland.

Bürokratische Hürden, hohe Kosten und dann zweifelt noch das soziale Umfeld am Erfolg: In manchen Ländern haben es Gründer nicht leicht, die Idee vom eigenen Unternehmen in die Tat umzusetzen. Deutschland gehört dazu.

Glaubt man der schönen, bunten Fernsehwelt, ist Deutschland voller junger Leute mit vernünftigen bis verrückten Ideen, die neue Unternehmen gründen. Ob "Die Höhle der Löwen" auf Vox, das amerikanische Pendant "Shark Tank" oder das neue Format "Accelerator" von ProSiebenSat.1: überall werben Gründer im Fernsehen um das Geld von Investoren, um ihr junges Unternehmen auf- und auszubauen. Start-ups scheinen nur so aus dem Boden zu schießen. Und entweder geht es um Mode, Sport, Ernährung oder Apps - am besten alles zusammen.

Deutschland ist ein Mekka für junge Visionäre, so scheint es. Zumindest, wenn man keinen allzu genauen Blick auf die Statistiken wirft: Die Politik behindert Unternehmensgründungen, immer mehr Selbstständige verkalkulieren sich und brauchen letztlich Hartz IV, um zu überleben. Ein Viertel macht sich noch nicht einmal Gedanken, wie das eigene Unternehmen heißen soll und tauft sich schon im ersten Jahr um. Sollte dennoch alles gut gegangen sein, verpennen die Gründer die Suche nach einem geeigneten Nachfolger.

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Deutschland ist kein Land für Gründer

Und jetzt das: Was die Bedingungen für Gründer angeht, landet Deutschland auf Platz 41 - von 44 untersuchten Ländern. Für den Amway Entrepreneurial Spirit Index (AESI) haben das Konsumgüterunternehmen Amway und die TU München - unter anderem in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) fast 50.000 Männer und Frauen ab 14 Jahren zum Thema Selbständigkeit und Entrepreneurship befragt. Die Umfrageteilnehmer aus 44 Ländern sollten angeben, ob es in ihrem Land politisch erwünscht sei, sich selbstständig zu machen, wie einfach es sei, seine Ideen auch zu verwirklichen und wie hoch der soziale Druck auf Jungunternehmer sei. Eines der Resultate: Deutschland ist sehr weit davon entfernt, ein Paradies für Start-ups zu sein.

So ist es weltweit um den Gründergeist bestellt

  • Weltweit

    Für den Amway Entrepreneurial Spirit Index (AESI) 2015 haben das Konsumgüterunternehmen Amway und die Technische Universität München 49.775 Menschen aus 44 Ländern dazu befragt, wie erwünscht es in ihrem Heimatland ist, Unternehmen zu gründen, wie leicht es ist, sich selbstständig zu machen und wie es um die Stabilität gegen sozialen Druck bestellt ist. 100 Punkte sind zu erreichen.

    Im weltweiten Durchschnitt wird ein Wert von 51 erreicht, in Schulnoten entspräche das einer vier, was die Gründerfreundlichkeit auf unserem Planeten angeht.

  • Deutschland

    Nur in wenigen Ländern ist der Gründergeist noch schwächer ausgeprägt als in Deutschland. Mit einem Indexwert von 31 (von 100 möglichen Punkten) liegt Deutschland nur noch vor Polen, Kroatien und Japan.

    In Deutschland ist eine Unternehmensgründung für nur 26 Prozent der Befragten eine erwünschte Karriereoption. Lediglich 29 Prozent halten eine Gründung mit ihren eigenen Fähigkeiten für durchführbar. Immerhin 38 Prozent würden sich von ihrem sozialen Umfeld nicht von der Idee eines eigenen Unternehmens abbringen lassen. Auch die Generation Y in Deutschland steht kaum besser da. Zwar halten 37 Prozent der 14- bis 34-Jährigen eine Gründung für erstrebenswert, allerdings vertraut nur ein Viertel auf seine eigenen Fähigkeiten (26 Prozent).

  • Platz 10

    Türkei

    Die Türkei rutscht mit 62 Punkten noch in die Top 10 der AESI 2015 und ist damit eines der freundlichsten Länder für Gründer weltweit.

  • Platz 9

    Brasilien

    Knapp hinter der Türkei befindet sich Brasilien mit 69 Punkten. Die persönlichen und sozialen Faktoren, welche die Absichten einer Person beeinflussen, ein Unternehmen zu gründen scheinen hier deutlich über dem weltweiten Durchschnitt zu liegen.

  • Platz 8

    Slowenien

    Slowenien ist mit 70 Punkten auf Platz 8 der 44 befragten Länder - ein befriedigendes Ergebnis.

  • Platz 7

    Malaysia

    Der Staat in Südostasien belegt mit 73 Punkten Platz 7 des weltweiten Gründergeist-Rankings.

  • Platz 6

    Mexiko

    Der Gründergeist Mexikos hat sich mit 74 erreichten Punkten bis auf Platz 6 gekämpft.

  • Platz 5

    Südafrika

    74 Punkte erhielt Südafrika als Indexwert, der aus dem Durchschnitt der drei gleich gewichteten Dimensionen "Erwünschtheit", "Durchführbarkeit" und "Stabilität gegen sozialen Druck" gebildet wird.

  • Platz 4

    Vietnam

    Mit mehr als drei Viertel (77 Punkte) der erreichbaren Punkte landet Vietnam auf Rang 4 von 44.

  • Platz 3

    Thailand

    Ein nahezu ähnlicher Gründergeist besteht in Thailand. Der Staat in Südostasien bekam bei der Umfrage durchschnittlich 79 Punkte.

  • Platz 2

    China

    Kurz hinter Indien auf Platz 2 befindet sich China mit ebenfalls 79 Punkten.

    Bei Gleichheit des Wertes entscheidet die ungerundete Zahl über den Rang.

  • Platz 1

    Indien

    Mit 79 Punkten ist Indien der Spitzenreiter des AESI 2015 und hat somit den weltweit besten Gründergeist.

Nur in wenigen Ländern ist der Gründergeist noch schwächer ausgeprägt als hier: Mit einem Indexwert von 31 von 100 möglichen Punkten liegt Deutschland zwar vor Polen, Kroatien und Japan – aber deutlich hinter Spitzenreiter Indien mit 79 Punkten. Auch der weltweite (51 Punkte) und der EU-Durchschnitt (45 Punkte) sind deutlich höher.

Angst vor der Pleite

Die Gründe für die schlechte Gründerstimmung sind vielfältig: Zum einen bemängeln die rund 2000 befragten Deutschen die mangelnde Offenheit Deutschlands gegenüber Neuunternehmern. Während im vergangenen Jahr noch 50 Prozent der Meinung waren, dass Deutschland generell ein gründerfreundliches Land sei, bewerten 2015 nur noch 44 Prozent der Befragten Deutschland als gründerfreundlich. Außerdem machen sich die Deutschen Sorgen um die finanzielle Sicherheit: Knapp zwei Drittel der Befragten sagten, dass sie sich nicht selbstständig machen würden, weil sie finanzielle Belastungen bis hin zur Insolvenz fürchten.

Die größten Hemmnisse für Unternehmensgründungen

  • Zur Studie

    Fragestellung: Was glauben Sie sind die größten Hemmnisse für Unternehmensgründer in Deutschland bzw. den USA?
    Quelle: Axa Studie "Innovation und Unternehmensgründungen in Deutschland und den USA", Oktober 2014.
    Repräsentative Befragung im YouGov Panel Deutschland (1.034 Personen) und im YouGov Panel USA (1.145 Personen).

  • Platz 10

    Zu starke zeitliche Beanspruchung
    USA: 16%
    Deutschland: 17%

  • Platz 9

    Fehlende oder zu wenig Netzwerke
    Deutschland: 19%
    USA: 16%

  • Platz 8

    Zu große Verantwortung
    Deutschland: 20%
    USA: 9%

  • Platz 7

    Eingeschränkte Verdienstmöglichkeiten
    Deutschland: 20%
    USA: 19%

  • Platz 6

    Fehlende oder zu wenig Beratungsangebote
    Deutschland: 24%
    USA: 11%

  • Platz 5

    Furcht, weniger als im Angestelltenverhältnis zu verdienen
    Deutschland: 29%
    USA: 32%

  • Platz 4

    Fehlende Sicherheiten
    Deutschland: 52%
    USA: 17%

  • Platz 3

    Angst zu scheitern
    Deutschland: 54%
    USA: 40%

  • Platz 2

    Bürokratischer Aufwand
    Deutschland: 70%
    USA: 45%

  • Platz 1

    Fehlendes Kapital
    Deutschland: 72%
    USA: 58%

Ein Viertel der Deutschen verunsichert außerdem die Gefahr einer Wirtschaftskrise. "In Deutschland müssen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft mehr gemeinsame Maßnahmen entwickeln, um potenzielle Gründer zu fördern", fordert deshalb Julia Lutter-Müller, Leiterin der Studie bei Amway.

Doch es liegt nicht nur an den externen Faktoren: So gaben nämlich 78 Prozent der Befragten an, dass die Angst vor dem Scheitern ein Hindernis auf dem Weg zu einem eigenen Unternehmen sei. Diese Furcht ist in Deutschland ausgeprägter als im weltweiten (70 Prozent) und im EU-Durchschnitt (69 Prozent). Bei den 14- bis 34-Jährigen ist dies sogar noch tiefer verwurzelt. Hier sehen 84 Prozent die Angst vor dem Scheitern als ein Hindernis für eine Unternehmensgründung an.

Weitere Artikel

Und auch am Selbstvertrauen mangelt es den Deutschen: Nur 29 Prozent glauben, dass sie überhaupt fähig sind, ein Unternehmen zu gründen und zu führen. Auch die Generation Y in Deutschland steht kaum besser da. Zwar halten 37 Prozent der 14- bis 34-Jährigen eine Gründung für erstrebenswert, allerdings vertraut nur ein Viertel auf seine eigenen Fähigkeiten.

Immerhin sagen 38 Prozent, dass sie sich auch von skeptischen Kollegen und Freunden nicht von ihrer Unternehmensidee abbringen lassen würden, so sie denn eine hätten und die eigenen Ängste überwinden könnten. Tatsächlich glauben aber nur 26 Prozent der Deutschen, dass eine Unternehmensgründung für sie zumindest theoretisch in Frage kommt. Kommen dann noch Anlaufschwierigkeiten hinzu, bleiben von diesen 26 Prozent kaum noch welche übrig, die den Schritt in die Selbstständigkeit auch durchziehen.

Von denen wagt sich dann ein winzig kleiner Teil ins Fernsehen, um sich dort Anschubfinanzierungen oder Mentoren-Programme zu erkämpfen. Wenn daraus nichts wird, helfen vielleicht die fünf Minuten Fernseh-Ruhm zum erhofften Durchbruch.

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