Start-up-Experte Jeff Clavier: "Es fehlt ein europäisches Ökosystem für Gründer"

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InterviewStart-up-Experte Jeff Clavier: "Es fehlt ein europäisches Ökosystem für Gründer"

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Jeff Clavier, der Gründer von SoftTec VC

von Thomas Stölzel

Boomtown Berlin? Von wegen, meint Jeff Clavier, einer der prominentesten Wagniskapitalgeber im Silicon Valley. Wo er zurzeit investiert.

Herr Clavier, Sie sind einer der renommiertesten Wagniskapitalgeber im Silicon Valley. In welche Start-ups und Branchen, stecken Sie zurzeit Ihr Geld?

Wir schauen uns 450 bis 700 Startups im Quartal an, etwa in den üblichen Bereichen Cloud-Computing, Mobile, Marktplatz und Wearables. Darunter sind aber auch solche, die an kommerziellen Drohnen arbeiten, virtueller Realität, 3D-Druck und Robotik. Ich verbringe viel Zeit damit, die echten Perlen zu finden. Digitale Gesundheitsprodukte sind da aktuell ein großes Thema.

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Wie groß?

Gigantisch! Eine Zahl: 2015 werden allein in den USA vier Billionen Dollar im Gesundheitssystem ausgegeben. Das sind 4000 Milliarden! Eine verrückte Summe. Jedes Unternehmen, dass da Einfluss entwickelt, hat enormes Wachstumspotenzial. Barack Obamas gesetzliche Krankenversicherung bringt zudem so viele neue Patienten hervor, dass das Gesundheitssystem um Effizienz-Maßnahmen nicht herumkommen wird. Da gibt es tonnenweise Chancen.

Zur Person

  • Jeff Clavier

    Clavier ist Gründer der Wagniskapitalfirma SoftTech VC, einer der alteingesessensten Seed-Finanziers im Silicon Valley. Seit 2004 hat er in mehr als 150 Unternehmen investiert und inzwischen viele davon an Konzerne wie Google, Ebay und Facebook verkauft. Namhafte Investments hat der Franzose zurzeit etwa in das bekannte Wearable-Startup Fitbit und den Online-Ticket-Marktplatz Eventbrite. Sein Fonds ist aktuell 85 Millionen Dollar schwer.

Wie wählen Sie aus, in welches Unternehmen Sie investieren?

Wir wissen ja nicht genau, wonach wir schauen. Wir entscheiden: Das, das und das wollen wir nicht. Und irgendwann kommt ein Start-up vorbei, das unsere Fantasie anregt.

Google-Ventures-Partner Kevin Rose hat gerade erst beklagt, dass zurzeit viele Start-ups in den USA zu teuer seien. Das mache es schwer, zu investieren. Teilen Sie die Ansicht?

Als ich SoftTec VC vor zehn Jahren gestartet habe, gab es dort eine paar zehn Millionen Dollar Businessangel-Kapital im Markt. Heute sind es drei bis fünf Milliarden Dollar. Und da spreche ich noch nicht einmal Crowdfunding an. Das alles hat das Nachfrage-Angebots-Verhältnis verschoben. Heutige Gründer setzen zum Teil lächerliche Bewertungen an. Früher hätten wir gesagt: Und tschüss. Heute sagen wir: Mist, okay! Denn es stehen noch zehn andere Venture Capitalisten in der Reihe hinter uns, die darauf eingehen würden. Wir haben deshalb schon Seed-Investments zu Bewertungen von 20 Millionen Dollar gemacht. Und das geht schon in Ordnung. 2003 hatte ich einen Deal mit LinkedIn ausgeschlagen, weil mir die Bewertung von zehn Millionen Dollar zu hoch war. Das war ein Fehler. 100.000 Dollar in der damaligen Finanzierungsrund wären heute 200 Millionen wert.

Wahl des Unternehmensstandorts Das sind die besten Städte für Gründer

Berlin oder München, Hamburg oder Köln: Die Wahl des Standorts ist entscheidend für den Erfolg junger Gründer. Welche Unternehmen wo am besten aufgehoben sind. Und wie die Städte um die Start-up-Szene buhlen.

Quelle: Dominik Pietsch für WirtschaftsWoche

Vergangenes Jahr haben Sie die französische Regierung scharf dafür kritisiert, dass diese Start-ups wie den Taxi-Konkurrenten Uber ausbremst. Inzwischen hat Uber allerorts in Europa und den USA Ärger. Hat sich Ihre Meinung geändert?

Nein. Aber die Sharing-Economy-Firmen haben in den vergangenen zwölf Monaten einfach massiv zugelegt – im Wert, in der finanziellen Ausstattung und beim Umsatz. Die Sharing Economy ist jetzt nicht mehr nur eine Idee, sie ist Wirklichkeit. Das hat natürlich Auswirkungen. Uber allein wird im nächsten Jahr eine Million Menschen beschäftigen. Zum Vergleich: Wal-Mart beschäftigt in den USA eine Million Menschen.

Was heißt das für diese Unternehmen?

Uber hat entschieden, lieber im Nachhinein um Verzeihung zu bitten als zuvor um Erlaubnis. Das Unternehmen verhält sich wie ein Flegel, versucht, einen offenen Markt zu erzwingen. Doch auf dem Papier ist Uber inzwischen 41 Milliarden Dollar wert, das ist mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen in den USA. Das bedeutet, Uber muss jetzt endlich erwachsen werden, sich mit den Behörden zusammensetzen und verhandeln. Die letzten Tage haben das besonders gut gezeigt. Uber wurde von der Stadt San Francisco verklagt, von der Stadt Los Angeles, von der Stadt Portland. Und in Indien wurde Uber verboten. Das ist der perfekte Sturm. 

Woher Startups ihr Kapital erhalten

  • Eigene Ersparnisse

    82,5 %

    Quelle: Deutscher Startup Monitor/Bundesverband Deutsche Startups, 2014

  • Familie und Freunde

    32,7 %

  • Staatliche Fördermittel

    29,1 %

  • Business Angels

    28,2 %

  • Inst. Risikokapitalgeber

    21,4 %

  • Inkubatoren

    10,9 %

  • Bankdarlehen

    10,2 %

  • Schwarmfinanzierung

    4,1 %

Gibt es Unternehmen, die das besser machen?

Ja, der Couchsurfing-Anbieter Airbnb ist da ganz anders. Die haben sich mit den Städten an einen Tisch gesetzt und versucht, die Regulierung weiter zu entwickeln. Die Jungs haben verstanden, dass Steuern bezahlt werden müssen, und einen auf nett gemacht. Und sie haben verstanden, dass wenn sie zu einer extrem hohen Bewertung Kapital aufnehmen, sie eine Verantwortung gegenüber den Investoren haben. 

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