Start-up-Inkubatoren: Bei den Konzernen grassiert das Gründerfieber

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Start-up-Inkubatoren: Bei den Konzernen grassiert das Gründerfieber

von Nora Jakob und Oliver Voß

Jung und wild trifft alt und erfahren: Wollen Konzerne modern sein, kooperieren sie mit Start-ups. Das ist grundsätzlich gut – bringt aber längst nicht immer die erhofften Ergebnisse. Die Gründer gucken oft in die Röhre.

Zumindest die Einstellung stimmt schon mal. Nichts weniger als „die baden-württembergische Antwort auf das kalifornische Silicon Valley“ plant der Autokonzern Daimler derzeit in Stuttgart. „Weil eine gute Idee allein leider nicht automatisch zum Erfolg führt, wollen wir den Gründern das nötige Umfeld bieten“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Dazu baut der Konzern gemeinsam mit der Universität Stuttgart und dem renommierten US-Accelerator Plug and Play die „Startup Autobahn“. „Der Gründerspirit steht dem im Silicon Valley in nichts nach“, befand Plug-and-Play-CEO Saeed Amidi bei einem Besuch im Juli. Die ersten 13 Jungunternehmen haben bereits losgelegt, noch sind sie allerdings in der Stuttgarter Universität untergebracht. Ein eigenes, 10.000 Quadratmeter großes Gebäude namens Arena2036 ist noch im Bau. Es passt zur Start-up-Attitüde, schon anzufangen, wenn noch nicht alles fertig ist, auch wenn Daimler eher der Nachzügler in Sachen Start-up-Initiative in der Konzernwelt ist.

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Unternehmen wie die Deutsche Telekom, ProSiebenSat.1 oder Axel Springer betreiben schon seit Jahren Accelerator- und Inkubatorprogramme.

Inkubatoren als PR-Show Warum Konzerne als Gründungshelfer oft scheitern

Viele Konzerne betreiben mittlerweile eigene Firmenbrutkästen. Doch was theoretisch gut klingt, leidet in der Praxis oft unter unlösbaren Interessenkonflikten.

Viele Konzerne betreiben mittlerweile eigene Firmenbrutkästen. Quelle: Getty Images

In diesen Brutkästen sollen neue Geschäftsideen in kurzer Zeit mit dem Geld und der Unterstützung großer Konzerne zur Marktreife gebracht werden. Diese erhalten im Gegenzug oft eine Beteiligung an den Start-ups im einstelligen Prozentbereich und bekommen dafür Zugriff auf Innovationen.

Bislang ohne große Erfolge

Zwar sind die Geburtshelfer umstritten, große Erfolge sind daraus bislang nicht hervorgegangen. Einige Unternehmen haben ihre Aktivitäten deutlich zurückgefahren, Inkubatoren wie Epic Companies von ProSiebenSat.1 oder Bevation von Bertelsmann machten zu. Aber das sind Ausnahmen, die eine Regel bestätigen: In der deutschen Industrie grassiert das Gründerfieber.

Neben Daimler haben auch die Deutsche Bahn, Metro, Merck und Siemens seit Anfang 2015 solche Brutkästen eröffnet. Die Allianz taufte ihren Accelerator kürzlich in Allianz X um und warb von der Deutschen Telekom den in der Szene bekannten Manager Peter Borchers ab. Er hatte in Berlin mit dem Hub:raum einen der ersten und bekanntesten Inkubatoren aufgebaut. Die Versicherung gönnt ihm nun jährlich ein zweistelliges Millionenbudget.

Deutsche Inkubatoren für Startups

  • Bayer: CoLaborator

    Im Inkubator CoLaborator können sich sechs Start-ups einmieten. Nur im Accelerator-Programm gibt Bayer Geld und erhält dafür ein Recht auf Anteile.

    Geld für Startups: 50.000 Euro

    Firmenanteile für Bayer: Verhandelbar

  • Axel Springer: Plug & Play

    In das Accelerator-Programm werden drei Mal pro Jahr bis zu zehn Start-ups aufgenommen.

    Geld für Startups: 25.000 Euro

    Firmenanteile für Springer: 5 Prozent

    geförderte Startups bisher: 26

  • Deutsche Telekom: Hub:raum

    Die Telekom fördert in ihrem Inkubator Hub:raum bis zu zehn Startups. Im Accelerator-Programm gibt es kein Geld und keine Anteile Geld für Start-ups bis 300.000 Euro.

    Firmenanteile für Telekom: 10 bis 15 Prozent

    geförderte Startups bisher: 42

Andere gehen sogar noch weiter. Siemens will in den kommenden fünf Jahren mit der Tochter next47 eine Milliarde Euro in Start-ups stecken. Bahn-Chef Rüdiger Grube möchte die Beteiligungen mit einem eigenen Start-up-Fonds ausweiten, Porsche gründete eine neue Digitaltochter und gab im Juli die erste Beteiligung an einem Start-up bekannt: Evopark aus Köln bietet eine App an, mit der Parkhäuser ohne Münzen und Parkscheine genutzt werden können.

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