Start-ups lieben Hamburg: Technologieunternehmen gehen nach Norden.

Start-ups in Deutschland: Immer mehr Gründer zieht es nach Hamburg

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Hamburg gewinnt als Standort für Start-ups an Bedeutung.

Berlin ist Deutschlands Start-up-Hochburg: gute Infrastruktur, günstige Mieten. Doch jetzt holt Hamburg auf: Zumindest bei den Tech-Start-ups liegt die Hansestadt klar vorne - sogar vor Berlin.

Hamburg liegt einer Umfrage zufolge als Standort für Start-ups im Trend. Die Hansestadt wird nach Einschätzung von Gründern junger Technologieunternehmen an Bedeutung gewinnen, wie aus einer Studie des Wirtschaftsprüfungsunternehmens PricewaterhouseCoopers (PwC) hervorgeht, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Im Ranking von neun Städten schneidet Hamburg mit 74 Prozent am besten ab. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Berlin und Frankfurt.

Am unteren Ende der Skala rangieren den Angaben zufolge Stuttgart, Dresden und Karlsruhe. Hier glauben nur etwa die Hälfte oder weniger der 450 befragten Start-up-Gründer an einen Bedeutungszuwachs. München, Köln und Düsseldorf liegen im Mittelfeld. Zugrunde gelegt wurde bei der Standort-Auswahl der European Digital City Index, in dem die neun deutschen Städte aufgeführt sind.

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Gründe für die Einschätzung wurden nicht genannt. Hamburg ist unter anderem ein Standort von Medien und Handelsunternehmen. Mehr als die Hälfte der Befragten ist in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik tätig, gefolgt vom E-Commerce (25 Prozent).

Start-up-Ökosystem 2017: So sieht der Markt in Deutschland aus Sicht von Start-ups, Gründern und Investoren aus

  • Finanzierung und Anreize

    EXIST-Gründerstipendium, KfW-Förderung, Industrie 4.0 Plattform, Digital Hub Initiative
    366 „early stage“-Investments
    Investmentvolumen 2016: USD 967 Mio.
    5 Unicorns

    Quelle: Deutsche Börse und EY (Ernst & Young)

  • Infrastruktur

    Mietkosten: Berlin Ø 16,80 Dollar pro Quadratmeter
    Frankfurt Ø 21,10 Dollar pro Quadratmeter
    Leerstandsquote: Berlin 4 Prozent, Frankfurt 11 Prozent

  • Arbeitskräfte

    5,2 Universitäten auf 1 Million Einwohner - 0,565 Professoren auf 1000 Einwohner
    12,7 Prozent der Bevölkerung mit höherem Bildungsabschluss
    465 Patente von Universitäten genehmigt (2015)
    EU Blaue Karte erleichtert Arbeitserlaubnis nach Universitätsabschluss

  • Unternehmertum

    2015 wurden 763.000 Unternehmen gegründet, 0,0093 Unternehmen pro Kopf
    Scheitern nicht akzeptiert

  • Verwaltung & Bürokratie

    Gründung meist als GmbH oder UG (keine Genehmigung notwendig)
    Gesetzlich vorgeschriebene Buchführungspflicht
    Pflicht zur Aufstellung eines Jahresabschlusses und der Veröffentlichung im Bundesanzeiger
    Für kleine Unternehmen gelten Entlastungsregelungen bei oben genannten Punkten

  • Unternehmensbesteuerung

    Hoher administrativer Aufwand (Melde- und Abgabepflichten auch für Start-ups)
    Körperschaftsteuer: 15 Prozent + 5,5 Prozent Soli = 15,825 Prozent
    Gewerbesteuer: ≈ 15 Prozent (lokale Unterschiede)

  • Forschungs- und Enwicklungsaufwendungen

    Keine spezielle Regelung. In der Regel sofort abziehbar in Höhe der angefallenen Aufwendungen, soweit nicht zu aktivieren (keine Aktivierung selbstgeschaffener Wirtschaftsgüter)

  • Verlustvortrag

    Bis zu einer Million Euro komplett, der eine Million Euro übersteigende Betrag wird zu 60 Prozent des Verlustvortrags verrechnet werden; (zeitlich unbeschränkt)

    Begrenzter körperschaftsteuerlicher Rücktrag des Verlustes ins Vorjahr möglich
    Verlusterhalt u.a. bei stillen Reserven grds. möglich
    Steuerneutrale Umwandlungen ohne Aufdeckung der stillen Reserven grds. möglich

  • Dividendenzahlungen

    25 Prozent Kapitalertragsteuer + Soli. 5,5 Prozent = 26,375 Prozent zu versteuern. (Im Inlandsfall lediglich Timing/Cash-Effekt, im Auslandsfall (Teil-)Freistellung/Erstattung auf Antrag möglich)

  • Besteuerung Kapitalerträge

    Natürliche Personen: Beteiligungsanteil < 1 Prozent Kapitalertragsteuer besitzt abgeltende Wirkung.
    Beteiligungsanteil mindestens 1 Prozent (Veräußerungsgewinne)
    Juristische Personen: Veräußerungsgewinne & Dividenden steuerfrei, 5 Prozent = nicht abzugsfähige Betriebsausgabe
    Teileinkünfteverfahren auf den Carried Interest bei Investitionen von VC / Private Equity Fonds (wenn immaterielle Werte eingebracht werden)

  • Investitionsanreiz

    Förderprogramm INVEST: Nicht rückzahlbarer steuerfreier Erwerbszuschuss i.H.v. 20 Prozent der Kapitalbeteiligung (wenn Bedingungen erfüllt)

  • Unterstützung bei der Gründung

    Beratungsdienst durch IHK eingerichtet

  • Kosten für Gründung

    GmbH: Gründungskapital 25.000€ + zusätzliche Kosten
    AG: Gründungskapital 50.000€ + zusätzliche Kosten

  • Arbeitnehmerschutz

    Betriebsrat ab 5 Arbeitnehmern & 3 wählbaren Arbeitnehmern möglich
    Kündigungsschutz mit > 5 Arbeitnehmern und Zugehörigkeit länger als 6 Monate
    Ungleichbehandlung von Menschen nicht erlaubt, Quoten greifen für Startups nicht

  • Datenschutzrecht

    sehr komplex und streng
    Unternehmen mit > 9 Beschäftigten sind zur Bestellung eines
    Datenschutzbeauftragten verpflichtet
    Hohe Strafen bei Verletzung der Datenschutzrechte

Grundsätzlich siedelten sich Start-ups in der Regel in größeren Städten mit einer guten Infrastruktur an, erläuterte PwC-Experte Philipp Medrow. „Insbesondere in ländlichen Regionen gibt es dagegen noch viel Nachholbedarf - allem voran beim Breitbandausbau.“

Das größte volkswirtschaftliche Risiko für ihr eigenes Geschäftsmodell sehen die meisten Start-up-Gründer - wie bei der Umfrage im Vorjahr - im Fachkräftemangel (29 Prozent). Auf Platz zwei folgt die Schuldenkrise in Europa (26 Prozent) und auf Rang drei das Thema „Strengere Vorgaben beim Datenschutz“.

Fast die Hälfte der Befragten schätzt das Risiko, selbst Opfer eines Cyber-Angriffes zu werden, als hoch ein. Rund jedes siebte Unternehmen war in den vergangenen drei Jahren demnach schon mindestens einmal Ziel einer Attacke. Als Maßnahmen zur Verbesserung der eigene IT-Sicherheit stehen Schulungen zur Informationssicherheit und entsprechende Investitionen in den kommenden zwölf Monaten ganz oben auf der Agenda.

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