Start-Ups: So bleiben Sie auch in Wachstumsphasen Herr der Lage

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GastbeitragStart-Ups: So bleiben Sie auch in Wachstumsphasen Herr der Lage

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Rainer Brang ist Erfinder des hörberts und Geschäftsführer der Winzki GmbH & Co. KG.

Auch Start-Ups kommen irgendwann an den Punkt, an dem sie erwachsen werden müssen. Hohe Auftragsvolumen sorgen für mehr Personalbedarf und plötzlich entwickeln sich Hierarchien. Clevere Gründer geben jetzt Kontrolle ab.

In jeder Gründerbrust schlagen drei Herzen – das der Fachkraft, das des Managers und das des Unternehmers. 2011 startete das Unternehmen Winzki in Frickenhausen bei Nürtingen als One-Man-Show. Die Idee: Ein nachhaltiger MP3-Player für Kinder unter der Marke Hörbert. Die nötigen Informationen, Lieferanten und Abnehmer waren gefunden. Die Stückzahlen stiegen. Und bald war es unmöglich, alle Aufgaben allein zu bewältigen. Aus dem Start-Up entwickelte sich ein Unternehmen. Und das kann sich nur dann weiter entwickeln, wenn der Gründer es zum Teil aus der Hand gibt.

Sechs Jahre nach der Gründung arbeiten 17 Menschen an Hörbert. Entscheidungen, die beispielsweise Produktion, Kundenbetreuung oder Versand angehen, treffen die jeweils betroffenen Mitarbeiter selbstständig. Das erfordert engagierte Mitarbeiter - genauso wie das Loslassen des Chefs.

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Gründer-Angst: Kontrolle verlieren

Denn mit zunehmender Größe wird es schwieriger, alle Gründerherzen zufrieden zu stellen. Jeden Tag vernachlässigt der Gründer mindestens eine der drei Rollen. Spätestens dann muss er sich entscheiden: Fachkraft, Manager oder Unternehmer?

  • Die Fachkraft arbeitet weiterhin am Produkt oder Vertrieb, überlässt dafür die Führung und Ausrichtung der Firma anderen Personen.

  • Wer sich für die Rolle des Managers entscheidet, koordiniert das Tagesgeschäft, führt Mitarbeiter und trifft kurz- bis mittelfristige Entscheidungen.

  • Anders der Unternehmer. Seine Aufgabe ist es, das Unternehmen permanent weiterzuentwickeln, sich an langfristige Fragenstellungen heranzuwagen. Das Tagesgeschäft überlässt er seinen Mitarbeitern.

Welche Rolle passt, muss jeder selbst herausfinden. Ein Prozess, der Zeit braucht und oft schmerzhaft ist. Denn viele Gründer haben Angst davor, die Kontrolle über ihr „Baby“ zu verlieren. Aber nur wer Verantwortung abgibt, wird Erfolg haben – und den Überblick behalten. Studien zufolge wünschen sich mehr als die Hälfte der deutschen Angestellten mehr Verantwortung. Drei Viertel der Befragten sind sich sicher, entscheidend zum Erfolg ihres Arbeitgebers beitragen zu können. Also lassen wir sie!

Mitarbeiter sind die besseren Manager

Der ein oder andere Gründer mag die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Doch die Erfahrung und zahlreiche Erhebungen zeigen, dass Mitarbeiter innerhalb ihres Arbeitsbereichs meist bessere Entscheidungen fällen als Manager oder Vorstände. Handeln Teams eigenverantwortlich, setzen sie beispielsweise prozessoptimierende Maßnahmen schneller um. Innovative Ideen müssen nicht durch zahllose Instanzen, bei denen oftmals kaum Fachkenntnis über die Problemstellung des jeweiligen Bereichs besteht. Entschieden wird fachlich, nicht politisch. Meist reicht es aus, wenn kein triftiger Grund gegen den Verbesserungsvorschlag spricht.

Agiles Management oder Selbstverwaltung sind Konzepte, die in Fachkreisen hoch gehandelt werden. Selbstverwaltende Unternehmen ersetzen dabei pyramidenförmige Hierarchien komplett. Managementaufgaben verwandeln sich in Prozesse. Hilfsfunktionen wie firmenweites internes Controlling entfallen, da sich die Teams selbst kontrollieren und auch längerfristige Investitionen untereinander koordinieren. Der Unternehmer fungiert wie alle anderen Mitarbeiter als Berater. Er beschäftigt sich nicht mit den Problemen von Morgen sondern mit denen der nächsten Jahre.

Führungskultur in Start-ups So finden Gründer den richtigen Führungsstil

Wer ein Unternehmen gründet, muss sich nicht mit verkrusteten Hierarchien herum schlagen. Da bietet es sich an, gleich mit agilen Methoden zu starten. Ein bisschen Hierarchie kann allerdings nie schaden.

Start-ups haben große Chancen, Vorteile verschiedener Managementmethoden von Anfang an zu kombinieren. Quelle: Fotolia

So gibt es in selbstverwaltenden Unternehmen keine wöchentlichen Reportings an den Chef. Das Beschaffungsteam entscheidet selbst, welcher neue Lieferant am besten passt und hat die volle Entscheidungsbefugnis. Die Logik dahinter ist einfach: Niemand hat mehr Interesse an einer funktionierenden Geschäftsbeziehung, als diejenigen, die sich ansonsten mit den Konsequenzen rumschlagen müssen. Der Unternehmer kommt nur ins Spiel, wenn Führungsfragen aufkommen oder neue Prozesse definiert werden müssen. Letztlich entscheiden aber die Mitarbeiter, wann und mit wem Gespräche notwendig sind.

Viele Köpfe haben mehr Ideen

Dass Selbstverwaltung nicht in jedem Betrieb funktioniert, ist klar. Ebenso, dass es die eine perfekte Organisationsstruktur nicht gibt. Doch hat der Gründer seine Rolle gefunden und ist er bereit seinem Team Verantwortung zu übertragen, entwickelt sich der Rest von selbst. Stets Herr der Lage bleiben zu wollen, ist ohnehin nicht mehr als ein Wunschtraum. Letztendlich gehört auch Vertrauen zum Unternehmertum. Vertrauen, dass die richtigen Leute in der richtigen Umgebung ihr volles Potential entfalten. Vertrauen, dass viele Köpfe mehr Ideen haben als einer. Und Vertrauen, dass Fehler – auch die von anderen - niemals grundlos passieren, sondern dazu da sind, aus ihnen zu lernen.

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