Startups: Die Serientäter

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Gerrit Schumann

Sie gründen eine Firma nach der anderen – meist, um sie danach mit hohem Gewinn wieder zu verkaufen. Was die Mehrfachgründer mit Alkoholikern gemein haben und warum ihr Erfolgsmodell kein Hexenwerk ist, sondern oft nur eine freche Strategie.

Die besten Ideen hat Gerrit Schumann, wenn er sich entspannt. Zum Beispiel am Strand. Das dachte er auch, als er im Alter von 31 Jahren versuchte, auf Mallorca das Leben eines Neureichen zu führen. Doch es ging nicht.

Erst ein Jahr zuvor hatte der Jungunternehmer den großen Coup seines Lebens gelandet, binnen kurzer Zeit das Startup Element 5 gegründet, hochgezogen und dann verkauft. Das Unternehmen bietet eine Plattform, um Computerprogramme über das Internet zu versenden. Eine Marktlücke mit reichlich Potenzial. Das sah auch der amerikanische Konzern Digital River so, der Schumann im April 2004 das Unternehmen für 120 Millionen Dollar abkaufte.

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Nicht vom Tellerwäscher, sondern vom Tüftler zum Multimillionär in wenigen Monaten – das ist der amerikanische Traum 2.0, den inzwischen so einige Startup-Unternehmer auch hierzulande träumen.

Doch was kommt danach? Wird aus dem Traum Realität, sind die wenigsten damit zufrieden. Weder am mallorquinischen Strand noch im neuen Penthouse oder schicken Designer-Loft.

Auch an Schumann nagte der Zweifel: War das jetzt nur Glück, oder kann ich das auch ein zweites Mal schaffen?

Heute sagt er von sich, er sei damals wie ein Junkie gewesen: Ihm fehlte „das Adrenalin, das Risiko“. Also nahm er etwas Spielgeld von seinem Konto und gründete ein zweites Mal.

Damit gehört der Unternehmer zu einer Gattung, die es in den USA schon seit Jahrzehnten gibt und die inzwischen auch in Deutschland wächst und gedeiht: die Zunft der Serienunternehmer.

Blaue und rote Ozeane

Angetrieben von ihrem Ehrgeiz, vom sprichwörtlichen „Kick“, der Aussicht auf das schnelle Geld und zuweilen einigen Selbstzweifeln gründen sie eine Firma nach der anderen – meist, um sie schon nach kurzer Zeit mit hohem Gewinn wieder abzustoßen.

Dabei räumen sie zugleich mit der Vorstellung auf, erfolgreiches Gründen sei vor allem eine Frage des Glücks, des zufällig richtig gewählten Zeitpunktes – ein One-Hit-Wonder.

Doch das stimmt eben nicht. Mit guten Ideen, einem gehörigen Quäntchen Chuzpe und einer handvoll simpler Grundsätze kann man mehr als nur einmal unternehmerischen Erfolg haben, sagen zahlreiche Gründerforscher.

Leichter gesagt, als getan. Wie kann es dann aber sein, dass Serienunternehmer immer wieder gute Einfälle haben, während es den meisten schon schwerfällt, nur ein einziges, tragfähiges Geschäftsmodell auf die Beine zu stellen?

„Dahinter steckt kein Hexenwerk“, sagt Peter Englisch, Gründungsberater bei Ernst & Young. Er ist überzeugt: „Das lässt sich genauso gut systematisch angehen.“

Seiner Ansicht nach richten sich die meisten Serienunternehmer – bewusst oder unbewusst – nach einer Reihe von Grundsätzen, die schon die Wissenschaftler Chan Kim und Renée Mauborgne in ihrem Buch „Blue Ocean Strategy“ zusammengefasst haben.

Im Mittelpunkt ihrer Überlegungen steht eine Metapher: Demnach besteht die Wirtschaft aus blauen und roten Ozeanen. Die roten sind überfüllt, in ihnen herrscht harter Konkurrenzkampf. Der Wettbewerb färbt ihr Wasser blutig. Die blauen dagegen sind noch nicht erschlossen, ihr Wasser ist frisch und blau. Junge Unternehmer können sich darin tummeln, ohne von der Konkurrenz sofort verjagt oder gefressen zu werden.

„Serienunternehmer sind besonders gut darin, blaue Ozeane zu entdecken und Märkte zu identifizieren, auf denen kein starker Wettbewerb herrscht – manchmal nur, indem sie Lücken in bestehenden Angeboten entdecken“, sagt Englisch.

Doch wie gehen sie dabei vor? Drei Grundsätze lassen sich in Anlehnung an Kim und Mauborgne formulieren:

• Erstens: Die meisten Serienunternehmer bauen auf bereits bestehende Technologien auf und finden einen anderen Weg, sie zu nutzen. Nur selten entwickeln sie etwas völlig Neues. Häufiger besteht ihr Geschäftsmodell gerade darin, erfolgreiche Konzepte aus dem Ausland zu kopieren.

• Zweitens: Sie konzentrieren sich auf Nischen, gehen also nicht in Märkte, die bereits durch viele Anbieter und starken Wettbewerb geprägt sind. Nischen finden sie, indem sie zum Beispiel überlegen: Welche Angebote gibt es woanders auf der Welt? Könnte es auch hier eine entsprechende Nachfrage geben?

• Drittens: Bei jeder ihrer Gründungen bleiben sie auf bekanntem Terrain. Heißt: Wer einmal ein Internet oder Biotechnologie-Startup gestartet hat, bleibt auch beim zweiten Mal seiner Branche treu.

Zu den prominentesten deutschen Beispielen dieses Prinzips gehören die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer – obgleich sie heute kaum noch operativ tätig sind. Damals gründeten sie einen deutschen Klon des Online-Auktionshauses Ebay – und verkauften Alando binnen eines Jahres an das Original. Danach riefen sie den Klingeltonriesen Jamba ins Leben und hatten ebenso beim Facebook-Klon StudiVZ ihre Finger mit im Spiel. Erst kürzlich verkauften sie ein detailgenaues Abbild der US-Firma Groupon, die im Internet Rabattgutscheine für Restaurants, Fußballspiele und Wellnessclubs verbreitet, an das amerikanische Vorbild.

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