Startups: Wie Gründer junge Fachkräfte gewinnen

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Startups: Wie Gründer junge Fachkräfte gewinnen

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Ivo Betke hat in Berlin das Startup Webcrowd gegründet, das andere junge Unternehmen mit IT-Profis versorgt. Jeden zweiten Entwickler rekrutiert er inzwischen in Ost- und Südosteuropa – etwa in Griechenland oder in der Ukraine. nenad Simic lobt Betke als "Garant für gute Jobs", in denen das Gehalt stimme und er zudem dazulernen und selbstbestimmt arbeiten könne

von Jens Tönnesmann

Fachkräfte wie Entwickler, Programmierer und Ingenieure sind essenziell für den Erfolg junger Unternehmen. Um sie zu finden und zu binden, müssen Gründer nicht unbedingt viel Geld in die Hand nehmen – manchmal hilft auch ein gutes Frühstück.

Wenn Nenad Simic von seiner Karriere erzählt, fällt früher oder später der Begriff Odyssee. Seinen Plan, als Musiker Geld zu verdienen, hatte er schon vor Jahren aufgegeben – weil er davon kaum leben konnte. Auch sein vor drei Jahren gegründetes Start-up beerdigte der Mathematiker bald wieder – ihm fehlte das nötige Businesswissen.

Stattdessen konzentriert sich der 36-Jährige heute auf das, was er am besten kann: Er programmiert Apps für Smartphones und Tablet-PCs. Damit verdient er mehr als mancher Arzt oder Rechtsanwalt. Permanent erhält er neue Jobangebote und wechselt seine Stellen wie andere Menschen ihr Outfit.

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Allein in den vergangenen drei Jahren hat er bei einer Handvoll Berliner Internet-Start-ups gearbeitet. Nicht er muss die Probezeit überstehen – sondern sein Arbeitgeber. „Wenn das Unternehmen schwächelt“, sagt Simic, „dann ist es an der Zeit, sich wieder umzuschauen.“

Gründer "Deutschland braucht mehr Gründer mit Mut!"

Die deutsche Startup-Szene blüht und zwar nicht nur in Berlin. Doch Fachkräftemangel und die fehlende Kultur des Scheiterns machen es jungen Gründern in Deutschland nicht einfach.

Nicht nur in Berlin, auch im Rheinland können Startups erfolgreich werden Quelle: dpa

Fachkräfte wie Nenad Simic sind knapp und begehrt, sie können sich ihre Jobs aussuchen. Ohne sie geht in Internet-Unternehmen nichts. Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsberatung EY klagt jedes dritte Start-up in der Gründungsphase über Fachkräftemangel; unter den etablierten ist es sogar jedes zweite.

Eine Umfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov hat ergeben, dass jedes fünfte deutsche IT-Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren Aufträge ablehnen musste, weil Fachkräfte fehlten. Der Branchenverband Bitkom meldete bereits vor zwei Jahren, dass der Fachkräftemangel die IT-Branche rund elf Milliarden Euro jährlich koste, und zählte Ende 2013 rund 39.000 unbesetzte Stellen für IT-Experten.

Was Startups tun, um Fachkräfte zu finden und zu binden Quelle: EY Start-up Barometer Deutschland 2014

Was Startups tun, um Fachkräfte zu finden und zu binden (Klicken Sie für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik)

Bild: EY Start-up Barometer Deutschland 2014

„Der Mangel an Fachkräften ist für das ganze Start-up-Ökosystem ein großes Problem“, sagt Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Start-ups. Auch der Beirat Junge Digitale Wirtschaft beim Bundeswirtschaftsministerium ist alarmiert und fordert, mehr Fachkräfte auszubilden – damit der Mangel an Spezialisten nicht zum größten Standortnachteil im Zeitalter der Digitalisierung wird.

Denn das Problem kann nicht nur Start-ups den Garaus machen, bevor sie richtig loslegen. Es bremst auch wachsende Unternehmer aus. Robert Freudenreich und Andrea Pfundmeier etwa, die 2013 den WirtschaftsWoche-Gründerpreis gewonnen haben. Ihnen wurde jetzt ein Entwickler gezielt abgeworben – im Kampf um Talente keine Seltenheit.

Und selbst etablierte und erfolgreiche Unternehmen leiden unter dem Mangel, wie Malte Siewert bestätigen kann: Er hat 2005 in Düsseldorf Trivago gegründet – ein Internet-Portal für die Suche nach den besten und günstigsten Hotels. Seitdem ging es für das Unternehmen kontinuierlich bergauf: Trivago setzte allein 2012 rund 100 Millionen Euro um und machte acht Millionen Euro Gewinn.

Rund 60 IT-Experten hat Siewert derzeit an Bord, 14 weitere würde er sofort einstellen – wenn er denn geeignete Kandidaten hätte. „Zu keinem Zeitpunkt seit unserer Gründung hatten wir genug Entwickler“, sagt Siewert, „manche Projekte haben deswegen eineinhalb Jahre länger gedauert als geplant.“

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