Stefan Glänzer : "Man muss direkt von Tag eins an global denken"

Stefan Glänzer : "Man muss direkt von Tag eins an global denken"

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Stefan Glänzer

von Jochen Mai und Michael Kroker

Der Investor und Business-Angel Stefan Glänzer über mutlose Europäer, Berlins neuen Gründergeist und das Paradox des zu großen deutschen Marktes.

WirtschaftsWoche: Herr Glänzer, Sie fordern eine stärkere Gründerszene für Europa, warum?

Glänzer: Für unsere Wirtschaft ist es unverzichtbar ein gesundes Ökosystem zu schaffen, in dem nachhaltige und erfolgreiche neue Unternehmen entstehen. Vor allem solche, bei denen die Gründer keine Ambitionen haben, möglichst schnell eine lukrative Exit-Strategie zu finden und das Unternehmen gleich wieder zu verkaufen – womöglich sogar an einen amerikanischen Konzern. Meine Kinder verdienen etwas anderes, als eine rein amerikanisch geprägte Medienlandschaft. Das treibt mich wirklich an.

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Das hört sich aber sehr patriotisch an. Warum gibt es denn keine deutschen oder europäischen Googles, Facebooks, Twitters?

Das ist dieselbe Frage wie: Warum gibt es keinen amerikanischen Fußballweltmeister? Die Amerikaner haben erst vor wenigen Jahren damit angefangen, sich für Soccer – wie der Fußball dort heißt – zu interessieren. Und wir haben hierzulande erst 1994 damit begonnen, das Internet als Wirtschaftsraum zu entdecken. Im Silicon Valley haben die großen High-Tech-Investments jedoch schon in den Sechzigerjahren begonnen. Dabei wurden bereits große Werte geschaffen, die zum Großteil wieder in neue Startups zurückgeflossen sind. Die Gründerszene dort ist heute in der siebten oder achten Generation. Bei uns dagegen sind in der ersten Welle noch viel zu kleine Werte entstanden, und seit dem Platzen der Dotcom-Blase ist davon auch nur wenig wieder in junge Startups investiert worden.

Und die Gründe dafür? Fehlt uns der Mut?

Dabei spielen ganz unterschiedliche Ursachen eine Rolle. Mut ist eine davon. Das geht vermutlich schon beim genetischen Pool der Amerikaner los. Als vor rund 200 Jahren zahlreiche Menschen in die neue Welt aufgebrochen sind, waren das nicht unbedingt die Konservativen, sondern die Risikofreudigen. Hinzu kommt die Erfahrung, die die Investoren dort über die Jahre gesammelt haben. Die wissen heute, wenn man ein gutes und skalierbares Geschäftsmodell hat, dann kann man damit nicht nur Firmen schaffen, die drei oder 30 Millionen wert sind, sondern solche, die einmal 30 oder gar 300 Milliarden Börsenwert generieren können.

Das weiß man in Deutschland aber doch auch.

In Deutschland haben Sie aber ein anderes Problem: Der Markt ist zu groß. Das hört sich paradox an. Tatsache ist aber, dass hiesige Investoren viel zu oft erst einmal nur den deutschen Markt erobern wollen. Der ist schon lukrativ genug. Und erst wenn sie bewiesen haben, dass ihre Idee funktioniert, dann beginnen sie, ihren Radius zu erweitern. Aber das ist falsch. Wenn eine Idee gut ist und skalierbar, dann funktioniert sie auf der ganzen Welt. Man muss direkt von Tag eins an global denken.

Was macht sie dann so zuversichtlich, dass die Gründer- und Investorenszene in Europa künftig anders tickt?

Zum Einen gibt es in Europa inzwischen wesentlich mehr Leute, die wissen, wie es geht, weil sie selber schon einmal ein oder mehrere erfolgreiche Unternehmen gegründet haben. Zum Zweiten ist für junge ambitionierte Talente die Alternative einer lebenslangen Karriere als Angestellter kaum noch existent. Das erzeugt positiven Druck. Zum Dritten haben wir mit Berlin mittlerweile selbst einen vielversprechenden Gründer-Magneten, der viele junge Leute anzieht und inspiriert. Außer im Silicon Valley, in Bejing oder Shanghai gibt es derzeit wohl kaum eine solche Dichte an Gründergeist wie in Berlin Mitte. Die jungen Leute, mit denen ich zum Beispiel zusammenarbeite, haben alle ein Ziel: Die wollen eine disruptive Technologie entwickeln und einsetzen – und das sofort weltweit. Ich erwarte von da sehr vielversprechende Startups in der nächsten Zeit.

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